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Für die Rückkehr des Stammtisches

Einsame, unzufriedene, neidische und sozial verkümmerte Menschen hat es vermutlich zu allen Zeiten gegeben. Menschen, die sich einfach nicht daran erfreuen können, dass sie gesund sind, ein Dach über dem Kopf haben, ein einigermaßen sicheres Einkommen und eine cappuccino-braune Schrankwand. Die eben keine tiefe Dankbarkeit darüber verspüren, dass ihre Kinder eine Schule besuchen können, dass sie ohne Angst an die Wahlurne gehen und so die nächste Regierung mitbestimmen können, dass sie behandelt werden, wenn sie krank sind, dass sie einmal oder mehrmals im Jahr nach Malle fliegen können und dass ihr Flachbildschirm vermutlich größer ist als Großmutters Kleiderschrank. Es gab vermutlich zu allen Zeiten diese Menschen, für die das Glas immer halbleer ist, die sich betrogen fühlen, und die glauben, dass sie immer zu kurz kommen.

Stammtisch. Bild: By Takeaway/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Stammtisch: Hier traf man sich… Bild: von Takeaway (Eigenes Werk)/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Und weil man daran so wenig ändern kann… wünsche ich mir die Rückkehr des Stammtisches!
Denn früher, da trafen sich diese Unzufriedenen in der Kneipe um die Ecke, tranken Bier, bestätigten sich gegenseitig ihr Elend – und, außer der bedauernswerten Bedienung, musste das, was in diesen Nörgel- und Meckerrunden so geboren wurde, niemand hören. Im Laufe eines Abends sank damals vermutlich das Niveau umgekehrt proportional zum Alkoholgehalt im Blut – und am Morgen danach sorgte ein gnädiger Blackout, verbunden mit einem mächtig brummenden Schädel dafür, dass die krudesten Gedanken dort blieben, wo sie hingehören – vergessen am Boden des Bierglases. Einen Leserbrief an die Zeitung hätten diese Menschen niemals geschrieben – zum einen, weil es ihnen vermutlich an der notwendigen Rechtschreibung gefehlt hat – und zum anderen, weil damals noch Mut dazu gehörte, einen Artikel mit dem eigenen Namen zu zeichnen.

Wichtige Funktion für unsere Gesellschaft

Und heute? Es gibt sie kaum noch, die Eckkneipen, und mit ihnen verschwunden sind auch die Stammtische, die ganz offensichtlich eine wichtige Funktion für unsere Gesellschaft und unser soziales Klima hatten. Ohne diesen geschützten Raum, dieses schwarze Loch für rassistische, frauenfeindliche, wehleidige, unzufriedene, pöbelnde, homophobe, hetzerische oder ganz einfach: herzlose Sprüche, suchen sich all diese Gedanken, die besser ungesagt blieben, die aber raus wollen, einen anderen Raum.

Stammtisch-Loser

Und dank der schönen, neuen Medien, dank un-sozialer Netzwerke und falsch verstandener Meinungsfreiheit, lassen uns die Stammtisch-Loser von damals nun an ihrem Wehklagen teilhaben. Sie posten in die Welt hinaus, was ihrer Meinung nach mal gesagt gehört. Besaufen sich nicht mehr am Bier, sondern an ihrem eigenen Hass, an ihrer Unzufriedenheit und an der großen Ungerechtigkeit, die ihnen angeblich das Glück verwehrt. Und draußen in der digitalen Welt – da gibt es dann endlich Bestätigung, von anderen Unzufriedenen, die das auch so sehen und die sich beeilen, in hanebüchener Rechtschreibung und noch viel schlimmerer Gesinnung Zuspruch zu schreiben. Die Feinde sind immer die gleichen: die da oben, die Fremden, die Anderen.

Und statt eines Brummschädels, Übelkeit und ein bisschen Scham gibt es am nächsten Morgen so viele Likes, dass man nun glauben könnte, das, was man da von sich gegeben hat, wäre wahr – weshalb man die Sprüche nun auch in der echten Welt versucht. Wo dann Politiker warten, die versprechen, dass die Welt einfach sei, wenn man sie nur in schwarz und weiß aufteilt. Wo sich selbst „seriöse“ Medien auf jede Unzufriedenheit stürzen und nun auch jedem Meckerkopf eine Bühne bieten – schließlich hat der Nörgler 500 Likes bekommen, es muss doch was dran sein. Und wo es immer schwieriger wird, eine unbequeme, eine differenzierte Sicht der Dinge einzufordern.

