Popularmusik in der Kirche

Über Geschmack kann man streiten – in der Regel ohne Ergebnis. Was die einen in den höchsten Tönen loben, ist für andere eine niveaulose Zumutung. Das gilt für Kleidung, für Raumgestaltung, für bildende Kunst und – ganz klar – auch für Musik! Gerne geht das „Nichtverstehen“ des jeweils anderen einher mit der Herabwürdigung desselben. Nun gut, vielleicht ist das ja menschlich. Aber es ist nicht besonders intelligent, denn wirklich bereichern kann uns doch nur die Vielfalt, auch und besonders, wenn sie Bereiche einschließt, die wir (bislang) nicht verstanden. – Von Hartmut Naumann

Harmonien, Grooves, Melodien und Sounds haben Generationen von Menschen geprägt. Bild: EKvW Gitarrentag 2016

Blues, Soul, Folk und Gospel… Bild: EKvW Gitarrentag 2016

Popularmusik in der Kirche? Selbstverständlich! Musik in der Kirche transportiert und reflektiert Glaubensangebote, Glaubenszeugnisse, manchmal zaghafte und manchmal kraftvolle spirituelle Erfahrungen. Wieso eigentlich sollen von dieser Aufgabe der Kirchenmusik bestimmte Stilrichtungen ausgeschlossen sein?

Popularmusik, das ist ein Sammelbegriff für die gewaltige musikalische Stilentwicklung der letzten 150 Jahre, deren wichtige Wurzeln spirituelle Erfahrungen verschleppter und versklavter Afrikaner in der „Neuen Welt“ sind. Neben den Spirituals sind es Blues, Soul, Folk und Gospel, die die Welt der Popularmusik stark prägen. Die musikalischen Anker dieser Musikformen, die Harmonien, Grooves, Melodien und Sounds haben Generationen von Menschen geprägt. Von fröhlich, leicht und heiter bis hin zu tieftraurig, fragend, tröstend und erhaben geht das Spektrum dessen, was diese Musik den Menschen, die sich ihr öffnen, geben kann. Und diese Menschen sind überall! Sie sitzen zu einem großen Teil auch in unseren Kirchenbänken und zwar in allen Generationen. Wer in seiner Jugend vom Rock’n’Roll eines Elvis Presley begeistert war, ist heute 60 Jahre älter, also ca. 75 Jahre alt. Wer von den Tönen der Beatles als 15-Jähriger berührt wurde, dürfte mittlerweile im Rentenalter sein. Das Gleiche gilt für diejenigen, die als Jugendliche „Oh happy Day“ hörten und mitsangen, den ersten weltweit erfolgreichen Gospelsong von 1969. – In allen Generationen sind Menschen mit Popularmusik berührbar. Wir sollten diese Musik richtig gut machen. Dann gehört sie zwingend in die Kirchenmusik und in unsere Kirche.

Letztlich ist es natürlich doch Geschmacksache. Wie mit der Kleidung und der bildenden Kunst. Nicht jedem ist Popularmusik wichtig – aber ganz ganz vielen!

naumann_300px

Kirchenmusikdirektor Hartmut Naumann ist Professor für Popularmusik und Prorektor an der Hochschule für Kirchenmusik Herford

 

 

Glaubensgut als Unterpfand

…oder: Warum die klassische Kirchenmusik Priorität haben muss

Seit mehr als 40 Jahren mache ich als Musiker mit Menschen in der Kirche Musik. Traditionelle Kirchenmusik. Ich liebe diese Musik, weil sie Worte in eine Form bringt, die sie für sich allein nicht haben. Vor allem die alten Choräle kommen mir manchmal vor wie ein Bauwerk, das ein genialer Architekt mit perfekten Proportionen zu einem Kunstwerk gemacht hat, das über sich hinausweist – auf den Himmel, auf Gott. –Von Martin Rieker

kirchenmusik-traditionell_600

…wenn Glaubenslieder zur Heimat werden. Foto: EKvW

Um diese Schönheit zu erkennen, ist es nicht nötig, dass wir Text und Melodien schon beim ersten Hören in Gänze verstehen oder sie uns merken können. Es muss  eben nicht immer alles einfach und eingängig sein. Ich sehe das in meinen Kinderchören: Die Kinder sind sehr empfänglich für alte Melodien und für alte Sprache, die für unsere Hörgewohnheiten sicher zunächst sperrig klingen, und sie nehmen die Texte erstmal einfach hin (z. B. „nun komm, der Heiden Heiland“). Sie müssen nicht alles mit dem Kopf verstehen, um Freude am Singen zu haben. Auf diese Weise werden sie vertraut mit dem Traditionsschatz unserer Kirche.

