Teller oder Tank – wohin mit den nachwachsenden Rohstoffen?

Meine Autowerkstatt sagt, Bio-Sprit E10 sei kein Problem für mein betagtes Auto.
Also: E10 in den Tank, Geld sparen und dabei noch etwas für die Umwelt tun. So macht Energiewende Spaß! Jeder Schritt weg von fossilen Brennstoffen und hin zu nachwachsenden Rohstoffen ist gut, oder? – Von Volker Rotthauwe

Benzintank mit Raps

„So einfach ist das nicht“, sind sich die Umweltverbände und Entwicklungshilfeorganisationen einig.

Bio-Sprit verschärft in ihren Augen das Klimaproblem, den Welthunger und den Artenverlust in der Tier-und Pflanzenwelt. Er ist nicht nur sehr aufwendig und mit einer schlechten Klimabilanz zu produzieren, sondern verdrängt auch noch Ackerflächen für die Nahrungsmittelherstellung, fördert genmanipulierte Monokulturen und provoziert so Landflucht und Armut in den Anbauländern des Südens. In der Folge steigen die Lebensmittelpreise mit fatalen Konsequenzen für die jetzt schon 925 Millionen hungernden Menschen auf der Welt.

Nutzen von Bio-Sprit?

Auch wenn zukünftig mehr „E10“ aus einheimischen Pflanzenresten, Gräsern und Algen hergestellt werden sollte, bleibt der Nutzen des „Bio-Sprits“ für die Einsparung von Treibhausgasen zu gering.

Die Einführung eines Tempolimit auf 120km/h und die verpflichtende Einführung von Leichtlaufrädern und Leichtlaufölen würden beispielsweise mit 6,8 % CO2-Einsparung fast doppelt so viel einsparen wie E10.

Die Energiewende im Verkehrsbereich wird nur gelingen, wenn sich die autozentrierte Verkehrspolitik ebenso ändert wie unser privates Nutzungsverhalten.

Und da ist auch in unserer Kirche noch viel Luft nach oben!

„Warum gibt es keine Förderung von Spritspartrainings für Mitarbeitende in Kirche und Diakonie?“

Was wäre, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer die Anzahl der Hausbesuche mit dem Fahrrad deutlich steigern würden und der Kirchenkreis zinslose Kredite für E-Bikes zur Verfügung stellt, damit man auch bei Entfernungen von über 5 Kilometern nicht verschwitzt ankommt?
Die rege Sitzungstätigkeit unserer Kirche könnte durch Telefon- und Skype-Konferenzen reduziert und bei Großveranstaltungen die zahlreichen Internet-Mitfahrportale intensiver genutzt werden.

Warum sind die diakonischen Träger mit ihren teils großen Fahrzeugflotten nicht Vorreiter der E-Mobilität in Deutschland und warum gibt es keine Förderung von Spritspartrainings für Mitarbeitende in Kirche und Diakonie?

Was tun?

Und was mache ich nun an der Tankstelle? Mein Vorschlag: E 10 tanken, Geld sparen und einmal jährlich das Gesparte der Klimakollekte überweisen (www.klima-kollekte.de).
So kann ich sicher sein, wirklich einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz geleistet zu haben. Und natürlich: Die eigenen Mobilitätsgewohnheiten überdenken und ändern!

Weitere Informationen und Unterstützung: www.kircheundgesellschaft.de.

Volker RotthauweVolker Rotthauwe ist theologischer Referent des Instituts für Kirche und Gesellschaft der EKvW für Nachhaltige Entwicklung und für Fragen der Kirche im ländlichen Raum

4 Gedanken zu „Teller oder Tank – wohin mit den nachwachsenden Rohstoffen?

  1. Eberhard Baade

    Nee, – das geht ja gar nicht. Wenn E10 das Hungerproblem verschärft, wird deutlich: Lebensmittel gehören auf den Teller. Die Landwirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen auf dieser Welt zu ernähren.
    Außerdem hat der „Schlabbersprit“ nicht so eine gute Qualität. Das spart nur bedingt. Ich habe, Gott sei Dank, bis heute noch kein E 10 getankt und meinem Auto verfüttert, was Menschen zum Essen brauchen!

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  2. Henning Bothmer

    Ich seh’s genauso wie Volker Rotthauwe, – bis auf seinen Vorschlag: „E10 tanken, Geld sparen…“
    Leider geht die Rechnung nicht auf, denn weil E10 einen geringeren Energiegehalt hat als „Super“, verbraucht man 2-3% mehr Sprit (siehe Gutachten des Bundestages!) Dass was man bei E10 spart, wird durch den Mehrverbrauch wieder „aufgefressen“, – und zwar total!
    Deshalb tanke ich weiterhin „Super“ und reduziere meinen Spritverbrauch mit einem „hybriden“ Kleinwagen.

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  3. Michael Westerhoff

    Ich begrüße Volker Rotthauwes Vorschläge im Blick auf die kirchlichen Mitarbeitenden und insgesamt auf das eigene Verhalten der Kirche nachdrücklich. Wir als Kirche können die Glaubwürdigkeit unserer politischen Aussagen durch nichts mehr unterstützen als durch unser eigenes Verhalten. E-Bikes oder Hybrid-bzw. E-Autos als Dienstfahrzeuge könnten u.a. ein solches Zeichen sein.
    Michael Westerhoff

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