Der Stammtisch von damals – er hat keine Probleme gelöst, aber er schuf einen geschützten, windarmen Raum, wo aus einer kleinen, zornigen Flamme (frei nach Jakobus 3,6) nicht gleich ein Waldbrand entstehen konnte. Sie durfte kurz aufflammen – und dann erlosch sie wieder, ohne Sauerstoff von außen der Lebensgrundlage beraubt. Ich wünschte, es gäbe heutzutage mehr Windstille und weniger Brandbeschleuniger…

Nicole Schneidmüller-GaiserDiplom-Journalistin Nicole Schneidmüller-Gaiser,
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im
Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten

 

 

Bildnachweis: „Stammtisch“ von Takeaway (Eigenes Werk)y/ CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Europa: In der Krise steckt die Chance

Eine Stimme für das „Friedensprojekt“ Europa!“ war einer der ersten Beiträge in der „Klaren Kante“. Wie sieht es jetzt, zwei Jahre später, aus? Annette Muhr-Nelson schaut zurück und nach vorn.

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Paris, Brüssel, die Terroranschläge in europäischen Metropolen erschüttern uns bis ins Mark. Allerorten ist Verunsicherung zu spüren. Kaum ein Fernsehabend ohne eine Talkshow oder ein Magazin zum Thema. Dabei werden Schwächen in der Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten der verschiedenen europäischen Staaten bemängelt.

Idomeni, Lesbos, Lampedusa, Calais. Zäune in Osteuropa, die Wiedereinführung von Grenzkontrollen auch in Dänemark, das Rücknahmeabkommen mit der Türkei. Ein europäischer Flüchtlingsgipfel jagt den anderen.

Großbritannien stimmt am 23. Juni über den Verbleib in der EU ab. Ein Brexit könnte möglicherweise große Auswirkungen auf die europäische Währungsunion haben. Die nationalkonservativen Parteien und Strömungen erstarken in ganz Europa. In der Ukraine herrscht immer noch Krieg.

Die Europäische Union steckt in einer dicken Krise. Steht das „Friedensprojekt Europa“ vor dem Aus?

„Wir sind zutiefst erschüttert von den Ereignissen. Als Gesellschaften und auch als Kirchen müssen wir fest und geeint stehen“, sagte der Generalsekretär der GEKE (Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa), Bischof Dr. Michael Bünker, unmittelbar nach den Anschlägen in Brüssel. „Die Spaltung Europas durch Terroranschläge wie jene von Brüssel darf nicht gelingen.“

Was für die Terroranschläge gilt, gilt auch für die anderen Herausforderungen: Die Spaltung Europas darf nicht geschehen! Ruhe bewahren, einen kühlen Kopf behalten, gemeinsam nach Lösungen suchen, ist das Gebot der Stunde.

Wertelieferanten?!

Es stand Politikern schon immer gut an, weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Visionär und menschlich – so stelle ich mir europäische Politik vor; an einer Friedenslogik ausgerichtet, die ein auskömmliches Leben für alle zum Ziel hat.

Das mag naiv und weltfremd klingen. Ist es auch, solange damit gemeint ist: „Lasst uns so weitermachen wie bisher.“ – Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Die Appelle zu Toleranz und Offenheit reichen nicht mehr aus, den sozialen Frieden zu wahren.

Als Kirchen haben wir da lange genug mitgespielt, haben uns in die Rolle des Wertelieferanten für die Gesellschaft drängen lassen, haben getröstet und Pflaster auf die Wunden geklebt.

Jetzt ist es Zeit, deutlich zu machen, was Gerechtigkeit, Solidarität, wirklich heißt: Eine Transformation der Gesellschaft, eine Lastenverteilung zwischen Arm und Reich, eine komplette Änderung unseres Wirtschaftssystems.

Wenn wir es nicht aussprechen, wer dann: Die weltweiten Flüchtlingsströme und das Erstarken des Extremismus brechen nicht über uns herein wie Naturgewalten. Sie waren vorhersehbar. Sie sind logische Konsequenzen eines globalen ausbeuterischen Wirtschaftssystems, von dem wir in Europa lange genug profitiert haben.

