Organspende aus christlicher Nächstenliebe

Ob der Zustand, in dem sich hirntote Menschen befinden, eher dem Leben oder eher dem Tod zuzurechnen ist, bleibt umstritten. Daher muss es dem einzelnen Menschen überlassen werden, ob er es mit seiner eigenen Würde als vereinbar betrachtet, als hirntoter Organspender zu fungieren. – Von Lars Klinnert

Foto: iStockphoto.com/BeyzaSultanDURNA

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Diese Entscheidung kann nur in einer sorgfältigen Güterabwägung zwischen berechtigten eigenen Interessen und der Hilfsbedürftigkeit anderer erfolgen.

Zwei Anliegen sind vielen Menschen aus nachvollziehbaren Gründen wichtig: Zum einen wünschen sie, das eigene Leben in einem friedlichen Prozess zu beenden; zum anderen fordern sie, auch aus Rücksicht auf die trauernden Angehörigen, einen würdigen Umgang mit dem noch lebendig erscheinenden Körper ein. Allerdings brauchen Christinnen und Christen an gelingendes Leben und gelingendes Sterben keinen überzogenen Integritätsanspruch zu stellen, weil sie darauf vertrauen können, dass Gott allein für ihr Heil sorgt. Dass an der Unversehrtheit des Leichnams nicht die biblische Auferstehungshoffnung hängt, ist ohnehin klar.

„…erscheint es mir nicht nur möglich, sondern vielmehr geboten, sie gegebenenfalls an einem höchstpersönlichen Besitz teilhaben zu lassen, der mir selber keinerlei Nutzen mehr bringt.“

Somit gibt es zwar einerseits keinen rechtlichen und moralischen Anspruch auch noch so kranker Patienten auf fremde Organe. (Es würde sich dann übrigens auch nicht mehr um eine echte Spende handeln). Anderseits gehen die mit der postmortalen Organspende verbundenen Belastungen für gläubige Menschen – zumindest sofern sie den irreversiblen Hirnausfall als ihr eigenes Lebensende anerkennen können – nicht über das zumutbare Maß hinaus.

Ganz persönlich sehe ich daher in der Bereitschaft zur Organspende einen selbstverständlichen Akt christlicher Nächstenliebe. Weil ich angesichts der Bedürftigkeit und Gefährdetheit meines eigenen Lebens fähig bin, mich in schwerkranke Menschen mit ihrem Angewiesensein auf eine Organtransplantation hineinzuversetzen, erscheint es mir nicht nur möglich, sondern vielmehr geboten, sie gegebenenfalls an einem höchstpersönlichen Besitz teilhaben zu lassen, der mir selber keinerlei Nutzen mehr bringt.

Prof. Dr. Lars Klinnert Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe

Prof. Dr. Lars Klinnert
Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Lehrgebiet Ethik am Fachbereich Soziale Arbeit

3 Gedanken zu „Organspende aus christlicher Nächstenliebe

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