Was mir Ostern bedeutet

KreuzigungChrist ist erstanden
von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen;
seit dass er erstanden ist,
so lobn wir den Vater Jesu Christ.
Kyrieleis.

Alles, was mir Ostern bedeutet, ist in dem Lied „Christ ist erstanden“ enthalten.

Schon die herbe, klare und tröstliche Melodie. Ohne Schnörkel, ohne Pathos, ohne irgendeine schmeichelnde parallele Molltonart.
Und erst recht die Botschaft:
„Christ ist erstanden. Des solln wir alle froh sein.“

Was gibt es mehr zu sagen?

Ich brauche deshalb zu Ostern
keine Kerzen
und keine kuscheligen Taizé-Gesänge,
keine geistlichen Turnübungen
und keine Weidenkätzchenvergleiche,
keine meditativen Frühstücke
und kein betuliches Eiersuchen
im Anschluss an den Gottesdienst.

„Christ ist erstanden.“

Das sagt alles.
Herb und klar und tröstlich.
Gegen alle weichgespülten Gitarrengriffe,
gegen alles Selbstverständliche,
gegen allen trostlosen Alltag.

„Christ will unser Trost sein.“

Ich brauche nichts anderes.

Okko Herlyn

Okko Herlyn

aus:
Okko Herlyn
Sein Wort ein Feuer
Unverblümte Predigten
Luther-Verlag Bielefeld 2011

Professor Dr. Okko Herlyn war Hochschullehrer für Ethik an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum und Privatdozent für Praktische Theologie an der dortigen Ruhruniversität. Zudem ist er weit über die Region als Kabarettist bekannt.

8 Gedanken zu „Was mir Ostern bedeutet

  1. Bernd Tiggemann

    Erstmal Danke für die klaren Worte.
    Und dann die Frage, die ich mir als Gitarrist natürlich stelle: was sind denn weichgespülten Gitarrengriffe?

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    1. Okko Herlyn

      G – e – C – D oder D – e – A – D usw. usw., gerne in allen Umkehrungen quer durch die gängigen Wandertonarten. Ein Blick in irgendein x-beliebiges „Jesus-liebt-dich“-Liederheft genügt. Die einfallslosen Harmonien entsprechen in der Regel den ebenso einfallslosen Texten. Ich merke mittlerweile, dass das Wort „weichgespült“ viel zu harmlos war.

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  2. Heinz-Hermann Haar

    Gut gebrüllt Löwe. KLare Kante? Warum baut man sich erst einen Popanz als Gegner auf, um ihn dann zu erledigen? Keine Gemeinde feiert weichgespült Ostern! Und wenn ein Taizé-Lied meine Freude über Ostern fassen kann, dann ist das mehr wert als die intellektuelle Redlichkeit, die sich diese Freude nicht mehr gönnt.
    Also halblang.
    Gottes Haus hat viele Wohnungen.
    Und wenn wir in Ansätzen begreifen, wie sich Gott unserer erbarmt und was Ostern meint, dann aus lauter Gnade. Das gilt für Sie und mich. Und das ist gut sol
    Auch klare Kante, oder?
    Mit österlich fröhlichen Grüßen
    Heinz-Hermann Haar

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  3. Leonie

    Klingt, als wolltest du allen, die Lieder singen, Ostereier suchen oder sonstwas Schönes an Ostern machen, die Stimmung verderben. Warum nur? Das sind doch alles friedliche und fröhliche Gebräuche – warum also diese Abgrenzungswut? Gibts nicht schon genug Trennung und Feindseligkeiten?

    Ja, Du hast „nur von dir“ gesprochen. Aber der Impetus, der so rüber kommt, heißt: ich hab die Weisheit vom richtigen Ostern feiern und bin besser als Ihr mit Euren komischen Traditionen.

    Sonst hätte dieser Artikel nämlich gar keinen Sinn.

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