Warum kirchlich heiraten?

Nun bin ich also angefragt, ein Plädoyer für die kirchliche Trauung zu halten. Und obwohl ich derzeit nicht als Gemeindepfarrer tätig bin, werde auch ich jedes Jahr um diese Zeit für kirchliche Trauungen angefragt. Menschen, die mich kennen, wünschen sich, dass ich mit ihnen diesen besonderen Gottesdienst gestalte und feiere. Mich freut das. Aber es ist heutzutage nicht selbstverständlich. Warum also gehen Paare nach dem Standesamt auch in die Kirche? – Von Bernd Becker

Brautpaar

Mehr als nur Show… Bild: clipdealer

Ganz sicher geht es nicht mehr darum, dass die Braut von ihrer Geburtsfamilie an die Familie des Bräutigams feierlich übergeben wird; selbst wenn der Begriff „Trauung“ genau daher stammt (von lat. traditio = Übergabe). Dieser Brauch aus dem germanischen Sippenrecht klingt heute allerdings noch manchmal nach, wenn der Vater die Braut zum Altar führen soll.

Auch ist die rechtliche Eheschließung ja schon vollzogen, wenn die Eheleute zur kirchlichen Trauung kommen. Deshalb tritt in der Kirche auch zunehmend ein „Trauversprechen“ an die Stelle der „Traufragen“. Worum geht es also?

Dieser Moment gehört nur dem Paar und seinem Schöpfer

Im Kern geht es bei der Trauung um den Zuspruch des Segens. Und den kann eben nur Gott spenden – kein Standesbeamter, keine Freunde, keine Eltern. Auch wenn Vater und Mutter gern betonen: „Unseren Segen habt Ihr“. Aber dieser Moment gehört eben nur dem Paar und seinem Schöpfer.

Wenn die beiden sich in der Kirche das Trauversprechen geben, tun sie das allein in der Verbindung zu Gott. Und er gibt seinen Beistand, dass die Verbindung zwischen den beiden gelingen möge. Da ist niemand dazwischen, und da kann und soll auch niemand reinreden.

Gleichzeitig wird gerade in der kirchlichen Trauung das neue gemeinsame Leben vor vielen Zeugen öffentlich. Das ist auch ein wichtiger Aspekt, und darum werden Gottesdienst und anschließende Feier oft intensiv vorbereitet und gestaltet.

Die Voraussetzung

Im Grunde fällt es schwer, hier ein Plädoyer für die kirchliche Trauung zu halten. Denn sie bedarf  einer  Voraussetzung: Dass der Glaube an Gott den Eheleuten etwas bedeutet. Sonst wird die Trauung zu einer „Show“ und bekommt einen Beigeschmack. Das spüren Pfarrerinnen und Pfarrer manchmal, wenn Sie sich im Traugottesdienst eher als „Zeremonienmeister“ fühlen und wenn das Fotografieren und Filmen wichtiger scheint, als eine würdige Feier.

Ansonsten gilt: Allen Paaren, die es auch in diesem Frühsommer wagen, wünsche ich alles Gute und Gottes Segen!

Bernd Becker

Foto: gmh

 

Bernd Becker ist Geschäftsführender Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Westfalen und Lippe e. V. (EPWL)
www.medienhaus-bielefeld.de

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