Archiv der Kategorie: Politik

15 Jahre 9-11

„Nichts wird mehr so sein, wie es vorher war!“ So beschrieben viele Kommentatoren unmittelbar nach den Attentaten auf das World Trade Center in New York ihren Eindruck von der Bedeutung dieses Ereignisses. Vergleichbares hatte die Welt noch nicht erlebt. Amerika, bisher für die meisten Menschen ein Ort der Sicherheit und Zuflucht, unverletzbar und unschlagbar, war mitten in Manhattan, dem Traum dieser Verheißung, tödlich getroffen. Und: Die Welt sah live und in Farbe zu. Zeitgleich gingen Bilder um den Globus, die wir bisher nur aus Hollywood-Filmen kannten, aber die nun eine grausame Realität beschrieben. 2749 Menschen starben in den Trümmern der beiden Türme. Wir gedenken in diesen Tagen zum 15. Mal der Opfer der Anschläge von New York und Washington. Was aber heißt in diesem Fall „gedenken“? Und wer sind die „Opfer“? – Von Andreas Walczak-Detert

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum.

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial. Bild: NormanB / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

…„Das Wunder, das wir schaffen können, ist mit unserem Leben fortzufahren, den Wert des Lebens zu bewahren, zu schützen und zu feiern…,“ sagte der New Yorker Bürgermeister Bloomberg bei den Gedenkfeiern auf Ground Zero am 11. September 2005. Allen Teilnehmern war damals klar, dass die Form der Trauer nun in eine neue Phase treten würde. Mit der Grundsteinlegung für den noch höheren Freedom Tower würde es keine Trauerfeiern auf dem so genannten „bad rock“, dem bösen Gestein, mehr geben. Aber die Welt ist nicht einfach zur Normalität zurückgekehrt. Es ist tatsächlich nichts mehr wie früher.

Es ist, als ob diese Anschläge auf gespenstische Art und Weise endgültig das 21. Jahrhundert „eingeläutet“ haben. Wird am Ende das 21. Jahrhundert durch blutige Terroranschläge gekennzeichnet sein – so wie das 20. Jahrhundert durch zwei furchtbare Weltkriege? Zeigen diese Anschläge nicht deutlich, dass es in unserer globalen Welt keine Sicherheiten mehr gibt? Die folgenden Anschläge, in Paris und Brüssel, an der Côte d’Azur und nun auch in Deutschland haben die Verletzbarkeit unserer modernen Welt eindrucksvoll unter Beweis gestellt – und unsere Schutzlosigkeit. Einen sicheren Ort auf der Welt gibt es nicht.

Besonders pikant: Die Terroristen waren Islamisten, beriefen sich auf den Koran, fühlten sich von einem heiligen Krieg zu ihren Taten gerufen. Hatten die Industriegesellschaften vorher noch erwartet, „die Religion“ würde in der modernen Welt allenfalls noch ein Nischendasein führen, so meldete sich nun „die Religion“ schlagartig mitten in der säkularen Welt zurück.

„Die Religion“

Welche Rolle spielt „die Religion“ in unserem Zusammenleben? Wird unsere Zukunft durch neue Feindbilder geprägt sein? Werden Christentum und Islam sich entfremden, statt den gegenseitigen Respekt zu vertiefen? Wird sich die Welt einteilen in die Guten und die Bösen? Bleibt unser christliches Wissen, dass jeder Mensch Gutes und Böses in sich trägt, auf der Strecke? Was werden wir am Ende aus den Terrorangriffen lernen?

