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Glaubensgut als Unterpfand

…oder: Warum die klassische Kirchenmusik Priorität haben muss

Seit mehr als 40 Jahren mache ich als Musiker mit Menschen in der Kirche Musik. Traditionelle Kirchenmusik. Ich liebe diese Musik, weil sie Worte in eine Form bringt, die sie für sich allein nicht haben. Vor allem die alten Choräle kommen mir manchmal vor wie ein Bauwerk, das ein genialer Architekt mit perfekten Proportionen zu einem Kunstwerk gemacht hat, das über sich hinausweist – auf den Himmel, auf Gott. –Von Martin Rieker

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…wenn Glaubenslieder zur Heimat werden. Foto: EKvW

Um diese Schönheit zu erkennen, ist es nicht nötig, dass wir Text und Melodien schon beim ersten Hören in Gänze verstehen oder sie uns merken können. Es muss  eben nicht immer alles einfach und eingängig sein. Ich sehe das in meinen Kinderchören: Die Kinder sind sehr empfänglich für alte Melodien und für alte Sprache, die für unsere Hörgewohnheiten sicher zunächst sperrig klingen, und sie nehmen die Texte erstmal einfach hin (z. B. „nun komm, der Heiden Heiland“). Sie müssen nicht alles mit dem Kopf verstehen, um Freude am Singen zu haben. Auf diese Weise werden sie vertraut mit dem Traditionsschatz unserer Kirche.

Im Laufe des Lebens entdecken Erwachsene dann, was die alten Kirchenlieder alles zu sagen haben. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „O Haupt, voll Blut und Wunden“ – das sind Lieder, die auf den ersten Blick altmodisch, vielleicht sogar überholt klingen, aber wer sie in einer Lebenskrise oder am Bett eines Sterbenden singen kann, bekommt einen ganz anderen Blick für ihre Bedeutung. Und andersherum gilt: Wenn uns in diesen Situationen Worte fehlen, kommen die Lieder zu uns und werden zu Gebeten.

Wie sehr diese Glaubenslieder zur Heimat werden, sehe ich im Altenheim, wenn ich mit dementen Menschen singe. Sie kennen alles noch auswendig, und ich habe das Gefühl, dass es sie glücklich und ruhig macht, die vertrauten Strophen zu singen. Sie finden darin Heimat.

Darum glaube ich, dass wir gerade mit der alten Kirchenmusik einen Schatz haben, in dem sich Glaubensäußerungen finden, die sich bewährt haben. Diesen Schatz müssen wir wohl hüten und die Liebe dafür immer neu entfachen. Ihn zu vernachlässigen und zugunsten neuer, „einfacher“ (billigerer?) Formen aufzugeben, wäre eine Katastrophe, die wir nie wieder gutmachen könnten.

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Kirchenmusikdirektor Martin Rieker ist Kantor in Halle/Westfalen und Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford

15 Jahre 9-11

„Nichts wird mehr so sein, wie es vorher war!“ So beschrieben viele Kommentatoren unmittelbar nach den Attentaten auf das World Trade Center in New York ihren Eindruck von der Bedeutung dieses Ereignisses. Vergleichbares hatte die Welt noch nicht erlebt. Amerika, bisher für die meisten Menschen ein Ort der Sicherheit und Zuflucht, unverletzbar und unschlagbar, war mitten in Manhattan, dem Traum dieser Verheißung, tödlich getroffen. Und: Die Welt sah live und in Farbe zu. Zeitgleich gingen Bilder um den Globus, die wir bisher nur aus Hollywood-Filmen kannten, aber die nun eine grausame Realität beschrieben. 2749 Menschen starben in den Trümmern der beiden Türme. Wir gedenken in diesen Tagen zum 15. Mal der Opfer der Anschläge von New York und Washington. Was aber heißt in diesem Fall „gedenken“? Und wer sind die „Opfer“? – Von Andreas Walczak-Detert

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum.

Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial. Bild: NormanB / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

…„Das Wunder, das wir schaffen können, ist mit unserem Leben fortzufahren, den Wert des Lebens zu bewahren, zu schützen und zu feiern…,“ sagte der New Yorker Bürgermeister Bloomberg bei den Gedenkfeiern auf Ground Zero am 11. September 2005. Allen Teilnehmern war damals klar, dass die Form der Trauer nun in eine neue Phase treten würde. Mit der Grundsteinlegung für den noch höheren Freedom Tower würde es keine Trauerfeiern auf dem so genannten „bad rock“, dem bösen Gestein, mehr geben. Aber die Welt ist nicht einfach zur Normalität zurückgekehrt. Es ist tatsächlich nichts mehr wie früher.

