Frauenmahl – viel zu teuer?

„35 € Eintritt für eine Kirchenveranstaltung – das können sich unsere Gemeindefrauen doch gar nicht leisten! Dafür mache ich keine Werbung.“ Eine Pfarrerin ist empört. In unserem Kirchenkreis findet ein Frauenmahl statt, mit Festessen, Impulsvorträgen, Raum für Gespräche untereinander und musikalischem Rahmenprogramm. Natürlich: 35 € sind eine Menge Geld, aber muss bei Kirchens immer alles kostenfrei sein? Es ist sehr gut, dass wir vieles für einkommensschwache Zielgruppen anbieten, aber darf es nicht auch anderes geben? – Von Ute Böning

Buntes Programm, interessante Referentinnen – Frauenmahl in Sendenhorst. Foto: EKvW/IKG

Wenn ich mir anhöre, was junge Erwachsene für Eintritt z. B. bei Silvester-Veranstaltungen zahlen, finde ich den Betrag immer noch sehr günstig. Außerdem bekommen die Teilnehmerinnen eine Menge für ihr Geld geboten: 4 Stunden Programm zu einem gesellschaftlich wichtigen Thema aus Frauensicht, mit mehrgängigem Essen (Suppe, Vorspeise, Hauptgerichte und Nachtischbuffet) und namenhaften Rednerinnen, z. T. bundesweit bekannt, ansprechende Atmosphäre und Raumgestaltung, sowie Musik vom Feinsten.

Sein Geld wert

Und: Auch meine Kolleginnen und Kollegen möchten doch gerne mal andere Zielgruppen als die, die sonst üblicherweise in der Kirche sind, erreichen, etwas gegen Milieuverengung anbieten. Eine 40-jährige Frau sagte: „Ich gehöre zur Kirche, aber gehe sonst selten zu Veranstaltungen. Ich arbeite hart und habe viele Termine. Wenn ich ausgehe, dann möchte ich auch, dass mir für mein Geld Anspruchsvolles geboten wird. Ich möchte es mir gutgehen lassen. Da kommt so ein Frauenmahl gerade recht.“

Ein paar der mitwirkenden Vereine haben intern kreative Lösungen gefunden und bieten ihren Mitgliedern vergünstigte Eintrittskarten an: 25 € – das können sich schon mehr Frauen leisten. Und für besondere Fälle stehen Diakoniekassen zur Verfügung.
Still und leise frage ich mich auch: Würde so eine Anfrage auch an eine Männerveranstaltung gestellt?

Wie auch immer: Es kamen Gemeindefrauen und andere, Ältere und Jüngere, Christinnen und andere – wunderbar anregend! Leib, Seele und Geist sind auf ihre Kosten gekommen. Das Frauenmahl war sein Geld wert!

Weitere Infos:  www.frauenmahl.de

P.S.: Anfang März fand in Sendenhorst (Kirchenkreis Hamm) zum ersten Mal ein Frauenmahl statt. Die Veranstaltung war ausverkauft

Ute BoeningUte Böning ist Pfarrerin im Frauenreferat des Evangelischen Kirchenkreises Hamm

 

 

