„Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“

„ISIS-Kämpfer rücken immer schneller vor.“ – „Bagdad im Visier.“ – „Ehemalige Giftgasanlage durch islamistische Terrorgruppe eingenommen.“ – Die Schlagzeilen zu der besorgniserregenden Entwicklung im Irak überschlagen sich. – Von Annette Muhr-Nelson.

Hand auf Handgranate

Bild: iStockphoto.com/mvdc

Präsident Obama will 300 Militärberater für die irakische Armee schicken und kündigt zögerlich einzelne gezielte Militärschläge an. Er tut sich schwer mit dieser Entscheidung. Denn er befindet sich in einer Dilemma-Situation. Er hatte gehofft als der Präsident in die Geschichtsbücher einzugehen, der den Irakkrieg friedlich beendet hat. Nun bittet ihn die irakische Regierung höchst selbst um Unterstützung, denn wenn er nichts tue, drohe ein Bürgerkrieg mit ähnlichen Ausmaßen wie in Syrien.

Das Szenario erinnert an Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird. Das ganze Ausmaß der verfehlten Außenpolitik der Bush-Ära wird deutlich. Der Krieg gegen Saddam Hussein als Antwort auf die Terroranschläge des 11. September hat außer viel Leid und Tod vor allem eins gebracht: eine Erstarkung und Verschärfung des Terrorismus.
„Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ Wieder einmal zeigt sich, dass Gewalt Gewalt gebiert.

Den ISIS – Kämpfern ist Einhalt zu gebieten. – Aber ist hier nicht die ganze Völkergemeinschaft in der Pflicht? Die Situation im Irak und in Syrien gehört m.E. vor die UNO. Und sie muss unter der Frage der Schutzverantwortung (responsibility to protect) diskutiert werden. Zur r2p gehören 2 „r“ und ein „p“: prevent, react und rebuild.

„Da muss auch Deutschland mehr Engagement zeigen!“

Unsere Verantwortung für den Frieden in der Welt und die Wahrung der Menschlichkeit besteht vor allem aus Prävention. Dazu gehören Frühwarnsysteme, die Stärkung der Zivilgesellschaft und ein sofortiger Stopp von Waffenlieferungen in Krisengebiete. Da muss auch Deutschland mehr Engagement zeigen!

In Syrien und auch jetzt im Irak ist es mal wieder zu spät dazu. Jetzt muss über „how to react“ diskutiert werden. – Hoffentlich im Zusammenhang mit der Frage „how to rebuild“. Denn wer A sagt, muss auch B sagen.

Wir sollten derweil nicht weggucken, sondern nach den Versäumnissen fragen und Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Wir sollten überlegen, wie wir die irakische Bevölkerung moralisch unterstützen können, und wir sollten nicht nachlassen im Gebet für den Frieden!

 

Annette Muhr-Nelson ist Friedensbeauftragte der EKvW und Superintendentin des Kirchenkreises Unna

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