Archiv der Kategorie: Allgemein

„Sind doch alle gleich“ – oder: Wie schnell wir mit Vorverurteilungen bei der Hand sind

Schnell muss es gehen; fast alles, was wir tun, und wir haben uns sehr bequem damit eingerichtet. Arbeiten schnell, essen schnell. Reden schnell, denken schnell (dummerweise auch gern in dieser Reihenfolge); entscheiden schnell und urteilen auch so. – Von Manfred Brackelmann

Daumen hoch oder runter? Nicht immer fällt das Urteil der Öffentlichkeit positiv aus.

Daumen hoch oder runter? Nicht immer fällt das Urteil der Öffentlichkeit positiv aus.

Auch über Menschen. Ein paar dürre Fakten – oder das, was wir mal eben so dafür halten – reichen aus, den Daumen zu heben oder zu senken: Der oder die ist erledigt, für mich (und für viele um mich herum) gestorben; ein gedankliches Todesurteil, beruhend auf vier medialen Großbuchstaben, ein paar hundert Einträgen bei Facebook, ein paar Tweets; der öffentlichen Meinung eben, dem bequemsten, besten, weil schließlich auch anonymen Versteck.

Die Fälle Wulff und Kachelmann

Wie bei Wulff damals. Vom CDU-Lautsprecher aufgestiegen zum Bundespräsidenten und über in der Tat fragwürdige semi-private Verhaltensmuster erst gestolpert und dann gestürzt. Umfeld: Hannovers unfeine Gesellschaft, kennen wir doch, auch wenn wir nichts und niemanden davon je kennengelernt haben. Wasser predigen und Wein saufen, Urlaub gern oft und auf Kosten anderer, und dann mit dieser Frau an der Seite, der Seite, der man doch auf den ersten Blick ansieht…

Oder der Kachelmann. Jahr für Jahr und Abend für Abend ein Schönwetterpapst für Millionen, und privat? Kennen wir natürlich auch, der klassische Brutalo, unterm locker-feinen Zwirn gestrickt aus dem Stoff, aus dem die feuchten Träume sind; einer, der mehr unter der Gürtellinie lebt, und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Und schon ist der Vergewaltiger geboren, in Millionen Köpfen, und Millionen können schließlich nicht irren.

Die öffentliche Meinung beginnt im eigenen Kopf

Ein gängiges Ritual, und ein gefährliches zudem. Weil wir uns dran gewöhnt haben, auch darin schnell zu sein: vor-verurteilen, aburteilen, egal, wer und wie, reflektieren wäre Zeitverschwendung, Tatsachen gibt es wenige, also reicht der Verdacht, weil der Rundum-Schutz ja wieder wirkt: die öffentliche Meinung, in der Verantwortung nicht zählt, also auch meine nicht; eben das beste Versteck.

Diese öffentliche Meinung aber beginnt im eigenen Kopf. Hinterfragen wäre gefragt, Zweifel wären nicht nur erlaubt, sondern dringend angebracht; eine durchaus auch typisch evangelische Tugend. Was weiß ich wirklich über den oder die, über den ich gerade den Daumen senke – und was weiß ich nicht? Worauf gründet der tausendfache Aufschrei der Empörung bei Facebook und Co., den häufig recht unsozialen sozialen Medien, die oft weniger einem echten Diskussionsforum als eher einem öffentlichen Schlachtfeld gleichen? Absägen, stürzen, weg aus dem öffentlichen Interesse und ab in die öffentliche Ächtung, die Nachfolger warten schon – der oder die Nächste bitte, schnell, nur schnell.

Und bitte: Bloß nicht lange drüber nachdenken!

Kommentarfoto Manfred BrackelmannFoto Robert SzkudlarekManfred Brackelmann war bis zu seinem Ruhestand 2015 Ressortleiter Politik/Nachrichten des Westfälischen Anzeigers, Hamm.

Warum wir keine Bürgerwehren brauchen

Der Verkauf von Selbstverteidigungswaffen steigt. Vielerorts haben sich sogar Bürgerwehren gegründet. Man könnte meinen, wir leben plötzlich im Wilden Westen, wo sich jeder selbst schützen muss, so gut es geht.   – Von Tilman Walther-Sollich

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…wie im Wilden Westen?

