Messianische Juden!

Messianische Juden werden von niemandem gebraucht, da sie alle unter Stress setzen. Warum ist das so? Wer fühlt sich warum bedroht? – Von Reiner Fröhlich

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Kreuz und Davidstern verschmelzen – ein Symbol für die messianischen Juden.

Messianische Juden! Was um alles in der Welt ist das? – Jedenfalls ein Streitthema auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Die messianischen Juden möchten sich dort, wie alle anderen, darstellen. Die Kirchentagsoberen schließen sie aus.

Da stellen wir uns mal ganz dumm: Messianische Juden sind Juden, die in Jesus von Nazareth den Messias Israels sehen. Was, bitte schön, ist daran schlimm? Petrus und Andreas, Paulus und Silas, sie alle waren Juden, die in Jesus den Messias sahen.

Dorn im Auge

Schlimm an den messianischen Juden heute ist, dass sie der Kirche und dem Judentum in die Quere kommen. Kirche und Judentum haben sich in 2.000 Jahren auseinanderentwickelt zu zwei vermeintlich verschiedenen Religionen, wobei die Kirche das Judentum oft verfolgte.

Messianische Juden sind den rabbinisch-jüdischen Gemeinden ein Dorn im Auge wegen der Verfolgungsgeschichte. Jesus und Kirche sind eben auf der anderen Seite, gegen die man als Judenheit zusammenstehen muss. Da kann man Jesus-Juden nicht brauchen!

„Messianische“ Heiden?

Messianische Juden sind uns Christen ein Dorn im Auge, weil sie uns an etwas tief Verdrängtes erinnern: Wenn diese schlimmen Leute also „messianische“ Juden sind, dann müssten wir Christen ja „messianische“ Heiden sein. – Auweia! Da steht unser Selbstbild auf dem Spiel: Dann gehört Jesus nicht mehr „uns“. Dann ist das Neue Testament nicht mehr „unser“ Buch, sondern das Buch des Judentums (!), das wir gnadenhalber mit – benutzen dürfen. Dann sind wir die zum Messias Israels Dazugekommenen, Geduldeten, aus den Heidenvölkern. – Das wollen wir nicht hören!

Sonst könnten uns die messianischen Juden irgendwann noch „unseren“ Glauben aufmischen. Sonst sagen die uns irgendwann, wo wir das NT missverstanden haben und unseren Glauben neu fassen müssen. War nachher die Urgemeinde in Jerusalem eine Synagoge? Um Himmels willen, wo kämen wir da hin?

Messianische Juden, spannende Menschen! Messianische Gemeinden, spannende Synagogen! In den USA gibt es Legion davon. Bei uns einige wenige. Mal sehen, was die Zukunft bringt!

Pfarrer Reiner Fröhlich

Reiner Fröhlich ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kierspe (Kirchenkreis Lüdenscheid – Plettenberg)

9 Gedanken zu „Messianische Juden!

  1. Tobias Schwarz

    Danke für diese klare Kante. Dürfte für meinen Geschmack sogar noch klarer sein. Denn kein Christ und kein messianischer Jude wird, da er an Christus glaubt, den jeweils anderen schlechter oder besser finden. „Da ist nicht Jude noch Heide, (…) denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Daher bedauere ich sehr, dass unsere Geschwister in Christus nicht zum DEKT eingeladen, oder viel schlimmer, dass sie ausgeladen wurden.
    Wahrscheinlich stimmt die Sorge von Herrn Fröhlich. Wahrscheinlich hat man Angst, sich evtl. unbequemen Fragen stellen zu müssen, die am eigenen Selbstverständnis kratzen könnten. Eine dieser Fragen ist möglicherweise auch die der Ablehnung der Judenmission. Denn genauso, wie man wie im Artikel genannt zwischen Judenchristen und Heidenchristen unterscheiden könnte (welch ein Blödsinn. Zum Glück.), wäre dann ja auch eine Differenzierung in Judenchristen und Judenheiden denkbar. Und dann müsste man sich wieder die Disskussion über Judenmission öffnen. Und das will von den Kirchenoberen sicher im Augenblick niemand.

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    1. Reiner Fröhlich

      Sehr geehrter Herr Schwarz,
      Sie und ich, wir sind und bleiben Heiden. Das AT und das NT kennen nur die Unterscheidung „Jude-Heide“.
      Wer nicht zum Volk Israel gehört (und Jude ist), der gehört zu den Heiden (zu den Völkern).
      Deshalb können Juden keine Heiden sein, logo? „Judenheide“ geht also gar nicht!
      In der Geschichte der heidenchristlichen Kirche haben wir Heidenchristen uns die Unterscheidung „JUDE – Heide“ unter den Nagel gerissen und daraus die Unterscheidung „CHRIST – Heide“ gemacht. Da haben wir Heiden-„Christen“ uns an die Stelle Israels (= der Juden) gesetzt.
      Deshalb ist die Unterscheidung messianische Juden – messianische Heiden extrem wichtig. Sonst verstehen wir das NT verkehrt. Wir müssen bei allen Versen genau hinsehen: Was steht da? Was meint Paulus oder was meint Matthäus?
      Meinen sie:
      1. rabbinischen Juden ( = Juden, die in Jesus nicht den Messias sehen) ODER
      2. messianischen Juden (früher sagte man „Judenchristen“, das vermeide ich) ODER
      3. messianischen Heiden (= Sie und ich aus den Heidenvölkern, die an den Messias Jesus glauben) ODER
      4. Heiden ( = die nicht-jüdischen Menschen, die nicht an den Messias Jesus glauben)
      Das müssen wir als Heidenchristen (messianische Heiden) lernen zu unterscheiden. Sonst schreiben wir die fatale Tradition der Ersetzung Israels durch die heidenchristliche Kirche fort, die soviel Unheil bewirkt hat. Und wir verstehen das NT falsch.
      Schabbat Schalom
      Reiner Fröhlich

