Archiv der Kategorie: Soziales

Ich will doch nur spielen

Aus dem anderen Hallenteil höre ich die Tritte gegen den Ball und den Jubel nach einem Tor. Wie gerne würde ich da mitspielen. Aber ich darf nicht. Ein Körperteil fehlt mir. Ich bin 14 Jahre alt, weiblich und besuche das Gymnasium „Auf der Morgenröthe“. – Von Miriam Seidel

Frauen beim Fussball

Bei Jungs ist das normal… Foto: Public Domain/pixabay

Rhythmische Sportgymnastik die Mädchen – Fußball und Zirkeltraining im wöchentlichen Wechsel die Jungen. So sah mein Sportunterricht  in der Mittelstufe aus. Das war vor 18 Jahren. Noch gar nicht so lange her. Okay – ein bisschen hat sich seitdem verändert. Gott sei Dank. Manches aber auch nicht.

Ob ich Fußball spiele oder nicht, möchte ich doch gerne selbst entscheiden…

Ganz begeistert sprechen die Menschen über Nora aus dem Konfirmandenkurs: wie gut sie Fußball spielen kann. Das stimmt, kann sie wirklich. Keine Frage. Max kann das auch. Und Florian. Und Jerome. Ungefähr das gleiche Level. Aber das sind ja Jungs. Das ist ja normal. Weiterlesen

Streik – ein Beitrag zum Wohl der ganzen Gesellschaft?

Streiks nerven, das ist keine Frage. Zur Zeit nervt die Streikwelle besonders, weil sie viele Belange des Alltags trifft: Verkehr, Kinderbetreuung, und jetzt auch noch die Post. Da kommt man ja kaum noch hinterher. – Von Dr. Tilman Walther-Sollich

Streik

Streik! Foto: Digitoxin (Erich Wangerin)/ CC-BY 2.0

Mit Achselzucken, Wegschauen oder gar Schimpfen ist aber niemand geholfen. Es wäre sogar noch nicht einmal christlich. Denn es geht bei diesen Streiks um Kernfragen unseres Sozialwesens, um Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben. Da sollten wir uns nicht raushalten! Tun wir auch nicht: Ende April hat die EKD sogar sehr dezidiert mit einer Denkschrift („Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt„) Stellung genommen zu diesen Fragen, die besser nicht nur mit Stammtischparolen erörtert werden sollten. Es lohnt sich, da hineinzuschauen. Weiterlesen

Hunger in Deutschland? – Ein unglaublicher Skandal

1997 sind wir, meine Frau und ich, nach Attendorn gezogen, eine Kleinstadt im Sauerland – florierende mittelständische Industrie in schöner Umgebung mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von weit über 30.000 €.
Was wir beide bis dahin nicht kannten: Immer wieder haben an unserer Pfarrhaus-Tür Menschen geklingelt und nachgefragt, ob sie etwas zu essen bekommen können. – Von Dr. Christof Grote

Leerer Teller

Hunger? Foto: clipdealer

Wir haben viele Brote geschmiert und bald auch mit einem Lebensmittelgeschäft in der Nachbarschaft verabredet, dass wir Gutscheine für Nahrungsmittel ausgeben. Der Händler war schnell ebenso geschockt wie wir und hat angeboten, der Gemeinde alle Lebensmittel, die er nicht mehr verkaufen kann, zur Verfügung zu stellen.

Daraus ist 1998 die Attendorner Tafel entstanden: Jeden Monat geben wir inzwischen für über 400 Menschen Lebensmittel aus Weiterlesen

Gott sei Dank, es ist Sonntag!

Der Sonntag ist ein Geschenk. Das Wort »Sonntag« ist schon ein verheißungsvolles Geschenkpapier: Da ist etwas Gutes und lebenswichtiges drin. Die Vorfreude auf dieses Geschenk lässt manchen erst die harte Arbeits- oder Schulwoche überstehen. Von Michael Hopf

Arbeit, Hektik und Stress - Sonntagsshopping.

Arbeit, Hektik und Stress – Sonntagsshopping statt Sonntagsruhe.

Arbeitsfrei, schöpferische Ruhe, Zeit für Gott, für Familie, für Sport und anderes, was sonst nicht geht. Alles das befindet sich in dem Geschenkpaket namens »Sonntag«. Gesetzlich festgeschrieben ist es auch: »Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.«

Gedenken an die Auferstehung Jesu

Selbstverständlich ist das nicht – ein langer Weg bis zur heutigen Sonntagsregelung – Irrungen und Wirrungen wie etwa eine frühere Gottesdienstpflicht eingeschlossen. Weiterlesen

Frauenmahl – viel zu teuer?