Im Laufe des Lebens entdecken Erwachsene dann, was die alten Kirchenlieder alles zu sagen haben. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „O Haupt, voll Blut und Wunden“ – das sind Lieder, die auf den ersten Blick altmodisch, vielleicht sogar überholt klingen, aber wer sie in einer Lebenskrise oder am Bett eines Sterbenden singen kann, bekommt einen ganz anderen Blick für ihre Bedeutung. Und andersherum gilt: Wenn uns in diesen Situationen Worte fehlen, kommen die Lieder zu uns und werden zu Gebeten.

Wie sehr diese Glaubenslieder zur Heimat werden, sehe ich im Altenheim, wenn ich mit dementen Menschen singe. Sie kennen alles noch auswendig, und ich habe das Gefühl, dass es sie glücklich und ruhig macht, die vertrauten Strophen zu singen. Sie finden darin Heimat.

Darum glaube ich, dass wir gerade mit der alten Kirchenmusik einen Schatz haben, in dem sich Glaubensäußerungen finden, die sich bewährt haben. Diesen Schatz müssen wir wohl hüten und die Liebe dafür immer neu entfachen. Ihn zu vernachlässigen und zugunsten neuer, „einfacher“ (billigerer?) Formen aufzugeben, wäre eine Katastrophe, die wir nie wieder gutmachen könnten.

rieker_300px

Kirchenmusikdirektor Martin Rieker ist Kantor in Halle/Westfalen und Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford

15 Jahre 9-11

„Nichts wird mehr so sein, wie es vorher war!“ So beschrieben viele Kommentatoren unmittelbar nach den Attentaten auf das World Trade Center in New York ihren Eindruck von der Bedeutung dieses Ereignisses. Vergleichbares hatte die Welt noch nicht erlebt. Amerika, bisher für die meisten Menschen ein Ort der Sicherheit und Zuflucht, unverletzbar und unschlagbar, war mitten in Manhattan, dem Traum dieser Verheißung, tödlich getroffen. Und: Die Welt sah live und in Farbe zu. Zeitgleich gingen Bilder um den Globus, die wir bisher nur aus Hollywood-Filmen kannten, aber die nun eine grausame Realität beschrieben. 2749 Menschen starben in den Trümmern der beiden Türme. Wir gedenken in diesen Tagen zum 15. Mal der Opfer der Anschläge von New York und Washington. Was aber heißt in diesem Fall „gedenken“? Und wer sind die „Opfer“? – Von Andreas Walczak-Detert

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum.

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial. Bild: NormanB / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

…„Das Wunder, das wir schaffen können, ist mit unserem Leben fortzufahren, den Wert des Lebens zu bewahren, zu schützen und zu feiern…,“ sagte der New Yorker Bürgermeister Bloomberg bei den Gedenkfeiern auf Ground Zero am 11. September 2005. Allen Teilnehmern war damals klar, dass die Form der Trauer nun in eine neue Phase treten würde. Mit der Grundsteinlegung für den noch höheren Freedom Tower würde es keine Trauerfeiern auf dem so genannten „bad rock“, dem bösen Gestein, mehr geben. Aber die Welt ist nicht einfach zur Normalität zurückgekehrt. Es ist tatsächlich nichts mehr wie früher.

Es ist, als ob diese Anschläge auf gespenstische Art und Weise endgültig das 21. Jahrhundert „eingeläutet“ haben. Wird am Ende das 21. Jahrhundert durch blutige Terroranschläge gekennzeichnet sein – so wie das 20. Jahrhundert durch zwei furchtbare Weltkriege? Zeigen diese Anschläge nicht deutlich, dass es in unserer globalen Welt keine Sicherheiten mehr gibt? Die folgenden Anschläge, in Paris und Brüssel, an der Côte d’Azur und nun auch in Deutschland haben die Verletzbarkeit unserer modernen Welt eindrucksvoll unter Beweis gestellt – und unsere Schutzlosigkeit. Einen sicheren Ort auf der Welt gibt es nicht.

Besonders pikant: Die Terroristen waren Islamisten, beriefen sich auf den Koran, fühlten sich von einem heiligen Krieg zu ihren Taten gerufen. Hatten die Industriegesellschaften vorher noch erwartet, „die Religion“ würde in der modernen Welt allenfalls noch ein Nischendasein führen, so meldete sich nun „die Religion“ schlagartig mitten in der säkularen Welt zurück.

