Billig-Fleisch essen – Moral vergessen?!

Es reicht! Wir müssen unsere Ernährung umstellen! Weniger Fleisch auf den Teller ist für Christen und Christinnen ein Gebot der Stunde. Immer mehr Menschen haben es, Gott sei Dank, satt, Billigfleisch aus industrieller Massentierhaltung vorgesetzt zu bekommen. 50.000 Menschen waren im Januar in Berlin auf der Straße, um für eine Agrarwende zu demonstrieren. – Von Volker Rotthauwe

Hackfleisch

Lecker Mett – aber was da wohl drinsteckt? Foto: clipdealer

Weltweit wird die Erde kahl gefressen von über 50 Millionen landwirtschaftlich genutzten Tieren, die riesige Mengen von Fäkalien und Klimagasen produzieren. Die Verschmutzung von Luft, Gewässern, Trinkwasser und Böden durch Fäkalien und Pharmarückstände ist Folge unserer ungezügelten Lust auf billiges Fleisch. Der hemmungslose Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung produziert die multiresistenten Keime, die unsere Gesundheit, nicht nur im Krankenhaus, gefährden.

„…jede einseitig auf Hochleistung gezüchtete Kuh, jedes geschredderte Küken oder gequälte Pute ist ein gesegnetes Geschöpf Gottes, dem wir Leid antun.“

Wir brauchen ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit Nutztieren. Als Christinnen und Christen müssen wir in aller Deutlichkeit sagen: Jedes einzelne überzüchtete Schwein, jede einzelne auf eine Gebärmaschine reduzierte Sau, jede einseitig auf Hochleistung gezüchtete Kuh, jedes geschredderte Küken oder gequälte Pute ist ein gesegnetes Geschöpf Gottes, dem wir Leid antun.

Wir brauchen einen grundsätzlichen Systemwechsel von der Tierhaltung über die Schlachtung bis hin zum Verzehr. Wir brauchen eine neue „Mit-Leidenschaft“ für Tiere als unsere Mit-Geschöpfe.

Kirchengemeinden können hier Vorbild sein:
Auf Gemeindefesten, bei kreiskirchlichen Veranstaltungen, in den Offenen Ganztagsgrundschulen in evangelischer Trägerschaft, auf evangelischen Jugendfreizeiten oder auf Synoden und Ausschusssitzungen werden in der Evangelischen Kirche von Westfalen grob geschätzt deutlich mehr als 30.000 Kilogramm Fleisch jährlich verzehrt. Da gibt es noch viel zu viel Billig-Fleisch auf dem Grill beim Gemeindefest, im Caterer-Mittagessen der Offenen Ganztagsgrundschulen oder zwischen den Brötchenhälften auf Synoden und in Gremiensitzungen.

Gerade die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, eine „Ethik des Genug“ einzuüben und Erfahrungen mit reduziertem  Fleischkonsum zu sammeln. Weniger ist mehr – an Genuss und an Schöpfungsverantwortung.

PS: Die Klimafasten-Aktion „So viel du brauchst“ der Evangelischen Kirche von Westfalen bietet (nicht nur) dazu viele Anregungen: klimafasten-ekvw.tumblr.com

Volker RotthauweVolker Rotthauwe ist theologischer Referent des Instituts für Kirche und Gesellschaft der EKvW für Nachhaltige Entwicklung und für Fragen der Kirche im ländlichen Raum

14 Gedanken zu „Billig-Fleisch essen – Moral vergessen?!

  1. Ralf Prange

    Hallo zusammen!
    Ja, das hört sich alles sehr gut und richtig an – aber wie bekomme ich / bekommen wir auch nur einen Hauch davon unseren eigenen evangelischen Kitas beigebogen? Da wird ja schon lange irgendwo extern gekocht, vegetarisch geht gar nicht, und wo das Fleisch (meist auch noch ausschließlich Huhn und Pute) herkommt, danach fragt man lieber gar nicht erst. Aber ein Verständnis dafür, dass evangelisch und solches Essen und solcher Umgang damit (wo sollen die Kinder etwas lernen, wenn so wichtige Dinge wie die Zubereitung der Nahrung outgesourct werden?) nicht recht zusammengehen, erlebe ich nicht einmal in Ansätzen. Schade. Dennoch eine mehr als gute Initiative!