Der anglikanische Bischof von Leeds, Nick Baines, verfolgt mit großer Sorge die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in seinem eigenen Land. Rassismus, so seine Einsicht, beginnt nicht lautstark und gewalttätig, sondern als „Samen, der durch Schweigen und Verbreiten von Gerüchten genährt wird…Dem kann begegnet werden durch das Pflanzen, Pflegen und Hegen von Samen, aus denen Hoffnung, Engagement und Liebe erwächst. Es reicht nicht aus, den schlechten Samen auszureißen, man muss an seiner Stelle einen guten einpflanzen.“

Neue Freundbilder statt alte Feindbilder

Der Friedensauftrag der Christen hat durch die Anschläge am 11. September 2001 eine neue Dringlichkeit bekommen. Noch energischer müssen wir fragen und sagen, was heute dem Frieden dient – gerade auch im Gespräch mit anderen Religionen. Unser Glaube muss dazu beitragen, neue Freundbilder statt alte Feindbilder zu „malen“. Ich finde, dass dies der beste und angemessenste Weg ist, der Opfer des 11. September zu gedenken und Lehren aus den Anschlägen zu ziehen. Es steht viel auf dem Spiel, damit wir am Ende nicht alle zu späten Opfern werden.

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Andreas Walczak-Detert ist Pfarrer für Stadtkirchenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

Bildnachweis oben: Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum. By NormanB (Own work) / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Europa: In der Krise steckt die Chance

Eine Stimme für das „Friedensprojekt“ Europa!“ war einer der ersten Beiträge in der „Klaren Kante“. Wie sieht es jetzt, zwei Jahre später, aus? Annette Muhr-Nelson schaut zurück und nach vorn.

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Paris, Brüssel, die Terroranschläge in europäischen Metropolen erschüttern uns bis ins Mark. Allerorten ist Verunsicherung zu spüren. Kaum ein Fernsehabend ohne eine Talkshow oder ein Magazin zum Thema. Dabei werden Schwächen in der Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten der verschiedenen europäischen Staaten bemängelt.

Idomeni, Lesbos, Lampedusa, Calais. Zäune in Osteuropa, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen auch in Dänemark, das Rücknahmeabkommen mit der Türkei. Ein europäischer Flüchtlingsgipfel jagt den anderen.

Großbritannien stimmt am 23. Juni über den Verbleib in der EU ab. Ein Brexit könnte möglicherweise große Auswirkungen auf die europäische Währungsunion haben. Die nationalkonservativen Parteien und Strömungen erstarken in ganz Europa. In der Ukraine herrscht immer noch Krieg.

Die Europäische Union steckt in einer dicken Krise. Steht das „Friedensprojekt Europa“ vor dem Aus?

„Wir sind zutiefst erschüttert von den Ereignissen. Als Gesellschaften und auch als Kirchen müssen wir fest und geeint stehen“, sagte der Generalsekretär der GEKE (Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa), Bischof Dr. Michael Bünker, unmittelbar nach den Anschlägen in Brüssel. „Die Spaltung Europas durch Terroranschläge wie jene von Brüssel darf nicht gelingen.“

Was für die Terroranschläge gilt, gilt auch für die anderen Herausforderungen: Die Spaltung Europas darf nicht geschehen! Ruhe bewahren, einen kühlen Kopf behalten, gemeinsam nach Lösungen suchen, ist das Gebot der Stunde.

Wertelieferanten?!

Es stand Politikern schon immer gut an, weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Visionär und menschlich – so stelle ich mir europäische Politik vor; an einer Friedenslogik ausgerichtet, die ein auskömmliches Leben für alle zum Ziel hat.

Das mag naiv und weltfremd klingen. Ist es auch, solange damit gemeint ist: „Lasst uns so weitermachen wie bisher.“ – Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Die Appelle zu Toleranz und Offenheit reichen nicht mehr aus, den sozialen Frieden zu wahren.

Als Kirchen haben wir da lange genug mitgespielt, haben uns in die Rolle des Wertelieferanten für die Gesellschaft drängen lassen, haben getröstet und Pflaster auf die Wunden geklebt.

Jetzt ist es Zeit, deutlich zu machen, was Gerechtigkeit, Solidarität, wirklich heißt: Eine Transformation der Gesellschaft, eine Lastenverteilung zwischen Arm und Reich, eine komplette Änderung unseres Wirtschaftssystems.

Wenn wir es nicht aussprechen, wer dann: Die weltweiten Flüchtlingsströme und das Erstarken des Extremismus brechen nicht über uns herein wie Naturgewalten. Sie waren vorhersehbar. Sie sind logische Konsequenzen eines globalen ausbeuterischen Wirtschaftssystems, von dem wir in Europa lange genug profitiert haben.