„Die Religion“

Welche Rolle spielt „die Religion“ in unserem Zusammenleben? Wird unsere Zukunft durch neue Feindbilder geprägt sein? Werden Christentum und Islam sich entfremden, statt den gegenseitigen Respekt zu vertiefen? Wird sich die Welt einteilen in die Guten und die Bösen? Bleibt unser christliches Wissen, dass jeder Mensch Gutes und Böses in sich trägt, auf der Strecke? Was werden wir am Ende aus den Terrorangriffen lernen?

Der anglikanische Bischof von Leeds, Nick Baines, verfolgt mit großer Sorge die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in seinem eigenen Land. Rassismus, so seine Einsicht, beginnt nicht lautstark und gewalttätig, sondern als „Samen, der durch Schweigen und Verbreiten von Gerüchten genährt wird…Dem kann begegnet werden durch das Pflanzen, Pflegen und Hegen von Samen, aus denen Hoffnung, Engagement und Liebe erwächst. Es reicht nicht aus, den schlechten Samen auszureißen, man muss an seiner Stelle einen guten einpflanzen.“

Neue Freundbilder statt alte Feindbilder

Der Friedensauftrag der Christen hat durch die Anschläge am 11. September 2001 eine neue Dringlichkeit bekommen. Noch energischer müssen wir fragen und sagen, was heute dem Frieden dient – gerade auch im Gespräch mit anderen Religionen. Unser Glaube muss dazu beitragen, neue Freundbilder statt alte Feindbilder zu „malen“. Ich finde, dass dies der beste und angemessenste Weg ist, der Opfer des 11. September zu gedenken und Lehren aus den Anschlägen zu ziehen. Es steht viel auf dem Spiel, damit wir am Ende nicht alle zu späten Opfern werden.

Walczak-Detert_200

 

Andreas Walczak-Detert ist Pfarrer für Stadtkirchenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

Bildnachweis oben: Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum. By NormanB (Own work) / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Für die Rückkehr des Stammtisches

Einsame, unzufriedene, neidische und sozial verkümmerte Menschen hat es vermutlich zu allen Zeiten gegeben. Menschen, die sich einfach nicht daran erfreuen können, dass sie gesund sind, ein Dach über dem Kopf haben, ein einigermaßen sicheres Einkommen und eine cappuccino-braune Schrankwand. Die eben keine tiefe Dankbarkeit darüber verspüren, dass ihre Kinder eine Schule besuchen können, dass sie ohne Angst an die Wahlurne gehen und so die nächste Regierung mitbestimmen können, dass sie behandelt werden, wenn sie krank sind, dass sie einmal oder mehrmals im Jahr nach Malle fliegen können und dass ihr Flachbildschirm vermutlich größer ist als Großmutters Kleiderschrank. Es gab vermutlich zu allen Zeiten diese Menschen, für die das Glas immer halbleer ist, die sich betrogen fühlen, und die glauben, dass sie immer zu kurz kommen.

Stammtisch. Bild: By Takeaway/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Stammtisch: Hier traf man sich… Bild: von Takeaway (Eigenes Werk)/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Und weil man daran so wenig ändern kann… wünsche ich mir die Rückkehr des Stammtisches!
Denn früher, da trafen sich diese Unzufriedenen in der Kneipe um die Ecke, tranken Bier, bestätigten sich gegenseitig ihr Elend – und, außer der bedauernswerten Bedienung, musste das, was in diesen Nörgel- und Meckerrunden so geboren wurde, niemand hören. Im Laufe eines Abends sank damals vermutlich das Niveau umgekehrt proportional zum Alkoholgehalt im Blut – und am Morgen danach sorgte ein gnädiger Blackout, verbunden mit einem mächtig brummenden Schädel dafür, dass die krudesten Gedanken dort blieben, wo sie hingehören – vergessen am Boden des Bierglases. Einen Leserbrief an die Zeitung hätten diese Menschen niemals geschrieben – zum einen, weil es ihnen vermutlich an der notwendigen Rechtschreibung gefehlt hat – und zum anderen, weil damals noch Mut dazu gehörte, einen Artikel mit dem eigenen Namen zu zeichnen.

Wichtige Funktion für unsere Gesellschaft

Und heute? Es gibt sie kaum noch, die Eckkneipen, und mit ihnen verschwunden sind auch die Stammtische, die ganz offensichtlich eine wichtige Funktion für unsere Gesellschaft und unser soziales Klima hatten. Ohne diesen geschützten Raum, dieses schwarze Loch für rassistische, frauenfeindliche, wehleidige, unzufriedene, pöbelnde, homophobe, hetzerische oder ganz einfach: herzlose Sprüche, suchen sich all diese Gedanken, die besser ungesagt blieben, die aber raus wollen, einen anderen Raum.