Nur mit mutigen Schritten nach vorn können wir das überwinden. Zurück zum Nationalstaat ist keine Option. Europa hat schon viele Krisen gemeistert. Ich bin zuversichtlich, dass der Friedenswille und die Freiheitsliebe der Europäerinnen und Europäer nicht so leicht unterzukriegen sind.

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson

Annette Muhr-Nelson ist Friedensbeauftragte der EKvW und Leiterin des Amtes für MÖWe

 

„Sie liegen falsch, Schwerte schafft das“

In einer Ausgabe der ZEIT ging es um Städte, die viele Flüchtlinge und viele Schulden haben, unter anderem um Schwerte. Die Überschrift über dem Artikel hieß: Schwerte schafft es nicht. Ich komme aus Schwerte. Die Überschrift ist falsch. – Von Martin Krehl

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…auch in Schwerte. Bild: Public Domain/pixabay

Das es in Schwerte wenig bezahlbaren Wohnraum gibt und dass er mit steigenden Flüchtlingszahlen knapper wird, das stimmt. Aber Sozialwohnungen wurden schon abgeschafft, bevor Assad die erste Fassbombe auf Aleppo werfen ließ. Die Not ist nicht durch Flüchtlinge entstanden, sie ist nur sichtbarer geworden.

Meine Stadt hat jahrelang hart sparen müssen, auch das ist richtig. Wenn jetzt Flüchtlinge kommen, werden wir Normalbürger – abgesehen von den beschlagnahmten Turnhallen – kaum etwas vermissen an unserer kommunalen Daseinsfürsorge, die ist nämlich lange schon auf ein Mindestmaß reduziert. Wir sind es gewohnt, uns selbst zu kümmern, das Engagement der Schwerter Bürger hat Jahrhunderte Tradition. Es gibt genug Helfer, die sich um die Unterbringungen und Versorgung der Flüchtlinge kümmern. Das sind nicht nur optimistische, naive Menschen. Da sind eine Menge Leute dabei, die denken: Hoffentlich geht das gut.

Aber nur weil das Geld knapp ist, kann doch nicht gleich der Schluss gezogen werden, dass die Stadt diese Aufgabe nicht stemmen kann. Im schlimmsten Fall schickt uns das Land einen Zwangsverwalter. Der wird sehen, was offensichtlich ist: dass wir kein Geld ausgeben für Dinge, die verzichtbar wären. Wir können ja nicht in den Turnhallen, in denen Flüchtlinge wohnen, die Heizung abdrehen oder die Matratzen wegstreichen. Der Bürgermeister darf in meinem Namen so viele Schulden machen wie nötig. Es ist gut investiertes Geld, es hilft Menschen in Not.

Vielleicht wird durch die Flüchtlinge der eine oder andere Bauantrag etwas später bewilligt, vielleicht werden ein paar Knöllchen weniger geschrieben, weil die Beamten so beschäftigt sind. Mehr nicht. Schwerte schafft das.

krehl_200Martin Krehl war Lokalredakteur bei der Westfälischen Rundschau, betreut als Mitarbeiter der Kirche Flüchtlinge, Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und für die Koordination der sechs Begegnungscafés der katholischen und der drei evangelischen Kirchengemeinden in Schwerte

 

(Erstveröffentlichung als Leserbrief in DIE ZEIT Nr. 9/18.02.2016 – Zwischenruf)

Warum die absolute Priorität der Flüchtlingsfrage kein guter Weg sein könnte

In diesen Tagen sind es viel zu viele Menschen, die in eine ungewisse Zukunft fliehen müssen, weil sie dort, wo sie sind, keine Zukunft und keine sichere Gegenwart haben. – Von Heinz-Hermann Haar

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…dürfen wir das, wenn es so viel Menschen auf der Flucht und in Not gibt?

Flüchtlinge erfahren vielerlei Grenzen: Vor der Flucht erleiden sie Krieg und Gewalt, Demütigung und Vergewaltigung, Hunger und Krankheit, Arbeits- und Perspektivlosigkeit – sie stoßen an existentielle, physische und psychische Grenzen, die sie nicht überwinden können, vor denen sie fliehen. Auf der Flucht begegnet ihnen erneut Gewalt und Erniedrigung, Hunger und Ausbeutung, zudem Gefahr bei der Durchquerung fremder Länder, stürmischer Meere, reißender Flüsse, um an das gegenüberliegende rettende Ufer zu gelangen.