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  2. Luise Hardt

    Da freue ich mich,hier das Thema zu lesen! Ich plädiere dafür, daß auf Gemeindefesten auch keine Grillwurst etc angeboten wird!
    Denn wie oben schon gesagt, die Tiere , besonders die Massentierhaltung , auf der ganzen Linie,
    Schwein, Rind , Geflügel sind ja einem Wahnsinnsleid ausgesetzt und wer mag das mit Genuß essen??Mir kommts kalte Grausen! ;-(
    Aus diesem Grund bin ich seit ca. 20Jahren Vegetarerin! Wir Christen, besonders in der Kirchengemeinde sollten mit mit gutem Beispiel vorangehen!
    Nicht nur predigen , auch handeln! Was mich immer wieder belustigt! Man wird immer wieder , in unserer scheinbar so aufgeklärten Zeit, als nicht Fleischessender als „Außerirdischer“ betrachtet! Vielleicht wird es irgendwann, so hoffe ich, andersrum der Fall sein!;-)
    Zum Glück werden die Vegetarier immer mehr, aber die Tötungsfabriken auch!Was das bedeutet, brauche ich sicher nicht zu formulieren!;-(

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  3. Ute Kerlen

    Mit Betroffenheit und Enttäuschung habe ich die Inhalte der Pressemitteilung und den Blog zur Kenntnis genommen.

    Betroffen; weil wieder einmal ein vermeintlich „aktuelles Thema“ zum Anlass genommen wurde, unseren Berufsstand in ein schlechtes Licht zu rücken.
    Über 40.000 Bauern und Bäuerinnen in Westfalen stoßen zur Zeit an physische und finanzielle Grenzen, weil sie Auflagen zum „Tierwohl“ (höheres Platzangebot), verschärfte Düngeverordnung (Lagerkapazitäten), Greening (Umweltleistungen), mehr Bürokratie (Dokumentationen nach Einführung zum Mindestlohn), Probleme bei Betriebserweiterungen, um nur Stichpunkte zu nennen, zu bewältigen haben.
    Diese verordneten und freiwilligen Leistungen werden von uns Verbrauchern nicht honoriert. Mit Kritik sind wir aber schnell dabei.

    Wir Landfrauen und Landwirte übernehmen Verantwortung für unsere Familien, Mitarbeiter, Produkte und nicht zuletzt für auch für die nachfolgende Generation.

    Enttäuscht; Warum werden solche inhaltsschweren „Texte“ nicht zum Beispiel mit Fach- und Sachkundigen Mitgliedern des „Ausschuss Kirche und Land“ oder der evangelischen Kirche nahestehenden Bäuerinnen und Bauern abgestimmt.
    Ich erinnere mich gerne an durchaus kontroverse, aber sachliche Diskussionen zum „Thema Landwirtschaft“!

    In Abstimmung mit meinem Sohn erneuere ich das Angebot, besonders an Herrn Rotthauwe, sich vor Ort ein Bild zu machen von „überzüchtetenSchweinen und auf Gebärmaschinen reduzierte Sauen“?!

    Lassen Sie uns auf Augenhöhe über Formen der Landwirtschaft diskutieren, die Akzeptanz in der Bevölkerung schafft und Bauernfamilien ein gesichertes Einkommen ermöglicht!

    Mit freundlichen Grüßen aus Minden
    Ute Kerlen, Mitglied der Kirchenleitung von Westfalen.

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  4. C. Möllmann

    Wir sind uns einig, vieles auf der Welt kann man verändern!
    Kirche voran!
    Wenn nicht wir , wer dann?

    Aber:
    Die Art und Weise wie sich Herr Rotthauve äußert geht gar nicht!
    Als gut ausgebildeter Landwirt lasse ich mich eigentlich nicht auf so ein Niveau herab, aber Herr Rotthauve scheint zu den Menschen zu gehören die glauben alles zu Wissen!
    Wie gesagt, die Gedanken sind frei, aber einen ganzen Berufstand zu diffamieren, das ist schon ein bisschen sehr dreist!

    Frau Kerlen hat in ihrem Kommentar den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen, Herr Rotthauve hat leider voll daneben geschlagen!

    Christian Möllmann, 59199 Bönen
    Ackerbauer & Schweinemäster
    Presbyter

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  5. Luise Hardt

    Sehr geehrte Frau Kerlen, sehr geehrter Möllmann,

    ich verstehe gut , daß Sie wütend sind,! Herr Rotthauwe hat im Grunde nichts Neues erzählt, hat auch Ihren Berufsstand als Landwirt/Schweinemäster, (das Wort hat für mich schon alleine einen unangenehmen Beigeschmack) überhaupt nicht in Frage gestellt, sondern nur die leidvolle Massentierhaltung von NUTZtieren;-) !
    Dieses Problem wird doch ganz offen diskutiert , ich wundere mich sowieso , daß es noch nicht in allen Kirchengemeinden angekommen ist!! Die Käfighaltung der Hühner z.B.ist ab 2016 sowieso gestzlich verboten!
    Verantwortung für das Tier ist ein Teil der Menschenwürde! Das heißt, …auch dem Tier auch ein artgerechtes , angenehmes Leben zuschenken, bis es halt doch zur Schlachtbank muß!