5 Gedanken zu „Frauenmahl – viel zu teuer?

  1. Sabine Gucknich

    „…aber muss bei Kirchens immer alles kostenfrei sein? “
    -ACHTUNG! Zynismus!-
    Bei Kirchens ist ja alles schon kostenlos: Die Pfarrer und Pfarrerinnen arbeiten alle ehrenamtlich und für Gotteslohn. Die werden nicht aus den von uns gegebenen Steuergeldern bezahlt…
    Und da Gottesdienste doch bei freiem Eintritt stattfinden, lässt man nicht nur den Klingelbeutel für die Kollekte rumgehen, sondern hält jedem Besucher beim Verlassen der Kirche auch ein Körbchen unter die Nase: “ für diakonische Zwecke“. Da geht man doch gern und vor allem jeden Sonntag hin; da lässt man doch gern sein Geld!
    Dazu- selig sind doch die Armen!-findet jedes kirchensteuerlich erfasste Gemeindemitglied noch regelmäßig Spendenaufforderungen im Briefkasten: Für die Renovierung des Kirchengebäudes, die Reparatur der Orgel und dergleichen mehr. Es finden sich im Sparstrumpf des Christenmenschen doch sicher noch ein paar Euros?
    Für die völlig kostenlose Kirchenmitgliedschaft ( die Steuer ist rein symbolisch zu verstehen) hat aber jeder die wundervolle Möglichkeit, sich ehrenamtlich einzubringen! Da darf dann für Gemeindefeste geplant und organisiert, Tische und Stühle geschleppt,kostenerstattungsfrei zahlreiche Kuchen und Torten gebacken und für die Unterhaltung der Gäste gesorgt werden. Bis auf den Kaffee und Kuchen zahlt da allerdings keiner der Besucher was. Allerdings sind ehrenamtliche Gesichter eben nicht bundesweit bekannt und sorgen auch noch für eine Milieuverengung dadurch, das die ständig und überall präsent sind. Da möchten Pfarrer_Innen auch mal andere Leute vor Augen haben und gehobenere Speisen zu sich nehmen dürfen, als immer dieselben alten, runzeligen Ommas und Oppas ansehen und ihre langweiligen Grillwürstchen essen zu müssen. Das kann man doch wohl verstehen?
    Überhaupt,alle diese Dauer-Kirchgänger verengen das Milieu derart, das dem ein Riegel vorgeschoben werden muss! Vor allem dem Männerüberschuss sollte dringend Paroli geboten werden! Welche zivilisierte Frau will schon zu Veranstaltungen gehen, wo sie auf diese haarigen, ungehobelten und niveaulosen Höhlenbewohner treffen könnte? Die sollen gefälligst ihre eigenen Events machen, wo die unter sich bleiben und die holde Weiblichkeit nicht stören! Steht auch in der Bibel, dass Mann und Frau um Gottes Willen bloß jeder für sich bleiben sollen. Kann aber auch sein, dass ich mich da verlesen habe…
    Jedenfalls wollen die bezahlten Berufschristen endlich mal Menschen um sich herum haben, die im Leben stehen, gebildet sind und Kohle haben. Deren spaßorientierter Nachwuchs genug Bares hat, um sinnlose, überteuerte Silvesterpartys zu besuchen. Das sind die Menschen, für deren Gegenwart man schließlich studiert hat!
    Rentnerinnen, die nicht mal eben 35.- Teuro haben, weil sie sich dem damaligen Frauenbild gebeugt und ihren inzwischen verstorbenen Mann haben arbeiten lassen, brauchen es sich doch nun wirklich nicht in Frauenmahlen gut gehen zu lassen. Denen ging es doch gut, als sie früher daheim Däumchen drehen konnten? Können die überhaupt mit den berufstätigen Frauen mitreden, die zu diesen Mahlen kommen sollen und die sich das durch ihre anstrengende und terminreiche Arbeit auch verdient haben?
    Noch weniger sind diese Veranstaltungen für diese “ Hartzerinnen“ gedacht: Besser als denen geht es doch keiner Frau! Täglich bis Mittags schlafen, den Rest des Tages im Internet surfen oder Fernsehen schauen und verantwortungslos ein Kind nach dem anderen auf die Welt bringen. Die brauchen auch kein Frauenmahl, die haben doch Hartz IV-Kultur auf RTL! Deren Bildungs- und Kulturniveau lässt den Genuss feiner Musik und gepflegter Unterhaltung doch eh nicht zu.
    Aber diese doofen mitwirkenden Vereine mit ihren kreativen Lösungen und dann auch noch den Diakoniekassen haben alles kaputt gemacht! Auf einmal konnte jeder Assi kommen und die Veranstalter haben schon gedacht, dass das kein Frauenmahl würde sondern eher eine Art Schweinewettfressen am Futtertrog! Zum Glück ging aber alles gut aus , alle haben sich irgendwie verstanden und das Essen war es der Einkommenselite noch immer wert.
    Trotzdem: Ihr lieben Rentnerinnen, Hartz-IV-lerinnen, Hausfrauen, Muttis und sonstige Sozialschmarotzerinnen, liebe Kichgängerinnen und ehrenamtliche Helferinnen: Bleibt diesen Veranstaltungen doch doch bitte fern, ja? Die beiden letztgenannten Gruppen sollen bitte durch ihre Anwesenheit nicht zur Milieuverengung beitragen und die anderen Genannten werden nochmals ausdrücklich auf die Veranstaltungen für Euch einkommensschwache Zielgruppen hingewiesen: Die sonntäglichen Gottesdienste…
    -Zynismus aus-