Nur mit mutigen Schritten nach vorn können wir das überwinden. Zurück zum Nationalstaat ist keine Option. Europa hat schon viele Krisen gemeistert. Ich bin zuversichtlich, dass der Friedenswille und die Freiheitsliebe der Europäerinnen und Europäer nicht so leicht unterzukriegen sind.

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson ist Friedensbeauftragte der EKvW und Leiterin des Amtes für MÖWe

 

„Sie liegen falsch, Schwerte schafft das“

In einer Ausgabe der ZEIT ging es um Städte, die viele Flüchtlinge und viele Schulden haben, unter anderem um Schwerte. Die Überschrift über dem Artikel hieß: Schwerte schafft es nicht. Ich komme aus Schwerte. Die Überschrift ist falsch. – Von Martin Krehl

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…auch in Schwerte. Bild: Public Domain/pixabay

Das es in Schwerte wenig bezahlbaren Wohnraum gibt und dass er mit steigenden Flüchtlingszahlen knapper wird, das stimmt. Aber Sozialwohnungen wurden schon abgeschafft, bevor Assad die erste Fassbombe auf Aleppo werfen ließ. Die Not ist nicht durch Flüchtlinge entstanden, sie ist nur sichtbarer geworden.

Meine Stadt hat jahrelang hart sparen müssen, auch das ist richtig. Wenn jetzt Flüchtlinge kommen, werden wir Normalbürger – abgesehen von den beschlagnahmten Turnhallen – kaum etwas vermissen an unserer kommunalen Daseinsfürsorge, die ist nämlich lange schon auf ein Mindestmaß reduziert. Wir sind es gewohnt, uns selbst zu kümmern, das Engagement der Schwerter Bürger hat Jahrhunderte Tradition. Es gibt genug Helfer, die sich um die Unterbringungen und Versorgung der Flüchtlinge kümmern. Das sind nicht nur optimistische, naive Menschen. Da sind eine Menge Leute dabei, die denken: Hoffentlich geht das gut.

Aber nur weil das Geld knapp ist, kann doch nicht gleich der Schluss gezogen werden, dass die Stadt diese Aufgabe nicht stemmen kann. Im schlimmsten Fall schickt uns das Land einen Zwangsverwalter. Der wird sehen, was offensichtlich ist: dass wir kein Geld ausgeben für Dinge, die verzichtbar wären. Wir können ja nicht in den Turnhallen, in denen Flüchtlinge wohnen, die Heizung abdrehen oder die Matratzen wegstreichen. Der Bürgermeister darf in meinem Namen so viele Schulden machen wie nötig. Es ist gut investiertes Geld, es hilft Menschen in Not.

Vielleicht wird durch die Flüchtlinge der eine oder andere Bauantrag etwas später bewilligt, vielleicht werden ein paar Knöllchen weniger geschrieben, weil die Beamten so beschäftigt sind. Mehr nicht. Schwerte schafft das.

krehl_200Martin Krehl war Lokalredakteur bei der Westfälischen Rundschau, betreut als Mitarbeiter der Kirche Flüchtlinge, Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und für die Koordination der sechs Begegnungscafés der katholischen und der drei evangelischen Kirchengemeinden in Schwerte

 

(Erstveröffentlichung als Leserbrief in DIE ZEIT Nr. 9/18.02.2016 – Zwischenruf)

Warum wir keine Bürgerwehren brauchen

Der Verkauf von Selbstverteidigungswaffen steigt. Vielerorts haben sich sogar Bürgerwehren gegründet. Man könnte meinen, wir leben plötzlich im Wilden Westen, wo sich jeder selbst schützen muss, so gut es geht.   – Von Tilman Walther-Sollich

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…wie im Wilden Westen?

Zuerst: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das Thema Sicherheit im Moment so viele bewegt. Besonders Frauen sind nach der unsäglichen Gewalt, die ihre Geschlechtsgenossinnen in der Silvesternacht in Köln und anderswo erlitten haben, verunsichert. Können sie sich noch auf die Straße trauen? Und können wir unsere Töchter (und womöglich auch Söhne) noch unbekümmert auf die Straße lassen?