    Alles Gute
    Luise Hardt

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  6. C. Möllmann

    Schwarze Schafe mag es in allen Berufsgruppen geben!

    Als Landwirt lebe ich von meiner Arbeit!
    Das heißt nicht, das ich Tiere quäle oder schlecht behandele. Im Gegenteil.
    Gutes Geld verdiene ich mit guten tierischen Leistungen.
    Gute Leistungen gehen einher mit einer guten Gesundheit der Tiere . Nur selten werden Tiere behandelt!

    Fest steht , das sich das Tierwohl im Laufe der Jahrzehnte deutlich verbessert hat.
    Der moderne Stall bringt das mit sich!
    Mehr Tierwohl geht immer!
    Das kennen und machen wir seit Jahrzehnten mit. Und das sehr erfolgreich!
    Übrigens:
    Ackerflächen werden weltweit mehr und die Weltbevölkerung singt?!?!
    Hoffentlich werden wir alle satt, wenn wir so Wirtschaften wie vor 100 Jahren !
    Den Tieren geht es dabei sicher nicht besser.

    Frau Kerlen deutete es an :
    Sehen und Lernen bringt Wissen , reden und schreiben erreicht nicht!

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  7. Thorsten Maruschke

    Liebe Debattierende,
    bitte nehmen Sie nicht alles so persönlich!
    Volker Rotthauwe greift in seinem Blogbeitrag niemanden persönlich an, schon gar nicht alle 40.000 Bäuerinnen und Bauern in Westfalen. Sein Appell geht an uns alle, über einen Systemwechsel eben nicht nur zu schreiben, sondern uns auch dementsprechend zu verhalten.
    Ich glaube gern, dass man sich als Bäuerin und Bauer durch viele gesetzliche Vorgaben getrieben fühlt. Und dann reagiert man sicher auch einmal dünnhäutig, wenn jemand einen Systemwechsel fordert. Aber hören Sie genau hin: Herr Rotthauwe fordert ihn nicht von Ihnen allein. Auch die Bäuerinnen und Bauern sind in diesem System nur ein Akteur von vielen. Er fordert uns alle auf, nachzudenken, christlich gesprochen: umzukehren. Und manchmal muss man eben zuspitzen, um eine Debatte möglich zu machen.

    Und er spricht doch reale Probleme an:
    – dass durch die Futtermittelproduktion Anbauflächen für den Kampf gegen den Hunger fehlen
    – dass tierische Ausscheidungsgase einen relevanten Anteil unseres ökologischen Fußabdrucks ausmachen
    – dass die Antibiotikagabe in der Tiermast mitverantwortlich ist für multiresistente Keime
    – dass „übrig gebliebene“ Küken geschreddert werden
    – usw.
    all das ist doch nicht zu leugnen. All das sind doch unabweisbare Anfragen an eine christliche Ethik. Die Lösung dieser Probleme allein den Bäuerinnen und Bauern aufzubürden, schlägt Volker Rotthauwe an keiner Stelle vor. Er schlägt vor, dass wir alle uns bewusster werden über diese Zusammenhänge, dass wir unser Konsumverhalten anpassen und dass wir als Kirche gut daran tun, mit gutem Beispiel voranzugehen.
    Er greift keinen Bauern und keine Bäuerin persönlich an. Das sollten Sie auch nicht tun.

    Thorsten Maruschke
    Pfarrer

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    1. Achim Riggert

      Lieber Thorsten Maruschke,

      vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich mich nur anschließem kann!
      Ich sehe es auch so, dass der Beitrag von Volker Rotthauve niemanden – insbesondere keine Landwirtinnen und Landwirte, die sich als Christen um schwierige Balancen bemühen – persönlich angreifen wollte und will, sondern nur in klarer und aufrüttelnder Sprache auf Probleme und Herausforderungen aufmerksam machen wollte, die uns als Christen doch alle seit langem bekannt sind. Braucht es nicht viel mehr solcher klaren Worte, damit wir aufwachen und unseren (theoretischen) Einsichten wirklich Taten folgen lassen bzw. zumindest die Bemühungen in diese Richtung steigern?