Es ist, als ob diese Anschläge auf gespenstische Art und Weise endgültig das 21. Jahrhundert „eingeläutet“ haben. Wird am Ende das 21. Jahrhundert durch blutige Terroranschläge gekennzeichnet sein – so wie das 20. Jahrhundert durch zwei furchtbare Weltkriege? Zeigen diese Anschläge nicht deutlich, dass es in unserer globalen Welt keine Sicherheiten mehr gibt? Die folgenden Anschläge, in Paris und Brüssel, an der Côte d’Azur und nun auch in Deutschland haben die Verletzbarkeit unserer modernen Welt eindrucksvoll unter Beweis gestellt – und unsere Schutzlosigkeit. Einen sicheren Ort auf der Welt gibt es nicht.

Besonders pikant: Die Terroristen waren Islamisten, beriefen sich auf den Koran, fühlten sich von einem heiligen Krieg zu ihren Taten gerufen. Hatten die Industriegesellschaften vorher noch erwartet, „die Religion“ würde in der modernen Welt allenfalls noch ein Nischendasein führen, so meldete sich nun „die Religion“ schlagartig mitten in der säkularen Welt zurück.

„Die Religion“

Welche Rolle spielt „die Religion“ in unserem Zusammenleben? Wird unsere Zukunft durch neue Feindbilder geprägt sein? Werden Christentum und Islam sich entfremden, statt den gegenseitigen Respekt zu vertiefen? Wird sich die Welt einteilen in die Guten und die Bösen? Bleibt unser christliches Wissen, dass jeder Mensch Gutes und Böses in sich trägt, auf der Strecke? Was werden wir am Ende aus den Terrorangriffen lernen?

Der anglikanische Bischof von Leeds, Nick Baines, verfolgt mit großer Sorge die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in seinem eigenen Land. Rassismus, so seine Einsicht, beginnt nicht lautstark und gewalttätig, sondern als „Samen, der durch Schweigen und Verbreiten von Gerüchten genährt wird…Dem kann begegnet werden durch das Pflanzen, Pflegen und Hegen von Samen, aus denen Hoffnung, Engagement und Liebe erwächst. Es reicht nicht aus, den schlechten Samen auszureißen, man muss an seiner Stelle einen guten einpflanzen.“

Neue Freundbilder statt alte Feindbilder

Der Friedensauftrag der Christen hat durch die Anschläge am 11. September 2001 eine neue Dringlichkeit bekommen. Noch energischer müssen wir fragen und sagen, was heute dem Frieden dient – gerade auch im Gespräch mit anderen Religionen. Unser Glaube muss dazu beitragen, neue Freundbilder statt alte Feindbilder zu „malen“. Ich finde, dass dies der beste und angemessenste Weg ist, der Opfer des 11. September zu gedenken und Lehren aus den Anschlägen zu ziehen. Es steht viel auf dem Spiel, damit wir am Ende nicht alle zu späten Opfern werden.

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Andreas Walczak-Detert ist Pfarrer für Stadtkirchenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

Bildnachweis oben: Blick über das südliche Becken des National September 11 Memorial in New York City (USA) auf das National September 11 Memorial Museum. By NormanB (Own work) / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

In der Freundlichkeit einer Gummizelle erstickt unser Glaube

Wir feiern Konfirmationsgottesdienst und die Konfirmanden, und auch manche ihrer erwachsenen Freunde, schreiben währenddessen – kaum versteckt – WhatsApp oder sehen youtube auf ihren Smartphones.

Erstmal ein Foto machen und mit den Freunden teilen...

Erstmal ein Foto machen und dann noch ein Video gucken…

Wir feiern Taufgottesdienst. Plötzlich geht der fleißige Onkel, der ständig fotografiert, obwohl es anders abgesprochen war, nach vorne und bittet den Pfarrer, doch noch einmal das Taufwasser über das Kind zu gießen. Gerade sei leider Gegenlicht gewesen.
Wir wollen die Hochzeit eines netten jungen Paares feiern. Nun hat es ausdrücklich als Musik zum Einzug „We are the champions“ von Queen erbeten. Ohne ging gar nicht.

Diese Szenen eines Gottesdienstes stammen aus keiner Comedy-Sendung bei RTL. Auf solche Absurditäten kommt nur das wahre Leben selber.