Diese Fragen sind berechtigt und müssen von jedem realistisch denkenden Menschen immer wieder beantwortet werden. Nicht umsonst hat jedes Parkhaus Frauenparkplätze – und zwar nicht erst, seit es so viele Flüchtlinge in unserem Land gibt. Aber daraus die Notwendigkeit oder gar die Berechtigung zur Bildung von Bürgerwehren abzuleiten, geht zu weit.

Wir sind nicht im Wilden Westen. Und ich will auch nicht im Wilden Westen leben! Es ist doch gerade eine der ganz großen Errungenschaften unserer Demokratie, dass wir ein staatliches Gewaltmonopol haben, das der demokratischen Kontrolle unterliegt. Das schützt zwar die Polizei nicht vor Fehlern, wie wir gesehen haben, aber – und das ist der entscheidende Punkt – das schützt uns alle vor Willkür und Unrecht.

Vor Polizisten brauche ich keine Angst zu haben. Bei selbst ernannten Bürgerwehren, bei denen ich nicht weiß, wer oder was dahinter steckt, sieht das völlig anders aus. Ich schlage darum vor: Anstatt über Bürgerwehren zu diskutieren, sollten wir besser über die gescheiterte Politik des „schlanken Staates“ reden. Wir haben viel zu lange zugelassen, dass der öffentliche Dienst kaputt gespart wird. Was wir brauchen ist ein genügend starker Staat, der auch in kritischen Situationen Recht und Gesetz umzusetzen in der Lage ist. Konkret: Eine Polizei, die eingreifen kann, wenn sie gebraucht wird – und die präventiv so gut aufgestellt ist, dass sie gar nicht erst eingreifen muss.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir: In der Regel funktioniert das in Deutschland ziemlich gut!

Pfarrer Dr. Tilman Walther-SollichPfarrer Dr. Tilman Walther-Sollich ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und politische Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Hamm.

„Lügenpresse“ – umfassend, objektiv und wahrhaftig

Wenn „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) „Lügenpresse“ skandieren, gehört das noch zu den harmloseren Beschimpfungen. – Von Christa A. Thiel

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Immer wieder montags in Dresden: Die Pegida demonstriert! „Es ist eine Veranstaltung, zu der wir als Journalisten nicht so gerne hingehen“, sagte Reporter Danko Handrick vom ARD-Morgenmagazin Ende Januar. „Mit der Kamera traue ich mich nicht mehr in die Menge. Wir werden angepöbelt, haben immer einen Wachmann bei uns.“

Keine einfache Aufgabe für den Reporter, dessen Aufgabe es ist zu „re-portieren“, „zurück-zu-bringen“ für seinen Hörer, Zuschauer oder Leser, was tatsächlich passiert ist. Nicht objektiv und einseitig sei die „Lügenpresse“. Sie berichte nicht, was er als Realität empfinde, sagt einer der Pegida-Anhänger. „Realität zu empfinden, ist auch nicht die Aufgabe eines Reporters“, möchte ich antworten. „Er hat nachprüfbare Fakten zu reportieren.“

Auch zu meinem beruflichen Ethos als Pfarrerin und Redakteurin gehört: Ich verpflichte mich umfassend, objektiv und wahrhaftig zu berichten. Andere mit Worten zu diffamieren, gehört nicht dazu. Dass Fehler passieren können, räume ich ein.

Mir ist durchaus bewusst, dass „Lügenpresse“ ihre Wurzeln in protestantischer und katholischer Publizistik hat. Im 17. Jahrhundert sollte so der jeweils andere als unglaubwürdig dargestellt werden. Im 21. Jahrhundert wurde „Lügenpresse“ von der „Sprachkritischen Aktion“ zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählt. In den Jahrhunderten dazwischen haben ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen das Unwort zur Diffamierung genutzt.

Neu ist, dass heutzutage über soziale Medien bewusst Falschmeldungen verbreitet werden. Wer muss und kann das kontrollieren und unterbinden?

