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„Gott fährt Fahrrad“

„Gott fährt Fahrrad“, ist der Titel eines autobiographischen Romans des niederländischen Schriftstellers Maarten`t Hart. Der „Europäische Tag des Fahrrads“, den das französische Bündnis Attac seit 2008 für den 3. Juni ausruft, ist eine gute Gelegenheit, über das Fahrrad und über unser Mobilitätsverhalten nachzudenken und darüber, was das mit Gott zu tun hat.

Fahrräder. Foto: Dirk Purz

Auf einem Autoparkplatz haben bis zu 12 Fahrräder Platz. Foto: Dirk Purz

In keinem anderen Lebensbereich ist es so wenig gelungen, den Schadstoffausstoß zu reduzieren, wie im Verkehr. Die Emissionen sind hier in den letzten Jahren gestiegen statt gefallen.

Es ist also höchste Zeit, unser Mobilitätsverhalten zu ändern, um die Schöpfung zu bewahren und die Klimaschutzziele von Paris auch erreichen zu können.
Was liegt da näher, als öfter auf das Fahrrad umzusteigen und nicht nur am 3. Juni das Auto stehen zu lassen?

75 Prozent aller Wege, die wir zurücklegen, sind kürzer als zehn Kilometer; die Hälfte aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer. Dabei ist das Fahrrad bei Distanzen bis fünf Kilometer häufig das schnellere Verkehrsmittel und als E-Bike ist es bei Entfernungen bis zu 15 Kilometern ebenfalls häufig die bessere Alternative. Außerdem: Das Fahrrad spart Geld – ein Auto kostet laut ADAC mindestens 350 Euro im Monat. Radfahren hält gesund – Fahrradfahrer leben länger und sind weniger krankheitsanfällig. Auf einem Autoparkplatz haben bis zu 12 Fahrräder Platz und der Ausbau des Radwegenetzes kostet nur einen Bruchteil des Autobahnnetzes.
Einige von vielen Gründen dafür, dass das Fahrrad das Fortbewegungsmittel des 21. Jahrhunderts sein wird.

Meine Vision einer Gemeinde der Zukunft: Die fahrradfahrende Pfarrerin, der in die Pedale tretende Gemeindepädagoge oder die Küsterin, die mit dem elektrischen Lastenrad ihre Besorgungen erledigt. Zeit zum Grüßen und Zeit zum Absteigen für ein Gespräch! Sehen und gesehen werden. Die Gemeinde als Erprobungsraum für einen ent-schleunigten Alltag.
Gemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche könnten diese Form der Fortbewegung durch finanzielle Beihilfen oder durch die Bereitstellung von Diensträdern unterstützen.
Fahrräder sind ja nicht nur ein sichtbares, sondern genauso auch ein lustvolles und gesundes Zeichen für unsere christliche Schöpfungsverantwortung und für den Klimaschutz.
Probieren Sie es aus. Eine Möglichkeit ist es, zum Beispiel das Radwegekirchennetz im Kirchenkreis Unna oder anderswo dafür zu nutzen: www.radwegekirchen.de

Volker Rotthauwe

Volker Rotthauwe

Pfarrer Volker Rotthauwe ist theologischer Referent im
Fachbereich Nachhaltige Entwicklung im Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW

Europa: In der Krise steckt die Chance

Eine Stimme für das „Friedensprojekt“ Europa!“ war einer der ersten Beiträge in der „Klaren Kante“. Wie sieht es jetzt, zwei Jahre später, aus? Annette Muhr-Nelson schaut zurück und nach vorn.

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Paris, Brüssel, die Terroranschläge in europäischen Metropolen erschüttern uns bis ins Mark. Allerorten ist Verunsicherung zu spüren. Kaum ein Fernsehabend ohne eine Talkshow oder ein Magazin zum Thema. Dabei werden Schwächen in der Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten der verschiedenen europäischen Staaten bemängelt.