Zuerst: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das Thema Sicherheit im Moment so viele bewegt. Besonders Frauen sind nach der unsäglichen Gewalt, die ihre Geschlechtsgenossinnen in der Silvesternacht in Köln und anderswo erlitten haben, verunsichert. Können sie sich noch auf die Straße trauen? Und können wir unsere Töchter (und womöglich auch Söhne) noch unbekümmert auf die Straße lassen?

Diese Fragen sind berechtigt und müssen von jedem realistisch denkenden Menschen immer wieder beantwortet werden. Nicht umsonst hat jedes Parkhaus Frauenparkplätze – und zwar nicht erst, seit es so viele Flüchtlinge in unserem Land gibt. Aber daraus die Notwendigkeit oder gar die Berechtigung zur Bildung von Bürgerwehren abzuleiten, geht zu weit.

Wir sind nicht im Wilden Westen. Und ich will auch nicht im Wilden Westen leben! Es ist doch gerade eine der ganz großen Errungenschaften unserer Demokratie, dass wir ein staatliches Gewaltmonopol haben, das der demokratischen Kontrolle unterliegt. Das schützt zwar die Polizei nicht vor Fehlern, wie wir gesehen haben, aber – und das ist der entscheidende Punkt – das schützt uns alle vor Willkür und Unrecht.

Vor Polizisten brauche ich keine Angst zu haben. Bei selbst ernannten Bürgerwehren, bei denen ich nicht weiß, wer oder was dahinter steckt, sieht das völlig anders aus. Ich schlage darum vor: Anstatt über Bürgerwehren zu diskutieren, sollten wir besser über die gescheiterte Politik des „schlanken Staates“ reden. Wir haben viel zu lange zugelassen, dass der öffentliche Dienst kaputt gespart wird. Was wir brauchen ist ein genügend starker Staat, der auch in kritischen Situationen Recht und Gesetz umzusetzen in der Lage ist. Konkret: Eine Polizei, die eingreifen kann, wenn sie gebraucht wird – und die präventiv so gut aufgestellt ist, dass sie gar nicht erst eingreifen muss.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir: In der Regel funktioniert das in Deutschland ziemlich gut!

Pfarrer Dr. Tilman Walther-SollichPfarrer Dr. Tilman Walther-Sollich ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und politische Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Hamm.

„Lügenpresse“ – umfassend, objektiv und wahrhaftig

Wenn „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) „Lügenpresse“ skandieren, gehört das noch zu den harmloseren Beschimpfungen. – Von Christa A. Thiel

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Immer wieder montags in Dresden: Die Pegida demonstriert! „Es ist eine Veranstaltung, zu der wir als Journalisten nicht so gerne hingehen“, sagte Reporter Danko Handrick vom ARD-Morgenmagazin Ende Januar. „Mit der Kamera traue ich mich nicht mehr in die Menge. Wir werden angepöbelt, haben immer einen Wachmann bei uns.“

Keine einfache Aufgabe für den Reporter, dessen Aufgabe es ist zu „re-portieren“, „zurück-zu-bringen“ für seinen Hörer, Zuschauer oder Leser, was tatsächlich passiert ist. Nicht objektiv und einseitig sei die „Lügenpresse“. Sie berichte nicht, was er als Realität empfinde, sagt einer der Pegida-Anhänger. „Realität zu empfinden, ist auch nicht die Aufgabe eines Reporters“, möchte ich antworten. „Er hat nachprüfbare Fakten zu reportieren.“

Auch zu meinem beruflichen Ethos als Pfarrerin und Redakteurin gehört: Ich verpflichte mich umfassend, objektiv und wahrhaftig zu berichten. Andere mit Worten zu diffamieren, gehört nicht dazu. Dass Fehler passieren können, räume ich ein.

Mir ist durchaus bewusst, dass „Lügenpresse“ ihre Wurzeln in protestantischer und katholischer Publizistik hat. Im 17. Jahrhundert sollte so der jeweils andere als unglaubwürdig dargestellt werden. Im 21. Jahrhundert wurde „Lügenpresse“ von der „Sprachkritischen Aktion“ zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählt. In den Jahrhunderten dazwischen haben ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen das Unwort zur Diffamierung genutzt.