Stammtisch-Loser

Und dank der schönen, neuen Medien, dank un-sozialer Netzwerke und falsch verstandener Meinungsfreiheit, lassen uns die Stammtisch-Loser von damals nun an ihrem Wehklagen teilhaben. Sie posten in die Welt hinaus, was ihrer Meinung nach mal gesagt gehört. Besaufen sich nicht mehr am Bier, sondern an ihrem eigenen Hass, an ihrer Unzufriedenheit und an der großen Ungerechtigkeit, die ihnen angeblich das Glück verwehrt. Und draußen in der digitalen Welt – da gibt es dann endlich Bestätigung, von anderen Unzufriedenen, die das auch so sehen und die sich beeilen, in hanebüchener Rechtschreibung und noch viel schlimmerer Gesinnung Zuspruch zu schreiben. Die Feinde sind immer die gleichen: die da oben, die Fremden, die Anderen.

Und statt eines Brummschädels, Übelkeit und ein bisschen Scham gibt es am nächsten Morgen so viele Likes, dass man nun glauben könnte, das, was man da von sich gegeben hat, wäre wahr – weshalb man die Sprüche nun auch in der echten Welt versucht. Wo dann Politiker warten, die versprechen, dass die Welt einfach sei, wenn man sie nur in schwarz und weiß aufteilt. Wo sich selbst „seriöse“ Medien auf jede Unzufriedenheit stürzen und nun auch jedem Meckerkopf eine Bühne bieten – schließlich hat der Nörgler 500 Likes bekommen, es muss doch was dran sein. Und wo es immer schwieriger wird, eine unbequeme, eine differenzierte Sicht der Dinge einzufordern.

Der Stammtisch von damals – er hat keine Probleme gelöst, aber er schuf einen geschützten, windarmen Raum, wo aus einer kleinen, zornigen Flamme (frei nach Jakobus 3,6) nicht gleich ein Waldbrand entstehen konnte. Sie durfte kurz aufflammen – und dann erlosch sie wieder, ohne Sauerstoff von außen der Lebensgrundlage beraubt. Ich wünschte, es gäbe heutzutage mehr Windstille und weniger Brandbeschleuniger…

Nicole Schneidmüller-GaiserDiplom-Journalistin Nicole Schneidmüller-Gaiser,
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im
Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten

 

 

Bildnachweis: „Stammtisch“ von Takeaway (Eigenes Werk)y/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

15. Juni: Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen

Was die UN-Vollversammlung so an Welt-Gedenk-Tagen ausruft! „Gegen die Misshandlung älterer Menschen“ – das ist doch kein Thema in Deutschland…

…Stimmt. Man spricht nicht drüber.

aelteremenschen_pixabay

ABER: Im Jahr 2012 ergab eine Untersuchung der EU, dass in europäischen Ländern durchschnittlich drei bis acht Prozent der älteren Menschen (ab 60 plus) Misshandlungen erfährt.

In Deutschland kam man auf eine Quote von 25 % (in Worten: fünfundzwanzig Prozent). Jeder vierte ältere Mensch in unserem Deutschland erlebt: Menschen, auf die er angewiesen ist, gehen roh, unachtsam, miss-handelnd mit ihr oder ihm um.

Nun kann man immer fragen, was genau wie untersucht wurde, doch bleibt, auch im Vergleich mit anderen Nationen, das Ergebnis signifikant. Trotzdem: Weder in 2012 noch danach gab es einen Aufschrei der Empörung in Politik, Gesellschaft und Kirche. „Misshandlung älterer Menschen“: Kein Thema!

Dabei dürfte doch eines unumstritten sein: Misshandlungen aller Art und in allen Altersstufen sind zu verurteilen, anzuprangern, und nach Möglichkeit zu verhindern. Die unbedingte Menschenwürde und die Gottesebenbildlichkeit des Menschen sollte uns so viel wert sein, dass wir ohne Ansehen der Person nicht nur „dagegen“ sind, sondern auch „dagegen“ handeln. „Wir“ – als Teil der Gesellschaft. Und: „Wir“ als Evangelische Kirche.

Dabei darf es nicht um schnelle Verurteilungen der Miss-Handelnden gehen. Sowohl in der professionellen als auch in der familiären Pflege kommt es zu massiven Überforderungssituationen, die oft nur in Form von verbaler, psychischer, emotionaler oder körperlicher Gewaltausübung ein Ventil finden. In vielen – nicht in allen! – Fällen ist Überforderung die Wurzel für Gewalt. Nachvollziehbar, und trotzdem ganz und gar nicht in Ordnung.