Umfassend, objektiv und wahrhaftig zu berichten, wie das funktionieren kann? Sprechen Sie mit Redakteuren! Die haben ihr Handwerkszeug gelernt. Nehmen Sie an Führungen in Sendern und Zeitungsredaktionen teil!

Thiel_Christa-200px Christa A. Thiel aus Dortmund ist Pfarrerin und Redakteurin.

Hartz IV: Überleben Ja – gesellschaftliche Teilhabe Nein danke!

Für Nahrungsmittel sind bei einem alleinstehenden erwachsenen ALG-II-Empfänger 138,82 € monatlich vorgesehen, ein 6 bis13-jähriges Kind erhält 104,86 €. Pro Tag sind dies 4,62 € für Essen und Trinken, für das 12-jährige Kind noch 3,49 €. Wenn für das Mittagessen 1,49 € eingeplant werden verbleiben für das Frühstück und Abendessen je ein Euro. Wichtig ist, dass das Kind keinen gesunden Apfel mit zur Schule nehmen möchte oder nachmittags Hunger bekommt, hierfür ist kein Cent mehr übrig. Es sollte auch den ganzen Tag keinen Durst haben oder mit Leitungswasser zufrieden sein, der Getränkeanteil war bei den Essensausgaben verplant. – Von Michael König

Hand füllt Hartz-IV-Antrag aus

Bild: clipdealer

Für Schuhe sind für ein 6 bis 13-jähriges Kind monatlich 10,43 € vorgesehen. Ein Paar Sandalen, Halbschuhe und Winterschuhe im Billigeinkauf für 40,00 € und alles ist für ein Jahr ausgegeben. Schuhe zum Wechseln, Verschleiß, wachsende Kinderfüße alles sollte bei Hartz IV nicht vorkommen. Sportunterricht in der Schule lieber auch nicht; Turnschuhe sind in der beschriebenen Variante nicht eingeplant.

Alles reduzieren

Der Mangel bei den Grundbedarfen wie Ernährung, Kleidung, Energieversorgung wird dadurch ausgeglichen, dass andere Ausgaben komplett eingespart werden. Für einen Erwachsenen sind im monatlichen Regelsatz für Spielwaren/Hobbys (1,30 €), Bücher/Broschüren (5,55 €), Bildung/Kursteilnahme (1,50 €), Besuche von Sport- und Kulturveranstaltungen (8,30 €) oder Mitgliedsbeiträge (1,45 €) eingeplant. Einsparungen bei Ausgaben für soziale Kontakte ermöglichen es, für ein Mittagessen 2,50 € einzuplanen oder die notwendigen Billigturnschuhe für das Kind zu bezahlen. Weiterlesen

Erntedank 2015 – Auf der Suche nach mehr Friedfertigkeit und Verständnis

Foto: shutterstock/auremar

Moderne Landwirtschaft. Foto: shutterstock/auremar

Friedfertigkeit? Angesichts von Flüchtlingselend?
Verständnis? Angesichts von Debatten um eine unverstandene Landwirtschaft? – Von Ute Kerlen

Der Dank der Menschen für die Ernte eines Jahres hat eine lange Tradition; ist fester Bestandteil eines Kirchenjahres. Und so werden traditionell Erntekronen gebunden und in Dankgottesdiensten an Funktionsträger überreicht.
Von Bauern und Bäuerinnen, die wissen, dass trotz regionaler Unterschiede das Brot wieder einmal für ALLE Menschen in unserem Land ausreichen wird.

Friedfertig? Bei Betroffenheit, Resignation, Existenzängsten?
Verständnis? Bei sinkenden Schweinepreisen, Milchpreisen, die auch der NRW Landwirtschaftsminister Johannes Remmel als Skandal bezeichnet?

O-Ton Remmel: „Unter dem derzeitigen Preisniveau leiden Tiere-Umwelt und Bauern!“ Der Mensch also zuletzt!?

Der physische und psychische Druck bei den Bauernfamilien steigt fast täglich. Globale Märkte bestimmen die Preisgestaltung, Mindeststandards werden von der EU festgelegt.