Neu ist, dass heutzutage über soziale Medien bewusst Falschmeldungen verbreitet werden. Wer muss und kann das kontrollieren und unterbinden?

Umfassend, objektiv und wahrhaftig zu berichten, wie das funktionieren kann? Sprechen Sie mit Redakteuren! Die haben ihr Handwerkszeug gelernt. Nehmen Sie an Führungen in Sendern und Zeitungsredaktionen teil!

Thiel_Christa-200px Christa A. Thiel aus Dortmund ist Pfarrerin und Redakteurin.

Können (nur) Mütter trösten? Gedanken zur Jahreslosung 2016

Die Jahreslosung 2016 lautet: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Jes 66,13 – Von Heinz-Hermann Haar

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Nun denkt man zunächst: Welch trostreiche Überschrift über ein ganzes Jahr. Erst leise, dann immer deutlicher, wurden dann Anfragen an diesen Vers in einem lauter: „Was ist, wenn ich als Kind erleben musste, dass meine Mutter mich nicht trösten konnte, weil sie selber keinen Trost in sich hat?“ Das passte nun so gar nicht in die besinnliche Stimmung, die man eigentlich erwarten sollte bei diesem Vers.

Mir fallen noch viele weitere Widerhaken ein. Zum Beispiel: „Ist der Trost eines Vaters weniger tröstend?“ Oder: „Gott wird fast überall in der Bibel in einer männlichen Rolle gesehen. Warum wird ihm hier auf einmal der trostreiche Mantel einer Mutter umgelegt?“

Oder: „Wie hören Menschen diesen Satz, wenn sie als Kinder ihre Mütter z. B. alkoholkrank erlebt haben?“ Ich habe das immer mal wieder von Schülerinnen und Schülern unter Tränen gehört, wie zerstörend das ist, wenn man nach Hause kommt und findet dort Mutter oder Vater hilflos, vielleicht in seinem eigenen Erbrochenen liegend, weil die Flasche mal wieder stärker war als das Zutrauen zu sich. Nie jemanden in mein Zimmer einladen können, weil ich nicht abschätzen kann, in welchem Zustand das alkoholkranke Elternteil sich präsentieren würde.Dann soll ich froh sein, dass Gott mich wie eine Mutter trösten will?

Klar, es gibt die vielen anderen Beispiele von echtem Trost durch mütterliche Mütter. Aber auch dabei gab es die Situation, dass ich nicht getröstet werden wollte mit dem Satz: „Alles wird gut!“ Ich wollte mal richtig traurig oder sauer oder sogar böse sein dürfen, weil mich etwas verletzt hat, was nicht so einfach mit „Alles wird gut!“ besänftigt werden konnte. „Mutti, lass Deinen Trost für später, hör erst mal meinen Zorn!“

Vielleicht geht Ihnen das manchmal ja auch so, dass man erst einmal seinen Zorn – auch bei Gott – loswerden will und loswerden muss, ehe man überhaupt fähig ist, sich trösten lassen zu wollen.

Es ist wahr, dass wir Gott nicht anders als in menschlichen Bildern denken können, aber vorsichtig mit eben diesen Bildern sein müssen, dass wir ihn damit nicht erschlagen. Das Bild von der tröstenden Mutter ist vielleicht ein solches Bild, das trostreich und hilfreich sein kann, aber auch Gott verstellen und zudecken kann.

Vielleicht denken Sie in diesem Jahr darüber nach, welches Bild Sie wählen würden, wenn Sie von Erfahrungen des Trostes durch Gott reden wollen. Vielleicht denken Sie auch darüber nach, welche Bilder von Gott Sie lieber heute als morgen über Bord werfen sollten, weil sie Ihnen Gott nicht (mehr) näherbringen, sondern Gott verdunkeln.

Heinz-Hermann HaarHeinz-Hermann Haar ist Mitglied des Presbyteriums im münsterländischen Senden. Er bloggt zu den Themen Inklusion und Lifescience.

 

Warum die absolute Priorität der Flüchtlingsfrage kein guter Weg sein könnte

In diesen Tagen sind es viel zu viele Menschen, die in eine ungewisse Zukunft fliehen müssen, weil sie dort, wo sie sind, keine Zukunft und keine sichere Gegenwart haben. – Von Heinz-Hermann Haar

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…dürfen wir das, wenn es so viel Menschen auf der Flucht und in Not gibt?

