Emotion und ihre Grenzen

Wenn ich ins Stadion gehe, erwarte ich Einsatz und raffinierte Spielzüge, Schnelligkeit und den entscheidenden Moment eher am Ball. Und weil ich das will, darum gehe ich in der brodelnden Stadion-Atmosphäre mit, feuere an und rege mich auf. Ich will auch nicht, dass immer der Bessere gewinnt. Sonst ist der finanzstärkste Verein, der sich die besten Spieler zusammenkaufen kann, regelmäßig der Gewinner. Wie langweilig! Der Reiz besteht gerade darin, dass die „Kleinen“ über sich hinauswachsen, dass der Einsatz manchmal spielerische Klasse wettmacht. – Von Dr. Albrecht Thiel

fussball-fans_600

Tausende spielen mit…

Die lokale Rivalität erhöht den Reiz: Dortmund gegen Schalke oder – eine Liga tiefer – Bielefeld gegen Paderborn: Da ist das Stadion Wochen vorher ausverkauft. Es erinnert ein bisschen an die mittelalterlichen Spiele von Städten gegeneinander: Wir sind besser als ihr!

Wir spielen. Zwar spielen nur zwei Mannschaften gegeneinander, aber Tausende spielen mit. Sie wollen gewinnen. Um welchen Preis? Für das Spiel gibt es Schiedsrichter und Assistenten – sie sind für die Einhaltung der Regeln verantwortlich. Kein leichter Job, wenn die Grenze zwischen Foul und geschicktem körperlichen Einsatz äußerst schmal ist. Kein leichter Job, wenn die Fans ihre eigene Regelauslegung haben und ihren Unmut mit Pfiffen, Beleidigungen und Wurfgeschossen kundtun. Gefährdet ein Spieler in einem Zweikampf die Gesundheit des Gegners, ist dies als grobes Foul zu ahnden.“ heißt es im Regelwerk. Da hört das Spiel auf und gibt es nur noch die „Rote Karte“. Keine Diskussion!

…auch wenn sie meine Farben tragen

Und die Gewalt unter den Zuschauern? Es gibt abgetrennte Gästeblocks mit eigenen Anmarschwegen – das ist gut so. Es gibt oft ein friedliches Nebeneinander auf den Sitzplätzen. Im Stadion habe ich in vielen Jahren nie eine Prügelei erlebt. Gewaltbereite Fans gibt es trotzdem. Für sie gibt es zu Recht empfindliche Strafen, weil solches Verhalten grob unsportlich ist. Auf den Wegen zum Stadion, in Bussen und Bahnen ist es für die Polizei nur schwer in den Griff zu bekommen.

An dieser Stelle sind Vereine, Ordnungskräfte, Fan-Projekte und alle friedlichen Zuschauer gefordert: Kein Verständnis für Gewalttäter, auch wenn sie die Farben meines Vereins tragen! Spannung und Kribbeln Ja – aber ein Nein zur Gewalt bei der „schönsten Nebensache der Welt“.

Pfarrer Dr. Albrecht Thiel

Pfarrer Dr. Albrecht Thiel ist Beauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen für „Kirche und Sport“

Ein Gedanke zu „Emotion und ihre Grenzen

  1. Idi

    Wann haben Sie das letzte Mal auf die Tabellenspitze geschaut? Da steht doch schon seit unendlichen Wochen fest, dass „der finanzstärkste Verein, der sich die besten Spieler zusammenkauft“, der Sieger ist.
    Arminia und Paderborn haben auch schon sehr, sehr lange nicht mehr in der gleichen Liga gespielt.
    Wann waren Sie das letzte Mal im Stadion? Und was wollen Sie eigentlich aus evangelischer Perspektive dazu sagen? Und -why the hack- braucht eine Kirche einen Sport-Beauftragten?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.