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  2. Maike Klaasen

    Diese Veranstaltung ist doch programmatisch milieuverengt: auf reaktionäre feministische Veteraninnen.
    In 2015 lebt die Mehrheit der Gesellschaft post-gender. Und die der Kirchengemeinden auch. Haben Sie sich nie gefragt, warum Sie in den Frauenreferaten mit Ihrem alt-feministischen Fundamentalismus so erschreckend wenig Menschen erreichen? Völlig gegen den demographischen Trend? Sie dürften Ihre Reichweite in den letzten 30 Jahren um etwas 75% reduziert haben. Obwohl Zahlen über die Evaluation Ihrer Arbeit ja nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
    Vorschlag, auch im Sinne des Gender-Mainstreaming: Frauen- und Männerreferat abschaffen. Geschlechtsdiskreminiernde Veranstaltungen wie das Frauenmahl nicht mehr über Kirchensteuern und kirchliche Infrastruktur subventionieren. Erwirtschaften Sie die Kosten selbst.
    Transparenz der Einnahmen und Ausgaben in Frauenhilfe und Weltgebetstags-Unternehmen.
    Und wieder mehr als 2 Euro Kirchensteuern pro Monat und Kopf in die Gemeinden und das Gemeinde-Pfarramt fließen lassen -die erreichen nämlich statistisch deutlich mehr Milieus als jede kreis- oder landeskirchliche Einrichtung. Und endlich mal Schluss mit diesem arroganten Bashing aktiver Ehrenamtlicher in den Gemeinden vor Ort. Wann geben Sie den Menschen die Kirche wieder?

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  3. Ida Brindöpke

    Auf den Zeitungsfotos, sehe ich genau das „Milieu“, das unsere Gemeinde stets, ehrenamtlich und ohne Eintritt erreicht. Frauen unter 30 sind nur die Kellnerinnen. Nach viel Mühe gibt die altertümliche Homepage des frauenmahls preis, dass acht Veranstalter in Sendenhorst beteiligt sind, damit erreichen wir in unserer Stadt 600 bis 1000 Teilnehmer zwischen acht und 80. Dann kommen die Gäste aus dem Asylbewerberheim ebenso wie das Mittel- oder Topmanagement der Familienunternehmen.
    In Sendenhorst sollte es um die Zukunft von Kirche und Gesellschaf gehen. Die Tischreden lassen ahnen, dass es hier richtig teuer für uns alle werden wird.
    Wissenschafts-Ministerin Svenja Schulze fordert, dass die „Zukunft der Wissenschaft weiblicher wird“. Dafür gibt sie grade 1,2 Millionen aus, um das Studentenwerk umzubenennen. Leider nicht für die IT, damit die wissenschaftlichen Hilfskräfte -viele von ihnen Frauen- nicht wieder monatelang auf ihren Lohn warten müssen. In Zukunft wird Nordrhein-Westfalen mit Ministerin Schulze eher zum wissenschaftlichen Kossovo -begabte und fleißige junge Akademiker fliehen so schnell sie können.
    Superintendentin Friedrich predigt „Die Finanzkraft schwindet“. Viele sozial-politische Nebelkerzen werden gezündet, aber wie schon den Petrus, verrät auch sie ihre Sprache. Das neoliberale „human capital“ kommt im deutschen Gewand daher. Wer die kirchen-politischen Vokabeln gelernt hat, kann übersetzen, dass „Wir müssen uns von unserem Vereinsleben trennen und uns Aufgaben innerhalb der Kommunen und der Gesellschaft suchen..“ das Todesurteil für Ortsgemeinden verkündet. Und natürlich für eine Kirche, die sich auf die Thesen der Barmer Erklärung gründet.
    In anderen Landeskirchen organisiert sich der Widerstand gegen diese „Zukunft“, etwa im kirchenbunt.
    Der Journalist Daniel Deckers beschreibt die Zukunft unserer evangelischen Kirche mit den Worten „sie schrumpft nicht, sie implodiert“. Ich hoffe, wenigstens ein paar der anwesenden Frauen haben diese Realität diskutiert, dafür hätten sich 35 Euro gelohnt.

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    1. Elke Markmann

      Eindrücke von Besucherinnen nicht nur eines Frauenmahls: „Wunderbare Veranstaltung!“ – „Gute Themen, gute Gespräche, interessante Frauen“ – „Ich habe die Karte geschenkt bekommen als Dank für mein Engagement in der Gemeinde. Das ist ein wunderschönes Dankeschön!“ – „Ich habe hier eine Frau kennen gelernt, von der ich schon viel gehört habe. Danke, dass Ihr mir das hier ermöglicht habt!“ – „Wann gibt es das nächste FRauenmahl?“

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  4. Sabine Gerdes

    Zum 2. Mal habe ich an einem Frauenmahl teilgenommen und finde es eine ganz hervorragende Veranstaltung. Meine Beweggründe an der Teilnahme sind folgende:
    – inspirierenden Reden zuhören und Denkanstöße für das eigene Handeln bekommen,
    – in stilvollem Ambiente an außergewöhnlichen Orten gutes Essen genießen und
    – mit interessanten Frauen ins Gespräch kommen.
    Dass das alles seinen Preis hat, ist nachvollziehbar.
    Kirche bedeutet Vielfalt – dazu gehört auch mal ein solches Veranstaltungsformat.
    Den Preis zu senken oder vergünstigte Eintritte zu gewähren, ist vermutlich schwer möglich, aber es lohnt sich sicher, Ideen zu sammeln.

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