Flüchtlinge erfahren vielerlei Grenzen: Vor der Flucht erleiden sie Krieg und Gewalt, Demütigung und Vergewaltigung, Hunger und Krankheit, Arbeits- und Perspektivlosigkeit – sie stoßen an existentielle, physische und psychische Grenzen, die sie nicht überwinden können, vor denen sie fliehen. Auf der Flucht begegnet ihnen erneut Gewalt und Erniedrigung, Hunger und Ausbeutung, zudem Gefahr bei der Durchquerung fremder Länder, stürmischer Meere, reißender Flüsse, um an das gegenüberliegende rettende Ufer zu gelangen.

Wer Grenzen erfährt, die er selbst nicht überwinden kann, braucht Nächste, die ihm zur Seite stehen. Jesus beantwortet die Frage „Wer ist mein Nächster“ mit der Gegenfrage: „Wer ruft mich, damit ich zu seinem Nächsten werde?“

Dass wir uns um diese Menschen und ihr Leid kümmern müssen, steht völlig außer Frage. Aber vielleicht sei die Frage gestattet, ob das alles andere überdecken darf und soll? Weiterlesen

„Früher war mehr Lametta“

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Bild: Public Domain/pixabay

Wie Recht Loriot doch hatte: Früher war mehr Lametta. – Von Anne Heibrock

Und heute? Was haben wir stattdessen? Bergeweise anderen Kitsch: Engel, Sterne in allen nur denkbaren Farben, Größen und Formen. Aus Holz, Plastik oder Metall. Dazu Kerzen in Rot, Weiß, Blau, Grün, Lila, Gelb oder Braun – aus Wachs oder mit LEDs. Lichterketten für drinnen und draußen, Nikoläuse, Rentierschlitten aus Hunderten von Lämpchen, Windlichter, Tannenzweige und -zapfen aus Plastik, Fensterschmuck in Silber und Gold, Schneewatte und, und, und. Von Christbaumkugeln in unzähligen Varianten ganz zu schweigen. Weiterlesen

Kirche und Demokratie

In diesem Monat kommt die Landessynode zusammen, das gesetzgebende Gremium der Westfälischen Landeskirche. Traditionell im Assapheum in Bielefeld-Bethel. Dort werden, so sieht es aus, die wichtigen Entscheidungen für das evangelische Leben in Westfalen getroffen. Sie hat schon ihre besonderen Regeln, so wie vermutlich jede andere parlamentarische Zusammenkunft auch: Nicht wegzudenken ist die schöne Tradition des mehrmals am Tage angestimmten Chorals, im Stehen selbstverständlich. – Von Dietrich Schneider

Die Synode tagt wieder. Bild: EKvW

Die Synode tagt wieder. Bild: EKvW

Auf unsere Verfassung können wir stolz sein. Sie ist vom Grundsatz her von „unten“ gedacht und legt möglichst viel Verantwortung auf die Gemeinden, sie sichert Mitsprache für viele, sie verhindert, aus geschichtlichem Bewusstsein, die Möglichkeit einer zentralistisch gesteuerten Kirche. Bei uns regiert eben kein Bischof, weder mit noch ohne goldenen Palast. Weiterlesen

Verordnete Dankbarkeit

Nach einer kurzen Phase der Euphorie, in der sich viele Deutsche daran berauscht haben, dass wir ja doch nett sein können – ein Gefühl, das wir seit dem Fußball-Sommermärchen 2006 fast vergessen hatten – kommt nun wieder unser alter Begleiter: die Angst. Schaffen wir das wirklich? In der „Flüchtlingsschwemme“ nicht zu ertrinken? Oder ist nun die Grenze erreicht? Hat die Kanzlerin Recht, wenn sie die Parole „Wir schaffen das“ ausgibt? Oder doch die Seehofers und Söders dieser Welt, die sich so sehr um unser Land sorgen, dass sie es am liebsten einzäunen möchten? – Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Dieses Foto entstand im Rahmen der Foto-Kampagne #hinsehen - Ein Projekt für Zivilcourage der Hagener Fotografin Beba Illic.

