Jung und engagiert?

Jung und engagiert? Das ist kein Gegensatzpaar!
Passt gut zusammen und ist etwas, was wir in der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zusammenbringen. – Von Sebastian Richter.

Sei kein Schaf!

Sei kein Schaf! Foto: Ev. Jugend Frömern

Neulich kommt ein Journalist zu mir. Ob wir denn überhaupt noch ehrenamtliche Jugendliche hätten. Das wäre doch alles gar nicht mehr möglich. Heutzutage. Allein schon wegen G8 und so.

Ich habe ihm von über 30 Jugendlichen erzählt, die wöchentlich eine Gruppe oder ein Offenes Angebot in unserer Einrichtung leiten. Eine Einrichtung der Evangelischen Kirche. Ehrenamtlich. Ohne finanzielle Vergütung.

OK, sagt der Journalist… Aber dann machen die ja sicher nur, worauf sie Lust haben. Spaßgesellschaft und so… Individualisierung. Das moderne Ich-Ich-Ich der jungen Generation. Als er irgendwas von sozialen Medien und virtuellen Welten nuschelt, höre ich schon nicht mehr zu. Am Ende kommt noch ein beherztes „Die Jugend von heute“. Klar…

ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!

In meinem Job als Jugendreferent und Sozialpädagoge in einer Evangelischen Kirchengemeinde kann ich aus erster Hand sagen: Junge Menschen  haben  Lust, sich zu engagieren. Sie packen mit an. Sie übernehmen Verantwortung. Sie investieren Zeit, legen sich für ihr Engagement mit ihren Eltern an („du bist ja gar nicht mehr zu Hause“) und setzen sich für Andere und mit Anderen ein. Es gibt nicht nur den konsumorientierten, es gibt auch den aktiven, engagierten Jugendlichen. Ehrlich!

Als Kirche sollten wir weniger Kritik an jungen Menschen üben – wir sollten uns mehr mit den Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Und weniger über sie reden. Wir müssen uns fragen: Geben wir Jugendlichen Raum, Gelegenheit, Sinn (hieran mangelt es nach meiner Erfahrung übrigens am häufigsten!) und Begleitung sich zu engagieren?
Ich glaube: Wenn man Jugendlichen in „ihren Räumen“ kreativ-charmante Angebote und klare Engagement-Optionen bietet – dann steigen da schon viele drauf ein. Jugendliche müssen dabei so gut wie möglich entscheiden dürfen, was sie machen. Es ist aber auch wichtig und unsere Verantwortung als Kirche, sie in ihrem Engagement zu begleiten und zu stärken und sie nicht unvorbereitet im Regen stehen zu lassen.

Jung und engagiert? Ja! In der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit

Den Beweis haben wir übrigens im Mai in der Evangelischen Jugend Frömern angetreten.
Über 50 Jugendliche waren bei einer kreativen Kampagne mit dem Titel „Sei kein Schaf – geh wählen!“ zur Steigerung der Wahlbeteiligung engagiert. Und zwar mit gewaltigem Erfolg: In unserer Stadt Fröndenberg sank die Wahlbeteiligung im Schnitt um 2,98 Prozent. Kein einziges Wahllokal konnte mehr Wähler zählen. Außer… ja, außer in Frömern: Da gingen 0,88 Prozent mehr zur Kommunalwahl als noch 2009.
Ein Wahnsinnserfolg. Von Jugendlichen möglich gemacht.

Infos zum Projekt: www.seikeinschaf.de und #seikeinschaf #gehwählen

Sebastian Richter

Sebastian Richter ist als Gemeindepädagoge Jugendreferent der Ev. Kirchengemeinde Frömern. Der Schwerpunkt liegt in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Jugendlichen ist Methode, Dreh- und Angelpunkt und Ziel zugleich.

Ein Gedanke zu „Jung und engagiert?

  1. Oliver

    Vielen Dank für diesen Artikel, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Das ist auch meine Erfahrung: Sehr viele Jugendliche haben Lust sich zu engagieren, wenn sie gestalten und Verantwortung übernehmen können. Hier ist allerdings manchmal noch ein Lernprozess auf der anderen Seite erforderlich, Jugendlichen dies auch zu ermöglichen.

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