      Achim Riggert
      Pfarrer

      Antworten
  8. Eckhard Schmidt

    Ich finde den Blog von Herrn Rotthauwe sehr gut, weil er das Leid der Tiere anspricht. Und erwähnt, dass es auch Geschöpfe Gottes sind. Mir kann doch niemand erzählen, dass es den Tieren wirklich gut geht allein in der qualvollen Enge, den Antibiotika-Behandlungen von Ferkeln oder bei den Tiertransporten, ich habe da zuviel selbst mitsehen müssen. Hier wird niemand in eine Ecke gestellt, einige Kommentatoren sollten den Blog mal richtig lesen. Dass ein Systemwechsel notwendig ist (und damit ALLE angesprochen sind, auch Verbraucher und Politiker), ist doch seit Jahren in der Diskussion, weil wir die tierschutz- und umweltpolitischen Probleme auf dem Tisch liegen haben.

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  9. Runa Ahl

    Endlich kommt das Thema auch mal bei der Kirche an. Darauf warte ich schon lange.
    In der Praxis wird es aber noch ein harter Kampf und sehr langer Weg sein, die meisten Menschen kümmert das tatsächlich herzlich wenig ist meine bittere Erfahrung.
    Und: Nicht die Landwirte sind die schwarzen Schafe sondern jede und jeder Einzelne, der meint JEDEN TAG Fleisch auf dem Teller haben zu müssen.
    Das ist eine Einstellung, die wir uns in der Tat nicht leisten können.

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  10. Jürgen Traphöner

    Ob der Beitrag von Volker Rotthauwe nun polemisiert oder nicht ist doch nicht das Problem.
    Solange wir Verbraucher in den Läden das Kilo Schweinefilet für 6 € kaufen können werden die Landwirte/innen nur von Quantität und nicht von Qualität leben können. Höhere, der „artgerechten“ Produktion geschuldete Preise würden die Nachfrage bremsen.
    Aber das Prinzip gilt auch für Milch, Obst und Gemüse usw. Eine höhere Nachfrage nach vegetarischen Produkten setzt hier die gleichen Mechnismen in Gang: der Kampf um Marktanteile über die Preise, daraus resultierende hinterfragbare Produktionsmethoden …
    Und dann bietet der freie Markt – möglicherweise demnächst TTIP- unterstützt – die Möglichkeit, Produkte aus aller Herren Ländern – produziert unter unkontrollierbaren Bedingungen oder vielleicht auch bekanntermaßen genmanipuliert oder geklont – billig in die Regale zu bringen. Für die einkommensschwachen Familien wäre das wieder eine Alternative, für unsere hiesigen Fleisch- und Gemüseproduzenten aber wäre das das Ende.
    Ergo: Die Sache mit der „artgerechten Fleischproduktion“ ist viel komplexer und nur mit dem an Don Quichote erinnernden Ruf „Christen, verzichtet auf Fleisch“ nicht zu lösen.

    Jürgen Traphöner

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  11. Ulrich Seidel

    Die Kirche befindet sich in diesen Fragen zwischen Baum und Borke, aber ebenso in der Friedens- und Afghanistan-Frage und wird wohl damit leben müssen, dass klare Ansagen nicht ihr Ding sind. Immerhin hat die Ev.-Luth. Landessynode Sachsens 2011 den Beschluss gefasst: „Keine industrielle Massentierhaltung auf Kirchenland“ (http://www.evlks.de/doc/DS_123.pdf). Dieser Beschluss ist allen Pachtverträgen angehängt und kirchenrechtlich relevant. Zugleich werden Christinnen und Christen an ihre persönliche Verantwortung erinnert.
    Es ist viel in Bewegung gekommen und das stimmt hoffnungsvoll.

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  12. Luise Hardt

    Von dieser Verordnung wußte ich nix!
    Eigentlich sollten alle , die sich in einer Gemeinde engagieren, sei es als Presbyter, Sänger, Pfarrer,,Friedhofspfleger,Besucher die sich sozial einbringen usw. daran halten und als Vormacher, Vorbild finde ich so hochtrabend,daran halten!
    Es stimmt mich traurig,daß es nicht so ist, bzw.als „Übertreiber, Spinner“ angesehen wird! Jeder hat den Kopf zum Mitdenken und nicht nur zum Haareschneiden!

    „Habe stets Respekt vor dir selbst,Respekt vor anderen und übernimm Verantwortung für deine Taten!“
    und bedenke.
    “ Nicht zu bekommen ,was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall“
    „Gehe sorgsam mit der Erde um“
    Worte und Empfehlung von Dalai lama

    Luise Hardt

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