Kirchliche Bestattung – trotz Kirchenaustritt?

Jeder Mensch hat das Recht, seine Mitgliedschaft in der Kirche aufzukündigen, ohne seine Gründe dafür bekannt zu geben. Religionsfreiheit ist eines der Grundrechte, um das lange gerungen wurde. Dazu gehört auch die sogenannte negative Religionsfreiheit, das Recht, keiner Konfession anzugehören. Dass es in Glaubenssachen keinen Zwang geben kann, ist eine der Grundeinsichten evangelischen Glaubens! „Sine vi sed verbo“ „Ohne Gewalt, allein durch die Überzeugungskraft des Wortes“ hieß es in der Reformation. Und das gilt heute mehr denn je! – Von Dr. Albrecht Philipps bestattung_800Wer aus der Kirche austritt, gibt damit zu erkennen, dass er mit der Gemeinschaft in der Kirche und ihren Vollzügen nichts mehr zu tun haben möchte. Es kann daher grundsätzlich nicht sein, dass jemand, der zu Lebzeiten aus der Kirche ausgetreten ist, dann – möglicherweise gegen seinen Willen – kirchlich bestattet wird. Der Wunsch des Verstorbenen ist zu respektieren. Für die Angehörigen ist das sehr schwer, wenn diese eine seelsorgliche Begleitung und Bestattung mit Gebet und Segen wünschen. Hier ist aber der Wille des Verstorbenen bindend. Auch für einen Sterbenden ist es noch möglich, eine Änderung der Einstellung zum Glauben deutlich zu machen und den Wunsch einer kirchlichen Bestattung zu äußern. Dazu reicht ein Gespräch mit einem Seelsorger oder mit einer Seelsorgerin.

Schwierig wird es aber dann, wenn kirchlich gebundene Angehörigen eines Ausgetretenen – oft wissen sie gar nicht, dass der Verstorbene nicht mehr in der Kirche war – eine kirchliche Bestattung unbedingt wünschen. Grundsätzlich ist auch dann eine kirchliche Bestattung nicht möglich. Pastorales und seelsorgliches Einfühlungsvermögen sind nötig. Ausnahmen im begründeten Einzelfall sind nach unserer Kirchenordnung nur zulässig, wenn es aus seelsorglichen Gründen angezeigt erscheint.

Aus kirchlicher Sicht ist die Verweigerung eines Begräbnisses keine Aussage über das Seelenheil des Toten. Das muss jeder Mensch mit seinem Schöpfer selbst ausmachen. Für alle Beteiligten ist es jedoch einfacher, wenn schon zu Lebzeiten dazu eine klare Vorstellung herrscht und diese den Angehörigen auch mitgeteilt wird.

Dr. Albrecht PhilippsDr. Albrecht Philipps
ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Ochtrup-Metelen
www.evangelisch-in-ochtrup.de

3 Gedanken zu „Kirchliche Bestattung – trotz Kirchenaustritt?

  1. Christoph Fleischer

    Wenn mal kein Pfarrer will: Macht es doch selbst! Hier gibt es Tipps: Magdalena Köster: Den letzten Abschied selbst gestalten, Alternative Bestattungsformen. Chr. Links Verlag Berlin , 2. Aufl. 2012
    Aber auch hier heißt es: Tolerante Pfarrer begleiten auf Wunsch gern Nichtgläubige auf ihrem letzten Weg, …

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    1. Yvonne Kälbli

      Wenn es wirklich Nichtgläubige sind (und nicht „nur“ Menschen, die die verfasste Kirche verlassen haben) ist es wohl eher die Begleitung der Hinterbliebenen. Auch wichtig. Aber eine bewusste Entscheidung gegen den Glauben sollte man auch respektieren. Was dann im Einzelfall die seelsorgerliche Begleitung umso wichtiger macht.

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