Sommerfreude?!

Bild: iStockphoto.com/ ia_64 und monkeybusinessimages; Montage EKvW

Noch ein paar Tage Schule, dann endlich sind Ferien. Anna, Tom, Katharina und Paul tollen auf dem Schulhof herum. Voller Vorfreude auf sechs lange Wochen der Freiheit.

„Wir fahren nach Spanien. Da scheint immer die Sonne.“ ruft Anna. „Und wir nach Österreich. Wenn man oben auf den Bergen steht, hat man einen Blick fast über die ganze Welt.“, antwortet Paul. „In Italien schmecken die Spaghetti noch besser als bei uns“, meint Katharina fachkundig.

Anna, Katharina und Paul gehören zu den ca. 75 % aller Deutschen, die im Jahr 2014 eine Reise machen werden. Pro Person wird dafür im Schnitt ca. 1.100 Euro ausgeben.

Tom hat sich seinen Fußball genommen und von der Gruppe entfernt. Er schießt gegen die Schulwand. Immer wieder. Zu sagen hat er zu dem Thema der anderen nichts. Er wird zu Hause bleiben. Und ihm graust schon vor der Frage des Lehrers gleich in der Klassenrunde: „Wohin fahrt ihr denn in diesem Jahr?“

Tom fühlt sich allein…

Denn was er nicht erzählen möchte ist, dass seine Mutter weit davon entfernt ist mit ihm und seiner kleinen Schwester eine Urlaubsreise zu unternehmen. Sie zerbricht sich gerade den Kopf darüber, woher sie die 18 Euro für das Ferienspielangebot der Stadt nehmen soll, zu dem sie Tom so gerne schicken möchte, damit auch er ein wenig Abwechslung in den Ferien hat.

Tom fühlt sich allein; dabei ist er es auf dramatische Weise gar nicht. Er teilt seine Probleme mit 3 Millionen Kindern in Deutschland, die in von Armut betroffenen Familien leben.

Ich kenne Kinder wie ihn und jedes Jahr zur Urlaubszeit geht mir ihre Situation wieder ans Herz.
Eine biblische Weisheit besagt: „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben.“ (Spr. 12,28) Vielleicht gilt das ja auch für den Weg in den Urlaub. Und vielleicht ist das auch nicht nur Sache des Staates, sondern die Aufgabe von uns allen, einer Gesellschaft, mindestens aber der Christenmenschen. Wir könnten Kindern wie Tom auf ganz unkonventionelle Weise zur Sommerfreude verhelfen. Was sind für viele von uns schon 18 Euro? Möglichkeiten bieten sich viele, wenn wir mal in unserem Umfeld suchen, in der Schule unserer Kinder, der Stadt, in der wir leben. Warum sollte nicht z. B. neben einer CO2-Abgabe für Flugreisen auch eine freiwillige Abgabe möglich sein, mit der wir Kindern aus Armutsfamilien die Teilnahme an Ferienmaßnahmen erleichtern?

Wer einem Kind wie Tom in die Augen sieht, dem kommen einige Ideen. Uns auch?

Kathrin Neuhaus-Dechow. Foto: Joachim Hatkemper

Foto: Joachim Hatkemper

Pfarrerin Kathrin Neuhaus-Dechow ist Öffentlichkeitsreferentin des Ev. Kirchenkreises Münster

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