„35 € Eintritt für eine Kirchenveranstaltung – das können sich unsere Gemeindefrauen doch gar nicht leisten! Dafür mache ich keine Werbung.“ Eine Pfarrerin ist empört. In unserem Kirchenkreis findet ein Frauenmahl statt, mit Festessen, Impulsvorträgen, Raum für Gespräche untereinander und musikalischem Rahmenprogramm. Natürlich: 35 € sind eine Menge Geld, aber muss bei Kirchens immer alles kostenfrei sein? Es ist sehr gut, dass wir vieles für einkommensschwache Zielgruppen anbieten, aber darf es nicht auch anderes geben? – Von Ute Böning

Buntes Programm, interessante Referentinnen – Frauenmahl in Sendenhorst. Foto: EKvW/IKG

Wenn ich mir anhöre, was junge Erwachsene für Eintritt z. B. bei Silvester-Veranstaltungen zahlen, finde ich den Betrag immer noch sehr günstig. Außerdem bekommen die Teilnehmerinnen eine Menge für ihr Geld geboten: 4 Stunden Programm zu einem gesellschaftlich wichtigen Thema aus Frauensicht, mit mehrgängigem Essen (Suppe, Vorspeise, Hauptgerichte und Nachtischbuffet) und namenhaften Rednerinnen, z. T. bundesweit bekannt, ansprechende Atmosphäre und Raumgestaltung, sowie Musik vom Feinsten. Weiterlesen

Mein Sparschwein zahlt keine Kirchensteuer

„Sachma, Katharina, spinnt die Kirche jetzt total?“ Als ich nach Hause kam, hatte mein Nachbar gerade seinen Briefkasten geleert und die Post gleich vor der Haustür gesichtet. Dabei war auch einer dieser merkwürdigen Brief von der Bank, die nun alljährlich nach der Kirchenzugehörigkeit fragen. Nachbar Jürgen hatte beim Überfliegen dieses Schreibens nur eines erfasst und das rief er in seinem Unmut quer über die Straße: „Die wollen auch noch Steuern auf meine Ersparnisse haben.“ – Von Katharina Blätgen

Sparschwein mit Hammer

Arme Sau?

Das neue Verfahren zum Einzug der Kirchensteuer auf die Kapitalertragssteuer ist eine Katastrophe der kirchlichen Kommunikation. Denn so wie Nachbar Jürgen (der übrigens katholisch war, aber schon vor vielen Jahren ausgetreten ist) reagieren die meisten: ‚Eine neue Steuer, auf meine Ersparnisse und das von der Kirche – jetzt reicht’s.‘ Missverständnisse, soweit das Auge reicht, und fast keine Chance, sie auszuräumen. Die Austrittszahlen sind merklich gestiegen, bei uns im Kirchenkreis gerade in den Kirchengemeinden, in denen gut situierte Senioren leben. Weiterlesen

Wirtschaft und Gerechtigkeit

Unternehmen sind immer sozial, solange sie vermarktbare Leistungen anbieten und sich an die Gesetze halten, findet Unternehmer W. Arndt Bertelsmann.

Betriebe können sich mit ihrem sozialen Engagement nicht reinwaschen. Tariftreue- und Vergabegesetze, Grenzwerte, Mindestlohn und weitere Sicherungssysteme bleiben die notwendige Grundlage, sagt Sozialpfarrin Heike Hilgendiek.

Wie sieht es aus, wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen?

Pro und contra, Unternehmens- und soziale Perspektive gibt es heute im Doppelpack:

Sind Unternehmen sozial? Ja, immer!

W. Arndt BertelsmannWas auf den ersten Blick eine Provokation ist, lässt sich leicht erklären. Ein Unternehmen ist immer dazu da, Produkte oder Dienstleistungen zur erstellen bzw. anzubieten. Es befriedigt also den Bedarf von Konsumenten, anderer Unternehmen oder des Staates. Dazu setzt es Ressourcen ein – Arbeitskraft, Material, Energie und Kapital. Es schafft somit Arbeitsplätze, und wenn es nur die Unternehmerin selbst ist. Wenn ein Unternehmen keinen Bedarf deckt oder die Ressourcen nicht sinnvoll einsetzt, sollte es schließen. Denn dann wäre der Fortbestand eine Verschwendung von Ressourcen.
Die Arbeitgeberperspektive von W. Arndt Bertelsmann

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Der gute Wille reicht nicht aus

Jedes Heike HilgendiekGemeinwesen lebt – auch – von der Menschenfreundlichkeit seiner Mitglieder, die nicht nur am eigenen Vorteil interessiert sind. So gehört Verantwortung, die über das unmittelbare Geschäft hinausgeht, seit jeher zum Unternehmertum. Der „ehrbare Kaufmann“ oder die „ehrbare Kauffrau“ hält sich an Recht und Gesetz. Und neben dem (erfolgreichen) wirtschaftlichen Handeln setzt sie oder er sich selbstverständlich ein für das Wohl der Mitarbeitenden, der Kundinnen und Kunden – und darüber hinaus für das des Gemeinwesens.
Die Arbeitnehmerseite von Heike Hilgendiek

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Verschenkt Euch selbst!

Weihnachten steht vor der Tür und wie jedes Jahr wird wieder geworben auf Teufel komm raus, für Geschenke, Weihnachtsschmuck und Festessen. Oft ist die Werbung gut gemacht, einladend oder auch nervig. Hauptsache sie bekommt Aufmerksamkeit. Aber über eine Werbung habe ich mich so richtig geärgert. So geärgert, dass ich merkte: Da muss was zu gesagt werden! – Von Dirk Heckmann

Geschenke

In dem Werbespot sieht man einen Mann, der sich überlegt zu Weihnachten seinem Kind ein selbstgebautes Boot zu schenken. Er studiert Baupläne, klebt und werkt und stellt sich dabei so dämlich an, dass man zwangsläufig denkt: „Hoffentlich verschenkt er das nicht!“ Dann sieht man wie der Junge unterm Weihnachtsbaum das Geschenk auspackt – und ist erleichtert, weil es eine Spielekonsole ist.

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