Nicht wegschauen! Dieses Foto entstand im Rahmen der Foto-Kampagne #hinsehen – Ein Projekt für Zivilcourage der Hagener Fotografin Beba Illic.

Keiner von uns musste bis jetzt wirklich auf irgendwas verzichten – die Hartz-IV-Sätze, die Rente, selbst die Bahnpreise sind stabil. Niemandem wurde eine vierköpfige Familie aus Syrien ins Eigenheim gesetzt; keiner hat seinen Job verloren, weil der qualifizierte junge Mann aus Eritrea den Job billiger macht. Und selbst das Straßenbild hat sich für die allermeisten von uns nicht wesentlich verändert; außer für die, die in Stadtteilen wohnen, die eh schon vernachlässigt wurden. Das darf man, das muss man kritisieren, denn es ist ungerecht, schwierig, gefährlich. Aber es hat nur am Rande mit den Migranten zu tun. Weiterlesen

Erntedank 2015 – Auf der Suche nach mehr Friedfertigkeit und Verständnis

Foto: shutterstock/auremar

Moderne Landwirtschaft. Foto: shutterstock/auremar

Friedfertigkeit? Angesichts von Flüchtlingselend?
Verständnis? Angesichts von Debatten um eine unverstandene Landwirtschaft? – Von Ute Kerlen

Der Dank der Menschen für die Ernte eines Jahres hat eine lange Tradition; ist fester Bestandteil eines Kirchenjahres. Und so werden traditionell Erntekronen gebunden und in Dankgottesdiensten an Funktionsträger überreicht.
Von Bauern und Bäuerinnen, die wissen, dass trotz regionaler Unterschiede das Brot wieder einmal für ALLE Menschen in unserem Land ausreichen wird.

Friedfertig? Bei Betroffenheit, Resignation, Existenzängsten?
Verständnis? Bei sinkenden Schweinepreisen, Milchpreisen, die auch der NRW Landwirtschaftsminister Johannes Remmel als Skandal bezeichnet?

O-Ton Remmel: „Unter dem derzeitigen Preisniveau leiden Tiere-Umwelt und Bauern!“ Der Mensch also zuletzt!?

Der physische und psychische Druck bei den Bauernfamilien steigt fast täglich. Globale Märkte bestimmen die Preisgestaltung, Mindeststandards werden von der EU festgelegt.

Die Verantwortung für die Familie, den seit Generationen geführten Hof, Umsetzung von politischen Rahmenbedingungen erfordern unternehmerische Fähigkeiten und ökonomisches Handeln. Doch seitens unserer Gesellschaft mehren sich Anspruch und Unverständnis von Produktionsabläufen in der modernen Landwirtschaft.

Diese hat sich in den letzten 20 Jahren massiv bewegt! Bauern und Bäuerinnen produzieren Nahrungsmittel von hoher Qualität!
Und genau das müssen wir selbstbewusster kommunizieren, gemeinsam mit der Politik, den Kirchen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern!

Erntedank 2015 – Grund zum Danken, Denken und Handeln! Für einen friedfertigen und verständnisvollen Umgang miteinander.

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Ute Kerlen ist Landfrau und Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen

Inklusion darf kein Sparmodell sein

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Wie ist angemessene Förderung in inklusiven Klassen möglich? Foto: Shutterstock.com/Monkey-Business-Images

Ein Bericht aus der Praxis.

Total langweilig. Anstrengend. Demotivierend. So lautet mein Fazit zum Chinesisch-Kurs, den ich vor einigen Wochen besucht habe. Man hatte mich aus Versehen in den Fortgeschrittenen-Kurs gesetzt. Über Wochen habe ich zwar zu Hause chinesische Schriftzeichen gelernt. Aber wirklich verstanden habe ich nichts.

So ist es auch vielen meiner Schülerinnen und Schüler im vergangenen Schuljahr ergangen. Als Förderschullehrerin bin ich für ein Jahr an einer Realschule gelandet, die mit dem Thema »Inklusion« gegen ihren Willen Neuland betreten hat. Dort habe ich mir eine Stelle mit einer Kollegin geteilt. Zusammen waren wir zuständig für zehn Kinder mit Förderbedarf, die auf fünf Parallelklassen aufgeteilt waren. Weiterlesen