Idomeni, Lesbos, Lampedusa, Calais. Zäune in Osteuropa, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen auch in Dänemark, das Rücknahmeabkommen mit der Türkei. Ein europäischer Flüchtlingsgipfel jagt den anderen.

Großbritannien stimmt am 23. Juni über den Verbleib in der EU ab. Ein Brexit könnte möglicherweise große Auswirkungen auf die europäische Währungsunion haben. Die nationalkonservativen Parteien und Strömungen erstarken in ganz Europa. In der Ukraine herrscht immer noch Krieg.

Die Europäische Union steckt in einer dicken Krise. Steht das „Friedensprojekt Europa“ vor dem Aus?

„Wir sind zutiefst erschüttert von den Ereignissen. Als Gesellschaften und auch als Kirchen müssen wir fest und geeint stehen“, sagte der Generalsekretär der GEKE (Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa), Bischof Dr. Michael Bünker, unmittelbar nach den Anschlägen in Brüssel. „Die Spaltung Europas durch Terroranschläge wie jene von Brüssel darf nicht gelingen.“

Was für die Terroranschläge gilt, gilt auch für die anderen Herausforderungen: Die Spaltung Europas darf nicht geschehen! Ruhe bewahren, einen kühlen Kopf behalten, gemeinsam nach Lösungen suchen, ist das Gebot der Stunde.

Wertelieferanten?!

Es stand Politikern schon immer gut an, weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Visionär und menschlich – so stelle ich mir europäische Politik vor; an einer Friedenslogik ausgerichtet, die ein auskömmliches Leben für alle zum Ziel hat.

Das mag naiv und weltfremd klingen. Ist es auch, solange damit gemeint ist: „Lasst uns so weitermachen wie bisher.“ – Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Die Appelle zu Toleranz und Offenheit reichen nicht mehr aus, den sozialen Frieden zu wahren.

Als Kirchen haben wir da lange genug mitgespielt, haben uns in die Rolle des Wertelieferanten für die Gesellschaft drängen lassen, haben getröstet und Pflaster auf die Wunden geklebt.

Jetzt ist es Zeit, deutlich zu machen, was Gerechtigkeit, Solidarität, wirklich heißt: Eine Transformation der Gesellschaft, eine Lastenverteilung zwischen Arm und Reich, eine komplette Änderung unseres Wirtschaftssystems.

Wenn wir es nicht aussprechen, wer dann: Die weltweiten Flüchtlingsströme und das Erstarken des Extremismus brechen nicht über uns herein wie Naturgewalten. Sie waren vorhersehbar. Sie sind logische Konsequenzen eines globalen ausbeuterischen Wirtschaftssystems, von dem wir in Europa lange genug profitiert haben.

Nur mit mutigen Schritten nach vorn können wir das überwinden. Zurück zum Nationalstaat ist keine Option. Europa hat schon viele Krisen gemeistert. Ich bin zuversichtlich, dass der Friedenswille und die Freiheitsliebe der Europäerinnen und Europäer nicht so leicht unterzukriegen sind.

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson ist Friedensbeauftragte der EKvW und Leiterin des Amtes für MÖWe

 

Jung und engagiert?

Jung und engagiert? Das ist kein Gegensatzpaar!
Passt gut zusammen und ist etwas, was wir in der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zusammenbringen. – Von Sebastian Richter.

Sei kein Schaf!

Sei kein Schaf! Foto: Ev. Jugend Frömern

Neulich kommt ein Journalist zu mir. Ob wir denn überhaupt noch ehrenamtliche Jugendliche hätten. Das wäre doch alles gar nicht mehr möglich. Heutzutage. Allein schon wegen G8 und so.

Ich habe ihm von über 30 Jugendlichen erzählt, die wöchentlich eine Gruppe oder ein Offenes Angebot in unserer Einrichtung leiten. Eine Einrichtung der Evangelischen Kirche. Ehrenamtlich. Ohne finanzielle Vergütung.

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