Was können wir tun – als einzelne Christenmenschen, als Gemeinden, als Kirchenkreise und als Landeskirche? Ideen für einen ersten Anfang:

  • Hinsehen. Überhaupt damit rechnen, dass ältere Menschen Misshandlung erfahren.
  • Sprechen. Es zum Thema machen – in Gottesdiensten, Veranstaltungen, Veröffentlichungen. Das Tabu brechen.
  • Handeln. Angebote für pflegende Angehörige machen. Entlastungen schaffen. Tagespflege in Gemeinderäumen anbieten.
  • Nachdenken. Wo fängt Miss-Handlung an? Wie sehr achte ich selbst die Alten – im Alltag, beim Einkaufen, auf der Straße, in den Gemeinden, in den Gottesdiensten?

Helga Wemhöner

Pfarrerin Helga Wemhöner ist Dozentin im Fachbereich Seelsorge im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen und zuständig für den Arbeitsbereich Seelsorge im Alter und in Einrichtungen der Altenpflege

„Gott fährt Fahrrad“

„Gott fährt Fahrrad“, ist der Titel eines autobiographischen Romans des niederländischen Schriftstellers Maarten`t Hart. Der „Europäische Tag des Fahrrads“, den das französische Bündnis Attac seit 2008 für den 3. Juni ausruft, ist eine gute Gelegenheit, über das Fahrrad und über unser Mobilitätsverhalten nachzudenken und darüber, was das mit Gott zu tun hat.

Fahrräder. Foto: Dirk Purz

Auf einem Autoparkplatz haben bis zu 12 Fahrräder Platz. Foto: Dirk Purz

In keinem anderen Lebensbereich ist es so wenig gelungen, den Schadstoffausstoß zu reduzieren, wie im Verkehr. Die Emissionen sind hier in den letzten Jahren gestiegen statt gefallen.

Es ist also höchste Zeit, unser Mobilitätsverhalten zu ändern, um die Schöpfung zu bewahren und die Klimaschutzziele von Paris auch erreichen zu können.
Was liegt da näher, als öfter auf das Fahrrad umzusteigen und nicht nur am 3. Juni das Auto stehen zu lassen?

75 Prozent aller Wege, die wir zurücklegen, sind kürzer als zehn Kilometer; die Hälfte aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer. Dabei ist das Fahrrad bei Distanzen bis fünf Kilometer häufig das schnellere Verkehrsmittel und als E-Bike ist es bei Entfernungen bis zu 15 Kilometern ebenfalls häufig die bessere Alternative. Außerdem: Das Fahrrad spart Geld – ein Auto kostet laut ADAC mindestens 350 Euro im Monat. Radfahren hält gesund – Fahrradfahrer leben länger und sind weniger krankheitsanfällig. Auf einem Autoparkplatz haben bis zu 12 Fahrräder Platz und der Ausbau des Radwegenetzes kostet nur einen Bruchteil des Autobahnnetzes.
Einige von vielen Gründen dafür, dass das Fahrrad das Fortbewegungsmittel des 21. Jahrhunderts sein wird.

Meine Vision einer Gemeinde der Zukunft: Die fahrradfahrende Pfarrerin, der in die Pedale tretende Gemeindepädagoge oder die Küsterin, die mit dem elektrischen Lastenrad ihre Besorgungen erledigt. Zeit zum Grüßen und Zeit zum Absteigen für ein Gespräch! Sehen und gesehen werden. Die Gemeinde als Erprobungsraum für einen ent-schleunigten Alltag.
Gemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche könnten diese Form der Fortbewegung durch finanzielle Beihilfen oder durch die Bereitstellung von Diensträdern unterstützen.
Fahrräder sind ja nicht nur ein sichtbares, sondern genauso auch ein lustvolles und gesundes Zeichen für unsere christliche Schöpfungsverantwortung und für den Klimaschutz.
Probieren Sie es aus. Eine Möglichkeit ist es, zum Beispiel das Radwegekirchennetz im Kirchenkreis Unna oder anderswo dafür zu nutzen: www.radwegekirchen.de

Volker Rotthauwe

Volker Rotthauwe

Pfarrer Volker Rotthauwe ist theologischer Referent im
Fachbereich Nachhaltige Entwicklung im Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW

In der Freundlichkeit einer Gummizelle erstickt unser Glaube

Wir feiern Konfirmationsgottesdienst und die Konfirmanden, und auch manche ihrer erwachsenen Freunde, schreiben währenddessen – kaum versteckt – WhatsApp oder sehen youtube auf ihren Smartphones.

Erstmal ein Foto machen und mit den Freunden teilen...

