Der Marlboro-Mann ist tot

Der Marlboro-Mann ist tot. Wahrscheinlich an Lungenkrebs verstorben. Oder an Einsamkeit. Jahrzehntelang war er das Sinnbild für einen bestimmten Männertypus in der Werbung: der harte Cowboy am Feuer, allein in der Prärie, souveräner Herr über alle Gefahren. Vor einiger Zeit hat ihn Marlboro mitsamt Pferd aus dem Verkehr gezogen. Irgendwie schien seine Zeit wohl abgelaufen. Und so hat man ihn stillschweigend beerdigt. – Martin Treichel über Sexismus in der Werbung

Mann mit Männergrippe

Der Wick MediNait-Mann lebt. Aber es geht ihm schlecht. Er ist erkältet, liegt im Bett, leidet. Mit Wimmern in der Stimme, fleht er seine Frau an: „Kannst du meine Mama anrufen?“ Der Mann als ewiges Muttersöhnchen, wie ihn ein aktueller Werbespot präsentiert.

Vom „tough guy“ zur „Heulsuse mit Männergrippe“ – so hat sich das Männerbild in nur wenigen Jahren tiefgreifend verändert.

Ein Fortschritt? Wohl kaum. Es ärgert mich, dass sich alle Welt über „die Männer“ lustig machen darf. Dass es offenbar alle komisch finden, Männer lächerlich zu machen. Ganze Werbeagenturen und Textwerkstätten für Comedians scheinen davon zu leben, sich auf Kosten der Männer zu amüsieren. Und immer mit den gleichen Klischees, die den Mann wahlweise als komplett triebgesteuert oder total verblödet oder weinerlichen Jammerlappen darstellen.
Merke: Es gibt Sexismus, der sich gegen Frauen richtet. Der sie reduziert auf Beine, Bauch und Po. Und es gibt vielfältige Diffamierungen, die sich gegen Männer richten. Die mit platten und abwertenden Stereotypen arbeiten, mit Vorurteilen und Unterstellungen.

Ich will das eine so wenig sehen wie das andere. Mein Vorschlag: Könnte nicht der Marlboro-Mann mal beim Wick MediNait-Mann vorbeireiten, ihm das Kissen aufschütteln, einen Tee kochen und ordentlich den Kamin einheizen?

Martin TreichelMartin Treichel ist Landesmännerpfarrer und Leiter des Fachbereichs „Männer, Familie, Ehrenamt“ am Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW.

 

 

Zum Weiterlesen: Sexismus in der Werbung: Frauen

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