Wer Grenzen erfährt, die er selbst nicht überwinden kann, braucht Nächste, die ihm zur Seite stehen. Jesus beantwortet die Frage „Wer ist mein Nächster“ mit der Gegenfrage: „Wer ruft mich, damit ich zu seinem Nächsten werde?“

Dass wir uns um diese Menschen und ihr Leid kümmern müssen, steht völlig außer Frage. Aber vielleicht sei die Frage gestattet, ob das alles andere überdecken darf und soll? Weiterlesen

Hartz IV: Überleben Ja – gesellschaftliche Teilhabe Nein danke!

Für Nahrungsmittel sind bei einem alleinstehenden erwachsenen ALG-II-Empfänger 138,82 € monatlich vorgesehen, ein 6 bis13-jähriges Kind erhält 104,86 €. Pro Tag sind dies 4,62 € für Essen und Trinken, für das 12-jährige Kind noch 3,49 €. Wenn für das Mittagessen 1,49 € eingeplant werden verbleiben für das Frühstück und Abendessen je ein Euro. Wichtig ist, dass das Kind keinen gesunden Apfel mit zur Schule nehmen möchte oder nachmittags Hunger bekommt, hierfür ist kein Cent mehr übrig. Es sollte auch den ganzen Tag keinen Durst haben oder mit Leitungswasser zufrieden sein, der Getränkeanteil war bei den Essensausgaben verplant. – Von Michael König

Hand füllt Hartz-IV-Antrag aus

Bild: clipdealer

Für Schuhe sind für ein 6 bis 13-jähriges Kind monatlich 10,43 € vorgesehen. Ein Paar Sandalen, Halbschuhe und Winterschuhe im Billigeinkauf für 40,00 € und alles ist für ein Jahr ausgegeben. Schuhe zum Wechseln, Verschleiß, wachsende Kinderfüße alles sollte bei Hartz IV nicht vorkommen. Sportunterricht in der Schule lieber auch nicht; Turnschuhe sind in der beschriebenen Variante nicht eingeplant.

Alles reduzieren

Der Mangel bei den Grundbedarfen wie Ernährung, Kleidung, Energieversorgung wird dadurch ausgeglichen, dass andere Ausgaben komplett eingespart werden. Für einen Erwachsenen sind im monatlichen Regelsatz für Spielwaren/Hobbys (1,30 €), Bücher/Broschüren (5,55 €), Bildung/Kursteilnahme (1,50 €), Besuche von Sport- und Kulturveranstaltungen (8,30 €) oder Mitgliedsbeiträge (1,45 €) eingeplant. Einsparungen bei Ausgaben für soziale Kontakte ermöglichen es, für ein Mittagessen 2,50 € einzuplanen oder die notwendigen Billigturnschuhe für das Kind zu bezahlen. Weiterlesen

Streik – ein Beitrag zum Wohl der ganzen Gesellschaft?

Streiks nerven, das ist keine Frage. Zur Zeit nervt die Streikwelle besonders, weil sie viele Belange des Alltags trifft: Verkehr, Kinderbetreuung, und jetzt auch noch die Post. Da kommt man ja kaum noch hinterher. – Von Dr. Tilman Walther-Sollich

Streik

Streik! Foto: Digitoxin (Erich Wangerin)/ CC-BY 2.0

Mit Achselzucken, Wegschauen oder gar Schimpfen ist aber niemand geholfen. Es wäre sogar noch nicht einmal christlich. Denn es geht bei diesen Streiks um Kernfragen unseres Sozialwesens, um Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben. Da sollten wir uns nicht raushalten! Tun wir auch nicht: Ende April hat die EKD sogar sehr dezidiert mit einer Denkschrift („Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt„) Stellung genommen zu diesen Fragen, die besser nicht nur mit Stammtischparolen erörtert werden sollten. Es lohnt sich, da hineinzuschauen. Weiterlesen

Frauenmahl – viel zu teuer?

