15. Juni: Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen

Was die UN-Vollversammlung so an Welt-Gedenk-Tagen ausruft! „Gegen die Misshandlung älterer Menschen“ – das ist doch kein Thema in Deutschland…

…Stimmt. Man spricht nicht drüber.

aelteremenschen_pixabay

ABER: Im Jahr 2012 ergab eine Untersuchung der EU, dass in europäischen Ländern durchschnittlich drei bis acht Prozent der älteren Menschen (ab 60 plus) Misshandlungen erfährt.

In Deutschland kam man auf eine Quote von 25 % (in Worten: fünfundzwanzig Prozent). Jeder vierte ältere Mensch in unserem Deutschland erlebt: Menschen, auf die er angewiesen ist, gehen roh, unachtsam, miss-handelnd mit ihr oder ihm um.

Nun kann man immer fragen, was genau wie untersucht wurde, doch bleibt, auch im Vergleich mit anderen Nationen, das Ergebnis signifikant. Trotzdem: Weder in 2012 noch danach gab es einen Aufschrei der Empörung in Politik, Gesellschaft und Kirche. „Misshandlung älterer Menschen“: Kein Thema!

Dabei dürfte doch eines unumstritten sein: Misshandlungen aller Art und in allen Altersstufen sind zu verurteilen, anzuprangern, und nach Möglichkeit zu verhindern. Die unbedingte Menschenwürde und die Gottesebenbildlichkeit des Menschen sollte uns so viel wert sein, dass wir ohne Ansehen der Person nicht nur „dagegen“ sind, sondern auch „dagegen“ handeln. „Wir“ – als Teil der Gesellschaft. Und: „Wir“ als Evangelische Kirche.

Dabei darf es nicht um schnelle Verurteilungen der Miss-Handelnden gehen. Sowohl in der professionellen als auch in der familiären Pflege kommt es zu massiven Überforderungssituationen, die oft nur in Form von verbaler, psychischer, emotionaler oder körperlicher Gewaltausübung ein Ventil finden. In vielen – nicht in allen! – Fällen ist Überforderung die Wurzel für Gewalt. Nachvollziehbar, und trotzdem ganz und gar nicht in Ordnung.

Was können wir tun – als einzelne Christenmenschen, als Gemeinden, als Kirchenkreise und als Landeskirche? Ideen für einen ersten Anfang:

  • Hinsehen. Überhaupt damit rechnen, dass ältere Menschen Misshandlung erfahren.
  • Sprechen. Es zum Thema machen – in Gottesdiensten, Veranstaltungen, Veröffentlichungen. Das Tabu brechen.
  • Handeln. Angebote für pflegende Angehörige machen. Entlastungen schaffen. Tagespflege in Gemeinderäumen anbieten.
  • Nachdenken. Wo fängt Miss-Handlung an? Wie sehr achte ich selbst die Alten – im Alltag, beim Einkaufen, auf der Straße, in den Gemeinden, in den Gottesdiensten?

Helga Wemhöner

Pfarrerin Helga Wemhöner ist Dozentin im Fachbereich Seelsorge im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen und zuständig für den Arbeitsbereich Seelsorge im Alter und in Einrichtungen der Altenpflege

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