Erstmal ein Foto machen und dann noch ein Video gucken…

Wir feiern Taufgottesdienst. Plötzlich geht der fleißige Onkel, der ständig fotografiert, obwohl es anders abgesprochen war, nach vorne und bittet den Pfarrer, doch noch einmal das Taufwasser über das Kind zu gießen. Gerade sei leider Gegenlicht gewesen.
Wir wollen die Hochzeit eines netten jungen Paares feiern. Nun hat es ausdrücklich als Musik zum Einzug „We are the champions“ von Queen erbeten. Ohne ging gar nicht.

Diese Szenen eines Gottesdienstes stammen aus keiner Comedy-Sendung bei RTL. Auf solche Absurditäten kommt nur das wahre Leben selber.

Um nicht gleich uns selber anzuklagen, verlass ich mich auf einen gestandenen Gewährsmann kirchlichen Lebens, sogar ausgezeichnet mit dem Predigtpreis: Fulbert Steffensky schreibt über einen Traugottesdienst, den er gehalten hat:
„Während der Trauung sah ich, dass der Enkel las, und ich fragte ihn nachher, was er gelesen habe. Einen Krimi, sagte er mir. Mit meiner Liberalität habe ich dann geschwiegen und gelitten, und nachher dachte ich, was tue ich eigentlich diesem Menschen an, wenn ich mich ihm nicht zeige, wenn ich nicht sage, was ich davon halte. Wie soll er stark werden, wenn er mich immer mit der Freundlichkeit einer Gummizelle erlebt? Und ich sagte zu ihm: „Es war feige und respektlos. Du hast nicht respektiert, was anderen wichtig ist, und du warst feige, draußen zu bleiben, wenn es dir nichts sagt.“ Später hatten wir ein sehr schönes und ernsthaftes Gespräch darüber. Was hätte ich ihm verweigert, wenn ich geschwiegen hätte. Es ist eine große Gefahr von uns Alten, dass wir von den Jugendlichen geliebt werden wollen.“

Wovor haben wir eigentlich Angst?

Ich denke, dass wir in den drei Beispielen zu Anfang auch geschwiegen hätten. Gilt dafür auch die Frage Steffenskys: „Was haben wir den Menschen verweigert, weil wir geschwiegen haben?“
Gilt auch die Frage: „Ist es eine große Gefahr von uns Christen, dass wir von allen geliebt werden wollen? Bis zur Unkenntlichkeit unseres Glaubens.“
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer seine Predigt unterbräche und die Jugendlichen bitten würde, die Smartphones auszumachen?
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer sich weigern würde, die Taufe zum Event fürs Familienalbum degradieren zu lassen? Und keine Slowmotion der Taufe anbieten würde.
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer und die Gemeinde es ertragen würden, dass das Paar sich nicht kirchlich trauen lässt, wenn es nicht mit dem Song „We are the champions“ einziehen dürfte?

Wovor haben wir da eigentlich Angst, wenn wir die Freundlichkeit einer Gummizelle verlassen und sagen würden: „Hier ist eine Grenze, jenseits der so viel von dem verraten wird, was mir und uns als Christen wichtig ist, dass ich nicht bereit bin, sie zu übertreten.“

Schon beim Schreiben stockt mir fast der Atem vor so viel Tollkühnheit.

annette_doerstel_200Annette Dörstel hat an einer Realschule Sport und katholische Religion unterrichtet. Nach der Schulzeit arbeitet sie ehrenamtlich im Krankenhausbereich und in der ökumenischen Arbeit ihrer Kirchengemeinde.

Europa: In der Krise steckt die Chance

Eine Stimme für das „Friedensprojekt“ Europa!“ war einer der ersten Beiträge in der „Klaren Kante“. Wie sieht es jetzt, zwei Jahre später, aus? Annette Muhr-Nelson schaut zurück und nach vorn.

europa_600

Paris, Brüssel, die Terroranschläge in europäischen Metropolen erschüttern uns bis ins Mark. Allerorten ist Verunsicherung zu spüren. Kaum ein Fernsehabend ohne eine Talkshow oder ein Magazin zum Thema. Dabei werden Schwächen in der Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten der verschiedenen europäischen Staaten bemängelt.

Idomeni, Lesbos, Lampedusa, Calais. Zäune in Osteuropa, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen auch in Dänemark, das Rücknahmeabkommen mit der Türkei. Ein europäischer Flüchtlingsgipfel jagt den anderen.

Großbritannien stimmt am 23. Juni über den Verbleib in der EU ab. Ein Brexit könnte möglicherweise große Auswirkungen auf die europäische Währungsunion haben. Die nationalkonservativen Parteien und Strömungen erstarken in ganz Europa. In der Ukraine herrscht immer noch Krieg.

Die Europäische Union steckt in einer dicken Krise. Steht das „Friedensprojekt Europa“ vor dem Aus?