„35 € Eintritt für eine Kirchenveranstaltung – das können sich unsere Gemeindefrauen doch gar nicht leisten! Dafür mache ich keine Werbung.“ Eine Pfarrerin ist empört. In unserem Kirchenkreis findet ein Frauenmahl statt, mit Festessen, Impulsvorträgen, Raum für Gespräche untereinander und musikalischem Rahmenprogramm. Natürlich: 35 € sind eine Menge Geld, aber muss bei Kirchens immer alles kostenfrei sein? Es ist sehr gut, dass wir vieles für einkommensschwache Zielgruppen anbieten, aber darf es nicht auch anderes geben? – Von Ute Böning

Buntes Programm, interessante Referentinnen – Frauenmahl in Sendenhorst. Foto: EKvW/IKG

Wenn ich mir anhöre, was junge Erwachsene für Eintritt z. B. bei Silvester-Veranstaltungen zahlen, finde ich den Betrag immer noch sehr günstig. Außerdem bekommen die Teilnehmerinnen eine Menge für ihr Geld geboten: 4 Stunden Programm zu einem gesellschaftlich wichtigen Thema aus Frauensicht, mit mehrgängigem Essen (Suppe, Vorspeise, Hauptgerichte und Nachtischbuffet) und namenhaften Rednerinnen, z. T. bundesweit bekannt, ansprechende Atmosphäre und Raumgestaltung, sowie Musik vom Feinsten. Weiterlesen

Mein Sparschwein zahlt keine Kirchensteuer

„Sachma, Katharina, spinnt die Kirche jetzt total?“ Als ich nach Hause kam, hatte mein Nachbar gerade seinen Briefkasten geleert und die Post gleich vor der Haustür gesichtet. Dabei war auch einer dieser merkwürdigen Brief von der Bank, die nun alljährlich nach der Kirchenzugehörigkeit fragen. Nachbar Jürgen hatte beim Überfliegen dieses Schreibens nur eines erfasst und das rief er in seinem Unmut quer über die Straße: „Die wollen auch noch Steuern auf meine Ersparnisse haben.“ – Von Katharina Blätgen

Sparschwein mit Hammer

Arme Sau?

Das neue Verfahren zum Einzug der Kirchensteuer auf die Kapitalertragssteuer ist eine Katastrophe der kirchlichen Kommunikation. Denn so wie Nachbar Jürgen (der übrigens katholisch war, aber schon vor vielen Jahren ausgetreten ist) reagieren die meisten: ‚Eine neue Steuer, auf meine Ersparnisse und das von der Kirche – jetzt reicht’s.‘ Missverständnisse, soweit das Auge reicht, und fast keine Chance, sie auszuräumen. Die Austrittszahlen sind merklich gestiegen, bei uns im Kirchenkreis gerade in den Kirchengemeinden, in denen gut situierte Senioren leben. Weiterlesen

Wirtschaft und Gerechtigkeit

Unternehmen sind immer sozial, solange sie vermarktbare Leistungen anbieten und sich an die Gesetze halten, findet Unternehmer W. Arndt Bertelsmann.

Betriebe können sich mit ihrem sozialen Engagement nicht reinwaschen. Tariftreue- und Vergabegesetze, Grenzwerte, Mindestlohn und weitere Sicherungssysteme bleiben die notwendige Grundlage, sagt Sozialpfarrin Heike Hilgendiek.

Wie sieht es aus, wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen?

Pro und contra, Unternehmens- und soziale Perspektive gibt es heute im Doppelpack:

Sind Unternehmen sozial? Ja, immer!

W. Arndt BertelsmannWas auf den ersten Blick eine Provokation ist, lässt sich leicht erklären. Ein Unternehmen ist immer dazu da, Produkte oder Dienstleistungen zur erstellen bzw. anzubieten. Es befriedigt also den Bedarf von Konsumenten, anderer Unternehmen oder des Staates. Dazu setzt es Ressourcen ein – Arbeitskraft, Material, Energie und Kapital. Es schafft somit Arbeitsplätze, und wenn es nur die Unternehmerin selbst ist. Wenn ein Unternehmen keinen Bedarf deckt oder die Ressourcen nicht sinnvoll einsetzt, sollte es schließen. Denn dann wäre der Fortbestand eine Verschwendung von Ressourcen.
Die Arbeitgeberperspektive von W. Arndt Bertelsmann

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