Um nicht gleich uns selber anzuklagen, verlass ich mich auf einen gestandenen Gewährsmann kirchlichen Lebens, sogar ausgezeichnet mit dem Predigtpreis: Fulbert Steffensky schreibt über einen Traugottesdienst, den er gehalten hat:
„Während der Trauung sah ich, dass der Enkel las, und ich fragte ihn nachher, was er gelesen habe. Einen Krimi, sagte er mir. Mit meiner Liberalität habe ich dann geschwiegen und gelitten, und nachher dachte ich, was tue ich eigentlich diesem Menschen an, wenn ich mich ihm nicht zeige, wenn ich nicht sage, was ich davon halte. Wie soll er stark werden, wenn er mich immer mit der Freundlichkeit einer Gummizelle erlebt? Und ich sagte zu ihm: „Es war feige und respektlos. Du hast nicht respektiert, was anderen wichtig ist, und du warst feige, draußen zu bleiben, wenn es dir nichts sagt.“ Später hatten wir ein sehr schönes und ernsthaftes Gespräch darüber. Was hätte ich ihm verweigert, wenn ich geschwiegen hätte. Es ist eine große Gefahr von uns Alten, dass wir von den Jugendlichen geliebt werden wollen.“

Wovor haben wir eigentlich Angst?

Ich denke, dass wir in den drei Beispielen zu Anfang auch geschwiegen hätten. Gilt dafür auch die Frage Steffenskys: „Was haben wir den Menschen verweigert, weil wir geschwiegen haben?“
Gilt auch die Frage: „Ist es eine große Gefahr von uns Christen, dass wir von allen geliebt werden wollen? Bis zur Unkenntlichkeit unseres Glaubens.“
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer seine Predigt unterbräche und die Jugendlichen bitten würde, die Smartphones auszumachen?
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer sich weigern würde, die Taufe zum Event fürs Familienalbum degradieren zu lassen? Und keine Slowmotion der Taufe anbieten würde.
Was geschähe denn, wenn der Pfarrer und die Gemeinde es ertragen würden, dass das Paar sich nicht kirchlich trauen lässt, wenn es nicht mit dem Song „We are the champions“ einziehen dürfte?

Wovor haben wir da eigentlich Angst, wenn wir die Freundlichkeit einer Gummizelle verlassen und sagen würden: „Hier ist eine Grenze, jenseits der so viel von dem verraten wird, was mir und uns als Christen wichtig ist, dass ich nicht bereit bin, sie zu übertreten.“

Schon beim Schreiben stockt mir fast der Atem vor so viel Tollkühnheit.

annette_doerstel_200Annette Dörstel hat an einer Realschule Sport und katholische Religion unterrichtet. Nach der Schulzeit arbeitet sie ehrenamtlich im Krankenhausbereich und in der ökumenischen Arbeit ihrer Kirchengemeinde.

Messianische Juden!

Messianische Juden werden von niemandem gebraucht, da sie alle unter Stress setzen. Warum ist das so? Wer fühlt sich warum bedroht? – Von Reiner Fröhlich

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Kreuz und Davidstern verschmelzen – ein Symbol für die messianischen Juden.

Messianische Juden! Was um alles in der Welt ist das? – Jedenfalls ein Streitthema auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Die messianischen Juden möchten sich dort, wie alle anderen, darstellen. Die Kirchentagsoberen schließen sie aus.

Da stellen wir uns mal ganz dumm: Messianische Juden sind Juden, die in Jesus von Nazareth den Messias Israels sehen. Was, bitte schön, ist daran schlimm? Petrus und Andreas, Paulus und Silas, sie alle waren Juden, die in Jesus den Messias sahen. Weiterlesen

„Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“

„ISIS-Kämpfer rücken immer schneller vor.“ – „Bagdad im Visier.“ – „Ehemalige Giftgasanlage durch islamistische Terrorgruppe eingenommen.“ – Die Schlagzeilen zu der besorgniserregenden Entwicklung im Irak überschlagen sich. – Von Annette Muhr-Nelson.

Hand auf Handgranate

Bild: iStockphoto.com/mvdc

Präsident Obama will 300 Militärberater für die irakische Armee schicken und kündigt zögerlich einzelne gezielte Militärschläge an. Er tut sich schwer mit dieser Entscheidung. Denn er befindet sich in einer Dilemma-Situation. Er hatte gehofft als der Präsident in die Geschichtsbücher einzugehen, der den Irakkrieg friedlich beendet hat. Nun bittet ihn die irakische Regierung höchst selbst um Unterstützung, denn wenn er nichts tue, drohe ein Bürgerkrieg mit ähnlichen Ausmaßen wie in Syrien.

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Fußball ist Fußball

Okko Herlyn über erlösende Tore, heilige Rasen, magische Momente und Siege für die Ewigkeit.

Foto: iStockphoto.com/fatihhoca

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Nun werden sie sich wieder vor jeder Einwechslung bekreuzigen. Andere werden vor dem entscheidenden Spiel Kerzen aufstellen und mit blauen Pullovern höhere Mächte beschwören. Und wer weiß, vielleicht wird während der WM wieder die ein oder andere „Hand Gottes“ im Spiele sein.

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