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      1. Manfred

        Hallo Herr Fröhlich,

        vielen Dank für diesen sehr positiven Post und die klare Stellungnahme. Ich beschäftige mich auch mit der Frage warum diese Gruppe so unbequem ist, seit die Nachricht vom Ausschluss bekannt wurde.

        Eine Frage zu Ihrer Antwort. Gibt es noch Noachiden aus dem AT oder sind es auch Heiden, bzw. messianische Heiden?

        Weil sie so schön schreiben – ich zitiere –

        Messianische Juden, spannende Menschen! Messianische Gemeinden, spannende Synagogen! In den USA gibt es Legion davon. Bei uns einige wenige. Mal sehen, was die Zukunft bringt!

        möchte ich auf diesen Link verweisen https://www.youtube.com/channel/UCU9xPbRhWr-7dAUC3IBAz-A. Habe ich kürzlich bei der Recherche zu dem Thema entdeckt, fand ich erfrischend und hat meinen Glauben (nein, nein nur die Herangehensweise an Texte) „aufgemischt.

        Schabbat Schalom

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        1. Wanja Karchevskyy

          „“Eine Frage zu Ihrer Antwort. Gibt es noch Noachiden aus dem AT oder sind es auch Heiden, bzw. messianische Heiden?““
          Hallo Manfred,
          Der Begriff „Noachid“ ist kein Begriff aus dem AT, sondern aus dem rabbinischen Judentum, dieser Begriff wurde in der letzen Zeit in einigen rabbinischen Kreisen neu belebt und mit heuen Inhalten gefüllt. Heute gibt es sogar ganze Bewegung, innerhalb des Judentums, die Noachiden.
          So ist ein Noachid kein messianischer Heide, sondern ein Nichtjude, der auf sich die sogenannten noachidische Gebote auferlegt hat.
          Im rabbinischen Judentum hat es in der alten Zeit auch andere Nichtjuden gegeben, zum Beispiel G-ttesfürchtige, man kennt sie auch aus dem NT.
          Schalom!
          Wanja

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        2. Reiner Fröhlich

          Sehr geehrter Herr Manfred,

          zu den Noachiden hat Herr Karchevskyy alles gesagt.
          (Der 3.6.2015 war kein Sabbat, deshalb heißt der Gruß am normalen Wochentag:)
          Schalom
          Reiner Fröhlich

          Antworten
  2. P. Osterkamp

    Lieber Bruder Fröhlich,
    Danke für die klaren Worte. So wird das Ganze verständlich.
    Bleiben Sie behütet.
    P. Osterkamp

    Antworten
  3. Wanja Karchevskyy

    Schalom sehr geehrter Herr Fröhlich,
    ich, als messiansicher Jude, finde Ihre Überlegungen zum Thema „Messianische Bewegung“ sehr interessant.
    Vielen Dank!
    Schalom!
    Wanja

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  4. Wanja Karchevskyy

    Und noch kleine Hinzufügung:
    „Messianische Gemeinden, spannende Synagogen!“
    ich würde die meisten messianische Gemeinden nicht als Synagogen bezeichnen, sowie die Gemeindeleiter nicht unbedingt als Rabbiner.

    Schalom!

    Wanja

    Antworten
    1. Reiner Fröhlich

      Schalom, sehr geehrter Herr Karchevskyy!
      Lange habe ich nicht mehr in den Blog geschaut.
      Ich bezeichne die messianischen Gemeinden des Neuen Testamentes als Synagogen,
      zum einen, damit die (messianischen Heiden-) Christen von heute glasklar sehen: Das waren alles Juden, außer den wenigen dazugekommenen aus den Völkern,
      zum anderen, weil alle Versammlungen von Juden zur damaligen Zeit als Synagogen bezeichnet wurden.

      Heute kann und möchte ich den messianischen Gemeinden nicht vorschreiben, wie sie sich selbst nennen.
      Wenn ich in dem Blog am Schluss von „spannenden Synagogen“ schreibe, dann nur, um die (messianischen Heiden-) Christen davon abzuhalten, die messianischen Juden als (heidenchristliche) Kirche zu vereinnahmen.
      „Synagoge“ soll signalisieren: jüdisch, nicht (heiden-) christliche.
      Wir müssen bei der ganzen Frage sehr auf die Sprache und die Wörter, die wir gebrauchen, achten.
      Sonst versteht der andere etwas anderes als wir wollen.
      Die Prediger oder Gemeindeleiter nenne ich weder damals noch heute Rabbis, da Jeschuah uns davon abrät, dass wir ein Oben und ein Unten in der Versammlung aufbauen.
      Herzliche Grüße
      Reiner Fröhlich

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