„Wir sind zutiefst erschüttert von den Ereignissen. Als Gesellschaften und auch als Kirchen müssen wir fest und geeint stehen“, sagte der Generalsekretär der GEKE (Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa), Bischof Dr. Michael Bünker, unmittelbar nach den Anschlägen in Brüssel. „Die Spaltung Europas durch Terroranschläge wie jene von Brüssel darf nicht gelingen.“

Was für die Terroranschläge gilt, gilt auch für die anderen Herausforderungen: Die Spaltung Europas darf nicht geschehen! Ruhe bewahren, einen kühlen Kopf behalten, gemeinsam nach Lösungen suchen, ist das Gebot der Stunde.

Wertelieferanten?!

Es stand Politikern schon immer gut an, weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Visionär und menschlich – so stelle ich mir europäische Politik vor; an einer Friedenslogik ausgerichtet, die ein auskömmliches Leben für alle zum Ziel hat.

Das mag naiv und weltfremd klingen. Ist es auch, solange damit gemeint ist: „Lasst uns so weitermachen wie bisher.“ – Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Die Appelle zu Toleranz und Offenheit reichen nicht mehr aus, den sozialen Frieden zu wahren.

Als Kirchen haben wir da lange genug mitgespielt, haben uns in die Rolle des Wertelieferanten für die Gesellschaft drängen lassen, haben getröstet und Pflaster auf die Wunden geklebt.

Jetzt ist es Zeit, deutlich zu machen, was Gerechtigkeit, Solidarität, wirklich heißt: Eine Transformation der Gesellschaft, eine Lastenverteilung zwischen Arm und Reich, eine komplette Änderung unseres Wirtschaftssystems.

Wenn wir es nicht aussprechen, wer dann: Die weltweiten Flüchtlingsströme und das Erstarken des Extremismus brechen nicht über uns herein wie Naturgewalten. Sie waren vorhersehbar. Sie sind logische Konsequenzen eines globalen ausbeuterischen Wirtschaftssystems, von dem wir in Europa lange genug profitiert haben.

Nur mit mutigen Schritten nach vorn können wir das überwinden. Zurück zum Nationalstaat ist keine Option. Europa hat schon viele Krisen gemeistert. Ich bin zuversichtlich, dass der Friedenswille und die Freiheitsliebe der Europäerinnen und Europäer nicht so leicht unterzukriegen sind.

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson ist Friedensbeauftragte der EKvW und Leiterin des Amtes für MÖWe

 

Der Marlboro-Mann ist tot

Der Marlboro-Mann ist tot. Wahrscheinlich an Lungenkrebs verstorben. Oder an Einsamkeit. Jahrzehntelang war er das Sinnbild für einen bestimmten Männertypus in der Werbung: der harte Cowboy am Feuer, allein in der Prärie, souveräner Herr über alle Gefahren. Vor einiger Zeit hat ihn Marlboro mitsamt Pferd aus dem Verkehr gezogen. Irgendwie schien seine Zeit wohl abgelaufen. Und so hat man ihn stillschweigend beerdigt. – Martin Treichel über Sexismus in der Werbung

Mann mit Männergrippe

Der Wick MediNait-Mann lebt. Aber es geht ihm schlecht. Er ist erkältet, liegt im Bett, leidet. Mit Wimmern in der Stimme, fleht er seine Frau an: „Kannst du meine Mama anrufen?“ Der Mann als ewiges Muttersöhnchen, wie ihn ein aktueller Werbespot präsentiert.

Vom „tough guy“ zur „Heulsuse mit Männergrippe“ – so hat sich das Männerbild in nur wenigen Jahren tiefgreifend verändert.

Ein Fortschritt? Wohl kaum. Es ärgert mich, dass sich alle Welt über „die Männer“ lustig machen darf. Dass es offenbar alle komisch finden, Männer lächerlich zu machen. Ganze Werbeagenturen und Textwerkstätten für Comedians scheinen davon zu leben, sich auf Kosten der Männer zu amüsieren. Und immer mit den gleichen Klischees, die den Mann wahlweise als komplett triebgesteuert oder total verblödet oder weinerlichen Jammerlappen darstellen.
Merke: Es gibt Sexismus, der sich gegen Frauen richtet. Der sie reduziert auf Beine, Bauch und Po. Und es gibt vielfältige Diffamierungen, die sich gegen Männer richten. Die mit platten und abwertenden Stereotypen arbeiten, mit Vorurteilen und Unterstellungen.

Ich will das eine so wenig sehen wie das andere. Mein Vorschlag: Könnte nicht der Marlboro-Mann mal beim Wick MediNait-Mann vorbeireiten, ihm das Kissen aufschütteln, einen Tee kochen und ordentlich den Kamin einheizen?

