Streik – ein Beitrag zum Wohl der ganzen Gesellschaft?

Streiks nerven, das ist keine Frage. Zur Zeit nervt die Streikwelle besonders, weil sie viele Belange des Alltags trifft: Verkehr, Kinderbetreuung, und jetzt auch noch die Post. Da kommt man ja kaum noch hinterher. – Von Dr. Tilman Walther-Sollich

Streik

Streik! Foto: Digitoxin (Erich Wangerin)/ CC-BY 2.0

Mit Achselzucken, Wegschauen oder gar Schimpfen ist aber niemand geholfen. Es wäre sogar noch nicht einmal christlich. Denn es geht bei diesen Streiks um Kernfragen unseres Sozialwesens, um Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben. Da sollten wir uns nicht raushalten! Tun wir auch nicht: Ende April hat die EKD sogar sehr dezidiert mit einer Denkschrift („Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt„) Stellung genommen zu diesen Fragen, die besser nicht nur mit Stammtischparolen erörtert werden sollten. Es lohnt sich, da hineinzuschauen.

Zum Wohl der ganzen Gesellschaft

Sehr zu Recht kritisiert die EKD zunächst einmal die zunehmende Ungleichheit in der Arbeitswelt. Probleme der Armutsbedrohung und der Niedriglohnpolitik werden ebenso angesprochen wie die immer weiter geöffnete Schere zwischen Armut und Reichtum. Vor diesem Hintergrund sagt Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD: „Wir brauchen starke Gewerkschaften und starke Arbeitgeber, die gut im Interesse der Menschen kooperieren.“ Wohlgemerkt: Kooperieren – nicht sich beschimpfen und blockieren! Und: Zum Wohl der ganzen Gesellschaft – nicht für egoistische Einzelinteressen! Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Absatz, der fast schon ein Kommentar zum Lokführerstreik der Spartengewerkschaft GDL sein könnte: „Spartengewerkschaften müssen in einer funktionierenden Tarifautonomie eine Ausnahme bleiben. Denn nur so kann die Suche nach konsensualen Lösungen im vertrauenswürdigen Umfeld der Sozialpartnerschaft umgesetzt werden und ihre positive Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung entfalten.“

In der Demokratie gibt es immer wieder Konflikte, die es zu lösen gilt. Auch der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital gehört dazu. Ich wünsche mir aber, dass er mit Augenmaß ausgetragen wird. Auf allen Seiten. Und das heißt: Auch als Christinnen und Christen sollten wir nicht einseitig nach einem „Schuldigen“ suchen, sondern uns dafür einsetzen, dass ein guter, tragfähiger Kompromiss gefunden wird. Früher oder später wird der übrigens auch Eingang in die kirchlichen Tarife finden. Was ein weiteres Argument ist gegen die Meinung, das alles ginge uns nichts an.

Pfarrer Dr. Tilman Walther-SollichPfarrer Dr. Tilman Walther-Sollich ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und politische Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Hamm

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Bildnachweis:
Foto „kita_streik_29“: Digitoxin (Erich Wangerin)/ CC-BY 2.0 via Flickr

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