Die Verantwortung für die Familie, den seit Generationen geführten Hof, Umsetzung von politischen Rahmenbedingungen erfordern unternehmerische Fähigkeiten und ökonomisches Handeln. Doch seitens unserer Gesellschaft mehren sich Anspruch und Unverständnis von Produktionsabläufen in der modernen Landwirtschaft.

Diese hat sich in den letzten 20 Jahren massiv bewegt! Bauern und Bäuerinnen produzieren Nahrungsmittel von hoher Qualität!
Und genau das müssen wir selbstbewusster kommunizieren, gemeinsam mit der Politik, den Kirchen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern!

Erntedank 2015 – Grund zum Danken, Denken und Handeln! Für einen friedfertigen und verständnisvollen Umgang miteinander.

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Ute Kerlen ist Landfrau und Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen

Streik – ein Beitrag zum Wohl der ganzen Gesellschaft?

Streiks nerven, das ist keine Frage. Zur Zeit nervt die Streikwelle besonders, weil sie viele Belange des Alltags trifft: Verkehr, Kinderbetreuung, und jetzt auch noch die Post. Da kommt man ja kaum noch hinterher. – Von Dr. Tilman Walther-Sollich

Streik

Streik! Foto: Digitoxin (Erich Wangerin)/ CC-BY 2.0

Mit Achselzucken, Wegschauen oder gar Schimpfen ist aber niemand geholfen. Es wäre sogar noch nicht einmal christlich. Denn es geht bei diesen Streiks um Kernfragen unseres Sozialwesens, um Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben. Da sollten wir uns nicht raushalten! Tun wir auch nicht: Ende April hat die EKD sogar sehr dezidiert mit einer Denkschrift („Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt„) Stellung genommen zu diesen Fragen, die besser nicht nur mit Stammtischparolen erörtert werden sollten. Es lohnt sich, da hineinzuschauen. Weiterlesen

Hunger in Deutschland? – Ein unglaublicher Skandal

1997 sind wir, meine Frau und ich, nach Attendorn gezogen, eine Kleinstadt im Sauerland – florierende mittelständische Industrie in schöner Umgebung mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von weit über 30.000 €.
Was wir beide bis dahin nicht kannten: Immer wieder haben an unserer Pfarrhaus-Tür Menschen geklingelt und nachgefragt, ob sie etwas zu essen bekommen können. – Von Dr. Christof Grote

Leerer Teller

Hunger? Foto: clipdealer

Wir haben viele Brote geschmiert und bald auch mit einem Lebensmittelgeschäft in der Nachbarschaft verabredet, dass wir Gutscheine für Nahrungsmittel ausgeben. Der Händler war schnell ebenso geschockt wie wir und hat angeboten, der Gemeinde alle Lebensmittel, die er nicht mehr verkaufen kann, zur Verfügung zu stellen.

Daraus ist 1998 die Attendorner Tafel entstanden: Jeden Monat geben wir inzwischen für über 400 Menschen Lebensmittel aus Weiterlesen

Gott sei Dank, es ist Sonntag!

Der Sonntag ist ein Geschenk. Das Wort »Sonntag« ist schon ein verheißungsvolles Geschenkpapier: Da ist etwas Gutes und lebenswichtiges drin. Die Vorfreude auf dieses Geschenk lässt manchen erst die harte Arbeits- oder Schulwoche überstehen. Von Michael Hopf

Arbeit, Hektik und Stress - Sonntagsshopping.

Arbeit, Hektik und Stress – Sonntagsshopping statt Sonntagsruhe.

Arbeitsfrei, schöpferische Ruhe, Zeit für Gott, für Familie, für Sport und anderes, was sonst nicht geht. Alles das befindet sich in dem Geschenkpaket namens »Sonntag«. Gesetzlich festgeschrieben ist es auch: »Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.«

Gedenken an die Auferstehung Jesu

Selbstverständlich ist das nicht – ein langer Weg bis zur heutigen Sonntagsregelung – Irrungen und Wirrungen wie etwa eine frühere Gottesdienstpflicht eingeschlossen. Weiterlesen