Martin TreichelMartin Treichel ist Landesmännerpfarrer und Leiter des Fachbereichs „Männer, Familie, Ehrenamt“ am Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW.

 

 

Zum Weiterlesen: Sexismus in der Werbung: Frauen

Dümmlich, nackt und willig? Sexismus in der Werbung

Wir sitzen beim Frühstück, ich schlage die Zeitung auf, eine Werbung fällt raus. Eine junge Frau mit breitem Mund und großen Brüsten grinst mich an. Die Frau trägt eine schwarze Brille. Daneben der Satz: „Jetzt zum Sehtest!“ – Nicole Richter über Sexismus in der Werbung

Besonders frauenfeindliche Werbung: TERRE DES FEMMES vergibt dafür den  „Zornigen Kaktus". Bild: © TERRE DES FEMMES

Besonders frauenfeindliche Werbung: TERRE DES FEMMES vergibt dafür den „Zornigen Kaktus“. Bild: © TERRE DES FEMMES

„Komisch“, sagt meine Tochter, „Wieso Sehtest? Den Busen sieht man doch auch ohne Brille!“ „Genau!“, denke ich und versuche mich über diesen Sexismus in der Werbung nicht aufzuregen. Ich muss schließlich ins Büro.

Auf meinem Weg dahin wandert mein Blick zu drei Plakatwänden. Drei Frauenpo`s in knappen Bikinihöschen mit Sand überzogen. Ja, sexy. Aber kann es wahr sein, dass ich an jeder Ecke mit sexistischer Werbung konfrontiert werde? Nichts gegen schöne Bilder, aber ich haben keine Lust mehr auf solche: Frauen, die sich als dümmlich, nackt und willig präsentieren. Und ich werde sicher auch nicht meine nächste Reise auf der Webseite buchen, die die Marketingstrategie „Sex sells“ unterstützt. Ich fordere ein Verbot von Werbung, in der Frauen zum sexuellen Objekt reduziert werden. Ich will auch keine Werbung, die Männer als muskulöse, unfähige Protz-Typen darstellt. Solche Bilder prägen sich ein und sie verändern uns.

Eine internationale WHO-Studie zeigt: Jedes zweite 15-jährige Mädchen findet sich zu dick. Bei den Jungen ist es jeder dritte– selbst wenn sie objektiv gar nicht übergewichtig sind. Ein negatives Körperbild könne sich ungünstig auf das Wohlbefinden auswirken und sogar Essstörungen verursachen, meint das Forschungsteam. Von der Verfestigung klischeehafter Rollenbilder mal ganz zu schweigen.

Wer sich gegen sexistische Werbung wehren will, kann eine Beschwerde an den deutschen Werberat schicken. Den gibt es seit 1972. Er besteht aus 41 Organisationen aus Handel und Wirtschaft, die sich selbstverpflichtet haben, einen Werbekodex zu wahren. Sinnvoll und wichtig, denn die Bilanz zeigt: Der Vorwurf der Frauenherabwürdigung und -diskriminierung ist konstant hoch! Acht Rügen hat der Deutsche Werberat wegen geschlechterdiskriminierender Werbung im ersten Halbjahr 2015 an Unternehmen ausgesprochen. Doppelt so viele wie im Vorjahr. Positiv sei jedoch, so die Geschäftsführerin Julia Busse, dass gerügte Unternehmen in der Regel kein weiteres Mal auffällig werden.

Ihr Wort in Gottes Ohr. Um mit Luther zu sprechen: Hier stehe ich und kann nicht anders. Ich habe jedenfalls beschlossen, besagte zwei Werbeanzeigen beim Werberat zu melden. Mal sehen, was passiert.

Nicole Richter

Nicole Richter, Diplom-Sozialpädagogin und Fachjournalistin, arbeitet als Fachbereichsleiterin im Frauenreferat der EKvW in Schwerte-Villigst. Sie verfasst regelmäßig Radioandachten für WDR2

 

 

Zum Weiterlesen:
Der Marlboro-Mann ist tot – Sexismus in der Werbung: Männer
#Istandup: Starke Kampagne gegen Sexismus in der Werbung
Heiko Maas will Verbot sexistischer Werbung
„Der zornige Kaktus“TERRE DES FEMMES hat in diesem Sommer zum zweiten Mal den „Zornigen Kaktus“ für besonders frauenfeindliche Werbung verliehen. Diesjähriger Preisträger der Negativ-Auszeichnung ist eine Anzeige des Online-Unternehmens „Karrierestrategen“. Es wirbt mit dem Hinterteil einer Frau für kostenlose Bewerbungschecks.